21.03.2017 SG Harheim. Fussball, Kunstrasen, Abseits und die Sache mit dem lieben Geld.

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SG Harheim gegen SG Eintracht Frankfurt

Die Sportgemeinschaft Harheim hat´s nicht leicht. Logisch – Fussball spielen kann die schönste Sache der Welt sein. Aber das organisatorische Drumherum wird dabei leicht ausgeblendet. Zum Spiel braucht´s neben einem Ball und Mannschaften auch einen Sportplatz, Umkleideräume, Duschen und obendrein muss das alles gepflegt werden. Eine Sache, die ganz schön ins Geld gehen kann. Da kommt man mit € 6,70 pro Mitglied und Monat wohl nicht sehr weit. Vielleicht auch ein Grund, weshalb sich in solchen Vereinen niemand wirklich um das Engagement im Vorstand reißt.

Vor 35 Jahren ist der 1946 gegründete Verein auf die Bezirkssportanlage an der Riedhalsstraße umgezogen. Die Stadt Frankfurt hatte mit einem „Aufwand in Millionenhöhe“ die Sportanlage und das Vereinsheim angelegt. Nur, so eine Anlage kommt irgendwann auch mal „in die Jahre“. Ein neues Vereinsheim? Schon vor etlichen Jahren war der Sanierungsbedarf in den Umkleiden nicht mehr zu übersehen. Aber für einen Komplettabriss und Neubau war kein Geld da. Also wurden zuletzt im vergangenen Jahr für rund 170.000 Euro die Sportlerumkleiden wieder salonfähig gemacht, unter kräftiger Eigenleistung der Vereinsmitglieder. Für ungefähr die gleiche Summe wurden im Jahr davor variable nutzbare Kleinfelder angelegt, die allerdings schon mit einem eingeplanten Wasserschaden das Licht der Welt erblickt hatten. Der Rasenplatz selbst wurde 2012 vom Sportamt mit viel Aufwand vom wuchernden Unkraut befreit. „Das ist vertragsgemäß Sache des Vereins“, erklärte damals der zuständige Mitarbeiter des Sportamtes.

Mit Kunstrasen gibts weniger Unkraut

Unkraut wuchert. Pflegeintensiver Rasenplatz

Ein Kunstrasenplatz?
Vermutlich ist die SG Harheim damit der finanziell von der Stadt Frankfurt am besten bezuschusste Verein im Stadtteil. Der wirklich teure Wunsch der Sportgemeinschaft ist aber noch gar nicht berücksichtigt worden: Die Fussballer wollen einen Kunstrasenplatz. Für ganzjähriges Training auch im Winterhalbjahr. Und: weil die Nachbarvereine mit Kunstrasenplatz natürlich eine harte Konkurrenz um die Spieler darstellen. So ein Kunstrasenplatz kostet etwas mehr als eine Million Euro.

Auch die Kommunalpolitiker im Ortsbeirat unterstützen seit langem diesen Wunsch mit jährlich wiederkehrenden Anträgen. Bisher jedoch leider ohne Erfolg. 2012 noch äußerte sich der damalige CDU-Fraktionschef Kölling glücklich, dass „…der Kunstrasenplatz überhaupt so weit vorne in der Prioritätenliste…“ stehe, fünf Jahre später, 2017, scheint aber die Ziellinie dafür schon wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Der vom Sportdezernent Markus Frank (CDU) verwaltete Etat lässt den Bau von etwa fünf Kunstrasenplätzen pro Jahr zu. Bei knapp 70 Fußballvereinen in Frankfurt kann das dauern, bis die Reihe an der SGH ist ….

Im Abseits

Im Abseits

Abseits!
Und da kommt schon das nächste Problem. Seit Jahr und Tag ist die Vereinsgaststätte „Im Abseits“ ein beliebter Treffpunkt für Sportler und Kneipengänger. Aber das Abseits ist seit Jahresanfang geschlossen. Der bisherige Pächter Matthias R. – liebevoll in Harheim auch „Maatschi“ genannt – hatte schon im Sommer 2016 angekündigt, ab Jahresende seine berufliche Selbstverwirklichung an einem anderen Ort fortsetzen zu wollen. Genug Zeit also für einen geordneten Übergang. Bei der Suche nach einem Wirt, der das Abseits fortführen würde, hatte er seine Hilfe, seine Erfahrung und seine jahrelange Kontakte in dieser Branche angeboten.

