10.02.2017: Und ewig grüßt das Murmeltier – Die Wohnanlage im Niederfeld

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Wohnen im Obstgarten Bild: Markus Gildner / Solgarden GmbH

Grundstücke auf Erbpacht in Harheim Süd? Hat es in den vergangenen Jahren immer wieder und regelmäßig gegeben. Der Ortsbeirat wurde vom Magistrat informiert und hatte die Magistratsvorlagen ohne Diskussion abgenickt. Jetzt ist aber plötzlich alles anders.

Bei der Magistratsvorlage M9 nickt eine große Fraktion im Ortsbeirat nicht mehr, sondern stellt sich quer. Der Investor solle erst einmal detaillierte bemaßte Baupläne aller Bauabschnitte vorlegen, sowie ein detailliertes Betriebskonzept inklusive maximaler Belegungszahl insgesamt und pro Wohneinheit.

Warum die CDU-Fraktion das so genau wissen will? Kann es den Ortsbeiräten dieser Fraktion nicht egal sein, ob ein Wohnzimmer 4 Meter 70 oder 4 Meter 90 lang ist? Eigentlich schon. Aber nicht hier. Denn hier droht die Gefahr, dass Flüchtlinge in dieses Haus einziehen.

PowerPoint-PräsentationDie konservative Ortsbeiratsfraktion befürchtet, dass die Planungen möglicherweise von den Zielen und Festsetzungen des Bebauungsplans 687 abweichen. Man erinnere sich jedoch: vor nicht allzu langer Zeit haben sich Neubürger erheblich über die Bauaufsicht aufgeregt, die all zuviel regulieren. Gerade in Harheim-Süd. Jetzt wollen die Christdemokraten ein neues Modell probieren: Nicht nur die Bauaufsicht soll prüfen, ob das neue Bauwerk alle Vorschriften einhält. Zusätzlich soll auch noch der Ortsbeirat ein weiteres Mal kontrollieren dürfen.

Aber das ist noch längst nicht alles. Schon vor acht Monaten hat der fränkische Investor Markus Gildner (Firma Solgarden) das Konzept vorgestellt. Er errichtet Reihenhäuser mit abgeschlossenen Wohnungen, die zum Teil mit Flüchtlingen und zum Teil mit Senioren belegt werden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird dieses Wohnmodell betreuen und bietet gleichzeitig die erforderlichen Integrationsleistungen an.

Jetzt – acht Monate später – ist bei einigen Ortsbeiräten erst der Groschen gefallen. Der Magistrat solle doch erst einmal darstellen, weshalb ein Betreibermodell eingerichtet wird. Man könnte doch auf das DRK ganz verzichten, wenn der Investor die Häuser nicht nur finanziert und baut sondern hinterher gleich die Flüchtlinge und Senioren unterbringt. Das bisschen Integrationsleistung kann doch ein Bauunternehmer sicherlich genauso erbringen, wie das DRK. So schwer kann das doch nicht sein.

Weshalb es acht Monate gedauert hat bis die CDU in Harheim diese Problematik erkannt hat, das bleibt im Dunkeln. Dass es „zufällig“ zeitgleich mit der Beratung über die Erbbauvergabe geschieht, legt eine andere Deutung nahe: Es geht gar nicht um Betreibermodell oder Abmessungen von Wohnzimmern. Es geht darum, die Unterbringung von Flüchtlingen in Harheim generell und mit allen Mitteln zu verhindern oder wenigstens zu verzögern – aber gleichzeitig nicht den Eindruck entstehen zu lassen, die Antragsteller hätten irgend etwas gegen Flüchtlinge.

Dabei könnten die aus den Krisengebieten der Welt geflohenen Menschen in Harheim tatsächlich eine wichtige Funktion erfüllen. Sie machen das integrative Wohnprojekt mit preisgünstigen Seniorenwohnungen und zusätzlichen Plätze für gemeinschaftliches Wohnen finanziell überhaupt erst möglich. So zynisch das auch klingt!  Alle vorhergehenden Investoren sind mit dem Bau einer Seniorenwohnanlage an der Frage der Finanzierung gescheitert. Die Unterbringung von Flüchtlingen finanziert die Schaffung von preiswerten Seniorenwohnungen.

Die Gretchenfrage ist also nicht: Wollen wir, dass in Harheim Flüchtlinge wohnen, oder wollen wir es nicht. Die zentrale Frage ist:

Wollen wir, dass in Harheim preiswerte Seniorenwohnungen geschaffen werden, wenn gleichzeitig auch Wohnungen für Flüchtlinge entstehen, oder wollen wir auf preiswerte Seniorenwohnungen dann doch lieber verzichten?

Da lohnt es sich wirklich, gründlich darüber nachzudenken. Aber nicht erst im letzten Moment.

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Eine Antwort zu 10.02.2017: Und ewig grüßt das Murmeltier – Die Wohnanlage im Niederfeld

  1. FS schreibt:

    Wer die Magistratsvorlage samt Anhang aufmerksam liest merkt, dass das jetzt geplante Modell sich von demjenigen von vor acht Monaten unterscheidet. Damals war die Unterbringung während des Asylverfahrens geplant-also eine Durchgangsstation mit kurzer Aufenthaltsdauer. Blöderweise ist das dort aber baurechtlich nicht zulässig, auch nicht per Befreiung. Deshalb wird im jetzt vorliegenden Konzept von langfristiger Unterbringung über das Verfahren hinaus gesprochen, um das ganze irgendwie als Wohnen darzustellen und somit zulässig zu machen. Das beißt sich aber mit dem Betreibermodell, das ein Kennzeichen für Heimunterbringung wäre. Aber netterweise hat das ja Frau Skotnik bereits wieder zunichte gemacht, in dem sie in der FR zugegeben hat, dass eben doch nur kurzfristige Unterbringung in einer Zwischenunterkunft geplant ist.

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