24.06.2016 Dichtung und Wahrheit. Zur Senioren-Flüchtlingsunterbringung Version 2.0

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Dichtung und Wahrheit

Gleich einen halben Meter größer und stolz wie Oskar schien Stefan Quirin, der neue CDU Fraktionssprecher im Ortsbeirat. In der Sitzungspause erklärte er mit leuchtenden Augen, dass die Neuplanung für die Flüchtlingswohnungen einzig und allein dem Antrag der CDU im Januar zu verdanken sei. Schließlich habe die CDU-Fraktion in einem detaillierten Antrag aufgezeigt, dass das ursprünglich vorgestellte Konzept nicht funktioniern kann und habe eine Neuplanung gefordert. Auf diesen Antrag sei die Stadt und das DRK eingegangen. So beschreibt es auch die Internetseite der Harheimer CDU. Klingt plausibel und hört sich glaubwürdig an. Schließlich wurden ja vor ein paar Tagen eine neue und erheblich bessere Planung vorgelegt. Aber stimmt es wirklich? Schauen wir doch einmal nach.

Der Antrag
Der Antrag der CDU lautete: „Der Ortsbeirat bittet den Magistrat, den vorliegenden Bebaungsvorschlag des DRK … zurückzuziehen und durch einen nutzungs- und integrationstauglichen Vorschlag dem OBR neu zu präsentieren.

Die Antwort des Magistrats dazu lautet (ST708): „Dem Magistrat liegt ein Antrag auf Bauvorbescheid vor. …. Antragsteller ist das Deutsche Rote Kreuz. Nur das Deutsche Rote Kreuz kann den Antrag zurückziehen, nicht der Magistrat der Stadt Frankfurt“. Punkt.
Das klingt gar nicht so, als ob der Magistrat geneigt wäre, den Ideen der CDU Harheims zu folgen.

Aber irgendwer muss doch das DRK dazu gebracht haben, noch einmal völlig neu zu planen. Ja. Hat auch. Das war aber nicht die CDU Harheim. Das war eine ganz andere Initiative, die sich in Harheim in den letzten Monaten nicht nur Sympathien erworben hat. Das war – Überraschung! – die IGH, die Interessengemeinschaft Harheim. Glauben Sie nicht? So wars:

„irgendwer muss doch das DRK dazu gebracht haben, völlig neu zu planen…..“

Am 31.Januar, also kurz nach der Vorstellung der ersten Pläne mit  Holzmodulbauweise, kam es zu einem Treffen in einer Privatwohnung im Niederfeld, bei dem neben Tobias Jaenicke und Markus Lehleiter (die zwei Vorstandsmitglieder des IGH)  auch Bernd Kölling, (der damalige Fraktionssprecher der Harheimer CDU), dazu Dr. Böhm, und Lutz Weiler (Bauunternehmen Weiler) anwesend waren. Bauunternehmer Weiler steuerte die Ideen über das „the peoples project“ und Solgarden von Markus Gildner bei. Die IGH handelte schnell und innerhalb weniger Wochen hatten sie den Kontakt zwischen Solgarden und dem DRK hergestellt.

 Was ist Wahrheit und was ist Dichtung?
Also, wenn es jemand zu verdanken ist, dass das DRK mit Investor und Bauunternehmer Solgarden zusammenarbeitet und jetzt Reihenhäuser anstelle von Holzmodulcontainer baut, dann geht diese Auszeichnung eindeutig an die IGH. Keinesfalls aber die CDU. Deren Antrag ist vom Magistrat schlicht abgelehnt worden und die Wirkung verpufft. Die Absicht der CDU war ohnehin nur, die Unterbringung von Flüchtlingen in Harheim mit allen Mitteln zu verhindern oder wenigstens zu verzögern. Nun bietet sich aber eine einmalige Gelegenheit. Man kann sich mit den bunten Federn anderer schmücken. Man muss ja nur die Geschichte ein klein wenig umschreiben. Das merkt (fast) keiner.

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3 Antworten zu 24.06.2016 Dichtung und Wahrheit. Zur Senioren-Flüchtlingsunterbringung Version 2.0

  1. M. Lehleiter schreibt:

    Guten Tag Herr Seuffert,

    vielen Dank für die positive Erwähnung. Es haben eine Reihe von Personen an einer Verbesserung mitgearbeitet, die allerdings bisher nicht mehr als eine Absichtserklärung ist. Wie Sie in Ihrem vorigen Artikel richtig erwähnt haben, gibt es aber noch einige Punkte die kritisch bzw. verbesserungswürdig sind. Darüber hinaus wäre es prima, wenn alle Fraktionen und die Bürger sich dafür einsetzen, dass die getroffenen Zusagen von Stadt, DRK und Solgarden auch eingehalten werden und auch an ein paar Stellen noch nachgebessert wird.

    Die CDU – insbesondere Herr Dr. Immel – hat sich m.E. absolut sauber verhalten und nicht mit fremden Federn geschmückt. Letztendlich ist es auch egal, wer dahinter steckt, wenn die Lösung am Ende für den Stadtteil und die Bürger passt.

    Viele Grüße

    M. Lehleiter

  2. Jan schreibt:

    Vielen Dank für diesen Kommentar. So habe ich das auch mitbekommen.

    Kontroverse Diskussion ist ja zumeist hilfreich, aber Dissenz zu erzeugen, wo gar keiner ist halte ich dann doch für Meinungsmache und Aufmerksamkeitshascherei.

    Und damit wäre der Artikel selbst auch schon fast zuviel gewürdigt.

    Hoffen wir auf eine gute Lösung für die Bürger.

    Gruß,
    Jan

  3. Marcus schreibt:

    Am Schluss bleibt festzuhalten, dass kein Mut oder auch kein Wille vorhanden war, sich komplett gegen das Projekt auszusprechen. Auf der Strecke bleiben die Bürger. Diese können schauen, wo sie eine Altenwohnung oder bezahlbaren Wohnraum finden. Gleichzeitig soll gejubelt werden, dass zwei Firmen ihren Reibach machen können. Das ist traurig für alle Parteien in Harheim und im Römer!

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