09.09.2016 20.000 Wohnungen schaffen und gleichzeitig Grünflächen erhalten – geht das?

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steht leer

„Bauen, bauen, bauen“ scheint das neue Frankfurter Motto zu werden. Als könne man durch Bauen den Stadtfrieden retten und gleichzeitig wieder günstige Mieten für die vielen Geringverdiener hinkriegen. Dabei erreicht man mit dem Bebauen von Grünflächen nur eines mit Sicherheit: Dass das für Klima, Landwirtschaft und Naherholung notwendige Grün reduziert und die Stadt insgesamt unwohnlicher wird.

Dabei gäbe es durchaus vielleicht interessante Alternativen. Der Weg, Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die Grünzüge und Freiflächen der Stadt zu erhalten. Nämlich durch die Aktivierung von Leerstandsflächen.

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Leerstehender Gewerberaum.

Nach Angaben des Immobilienberaters „Black Olive“ gab es – einem Bericht der Frankfurter Neuen Presse am 6.1.2016 zufolge – im Vorjahr im Raum Frankfurt für 1,39 Millionen Quadratmeter Büroflächen keine Nutzer. Würde man – nur als Gedankenspiel – diesen gesamten leerstehenden Büroraum in Wohnraum umwandeln, könnte man damit rund 20.000 Wohnungen mit je 70m² schaffen. 1,39 Millionen Quadratmeter zu hoch gegriffen? Die BNP Parisbas Real Estate kam 2014 für den Frankfurter Büromarkt sogar auf 1,81 Millionen Quadratmeter leerstehenden Gewerberaum.

Geht man einmal aufmerksam durch Harheim, so fallen leerstehende Läden und Gewerbeflächen sofort ins Auge. Leerstehender Büroraum ist nicht ganz so auffällig. Leerstehende Wohnungen zu entdecken, das ist noch viel schwieriger. Nicht jede Wohnung, nicht jedes Haus mit heruntergelassenen Rollläden und vollgestopftem Briefkasten steht automatisch leer.

Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Gründe, weshalb ein Laden, ein Büro oder eine Wohnung vielleicht auch lange Zeit leer steht. Trotzdem könnte dieser leerstehende Raum vielleicht mit kreativen Ideen und vergleichsweise wenig Aufwand nutzbar gemacht werden. Bei einer gleichzeitigen Aufwertung der Straßenzüge wenn Gebäude, die verfallen und verkommen, wieder aufgewertet und gepflegt werden. Und gleichzeitig können die Grünflächen erhalten werden !

Viele Grünflächen um Harheim herum werden landwirtschaftlich genutzt. Sie sind gleichzeitig wichtig als Naherholung und fürs Stadtklima. Der Vorschlag, in der Innenstadt vertikale Gärten als Grünfläche anzulegen um das Klima wohnlich und die Temperaturen im Sommer erträglich zu erhalten, ist einfach zynisch, wenn man gleichzeitig ein paar Meter weiter vorhandene Grünflächen zubaut. Vor allem, wenn gleichzeitig für 20.000 Wohnungen Raum im Stadtgebiet auf bereits versiegelter Fläche vorhanden ist.

Sicherlich wird dieser leerstehende Raum in den meisten Fällen umgebaut, saniert und renoviert werden müssen. Aber leerstehende Immobilien sind kein Schrott. Häufig ist die Renovierung günstiger als Abriss und Neubau. Und der Vergleich zwischen Leerstandsaktivierung und Neubau spricht in den meisten Fällen für die Aktivierung von Altbau:

–           keine zusätzliche Fläche wird versiegelt
–           die Infrastruktur ist bereits vorhanden
–           die Vorlaufzeit bis zum Beschluss eines gültigen B-Plans entfällt völlig
–           Leerstehender Altbestand könnte viel schneller als Wohnraum zur Verfügung           stehen als Neubau.

Bis jetzt jedoch fördert Frankfurt das Bauen und weiß dabei nicht einmal, wo und wieviel Platz es in bestehenden Gebäuden überhaupt gibt. Deshalb ist es gerade für Frankfurt und für die Frankfurter Stadtteile wichtig, intelligente und kreative  Lösungen für den Umgang mit Leerstand zu entwickeln. Und im ersten Schritt überhaupt einmal Informationen und Daten dazu zusammenzutragen.

Ach ja, und ehe gleich zu weit gedacht wird….. Nein, wir Grüne in Harheim haben nicht vor, Meldepflichten, Zwangsmaßnahmen, Zwangszuweisungen oder ähnliches einzuführen. Uns ist bewusst, dass es für den Leerstand von Gewerberäumen oder Wohnraum die vielfältigsten Gründe gibt. Wir wollen jedoch die Grünflächen um Harheim herum – oder auch in Frankfurt – erhalten. Weil wir glauben, dass so eine nachhaltige Stadtentwickung aussehen muss. Weil wir glauben, ein einfaches „bauen, bauen, bauen“ ist sowas von Siebzigerjahre. Weil wir glauben, dass es für alle besser ist, wenn ein Quadratmeter Leerstand wohnbar gemacht werden kann, als wenn ein Quadratmeter Grünfläche zubetoniert wird und damit für alle Zeiten verloren ist.  

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