Leichter Renovierungsstau

Leichter Renovierungsstau im Abseits

Die Pläne des Vorstands der Sportgemeinschaft indes waren wohl andere. Und vielleicht war es auch der logisch richtige Schritt, nach dem Auszug des bisherigen Kneipiers erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen, was in dem deutlich verbraucht anmutenden Gebäudeteil denn alles renoviert werden müsste. Aber jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Das Gebäude selbst gehört der Stadt Frankfurt. Die müsste daher auch für Sanierung und Renovierung zahlen. Vermutlich werden sie das auch müssen. Aber ob das Sportamt die Einrichtung einer Gaststätte bezahlt, ist dagegen unwahrscheinlich. Das hatte das Sportamt offenbar noch bei keinem Verein in Frankfurt gemacht. Das sehen die Sportförderungsrichtlinien nicht vor. Daneben ist noch gar nicht klar, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, damit der zukünftige Gastronom wieder aufs Neue eine Konzession erhalten könnte.

Das wiederum wirkt sich insgesamt nachteilig auf den Kassenbestand der Sportgemeinschaft aus. Immerhin war der SG vertraglich die Weiterverpachtung der Gaststätte offenbar erlaubt und die Pachtzahlungen füllten die Vereinskasse wohltuend regelmäßig.

Die Sache mit dem lieben Geld
Die Sache „Abseits“ taucht unvermittelt an einer anderen Stelle wieder auf. In der März-Sitzung des Ortsbeirats legt der Vorsitzende einer großen christlichen Fraktion den anderen Ortsbeiräten kurz vor der Sitzung eine Tischvorlage vor.

Sie wissen nicht, was eine Tischvorlage ist? Ganz einfach. Normalerweise müssen Anträge zwei Wochen vor der Sitzung eingereicht werden, damit sie auf die Tagesordnung kommen und damit alle Ortsbeiräte ausreichend Zeit haben, sich mit dem Sachverhalt vertraut zu machen und gegebenenfalls zusätzliche Informationen einzuholen, bevor sie über den Antrag beraten und abstimmen. „Tischvorlagen“ können dagegen in dringenden Fällen noch bis zu Beginn der Sitzung angemeldet werden. Die Gelegenheit, zusätzliche weitere wichtige Informationen einzuholen, die gibt es für die Ortsbeiräte in der Sitzung jedoch nicht.

Die große Fraktion beantragt nun eine Sanierung des Vereinshauses der SG Harheim in den Etat der Stadt Frankfurt 2017 aufzunehmen, da laut Pachtvertrag Instandhaltungsmaßnahmen Sache der Stadt sei.

Erwähnt wird ausdrücklich, dass „… der Verein auch sozial Schwächeren [Sport] … nur ermöglichen kann, wenn weiterhin Einnahmen aus der Verpachtung des Vereinsheims generiert werden können“.

Rückblick: Die Gaststätte ist seit zwei Monaten geschlossen. Die Schäden sind seit Jahren bekannt und sichtbar. Der Pachtvertrag seit Lichtjahren bekannt. Aus welchem Grund kann der Antragsteller seinen Antrag nicht fristgerecht stellen? Was gibt es hier zu verheimlichen?

Der Sprecher einer grünen Fraktion will es nun aber doch genauer wissen: Wieviele Mitglieder hat der Verein? Wieviel Geld hat er in der Kasse? Will der Verein wirklich eine konzessionierbare Gaststätte? Wie teuer wird allein dafür die Küche? Hätte der Verein nicht schon früher die Beseitigung der Schäden einfordern müssen? Welche Eigenleistungen könnte der Verein bringen? Geht die SG tatsächlich davon aus, dass die Stadt Frankfurt dem Verein ein voll eingerichtetes Restaurant schenkt?

Fragen über Fragen. Nur leider keine Antworten. Bedauerlicherweise hat der Vereinsvorsitzende und der Vorstand der SG Harheim zu dieser Zeit einen anderen „wichtigen Termin“. Vielleicht hat er zu sehr darauf vertraut, dass familiäre Bande zum Fraktionsvorsitzenden der C-Fraktion das schon richten würden?

Aber um das Verwirrspiel zu komplettieren wirft jetzt der antwortenlose Fraktionssprecher der C-Fraktion dem penetranten grünen Fragesteller vor, er sei selbst schuld an seinem Informationsdefizit. Er habe sich nämlich offenbar nicht oft genug mit Harheimer Bürgern unterhalten. Spätestens jetzt wird auch dem letzten Zuhörer der Sitzung klar, dass die Abseits-Affäre nicht gut enden würde.

Erstaunlicherweise kommt es dennoch zu einem Kompromiss. Der Antrag wird auf einen einzigen Satz eingedampft, die Begründung komplett gestrichen.

Am nächsten Morgen meldet sich der Vereinsvorsitzende der SG Harheim per Mail. Er bedauert, dass es in der Ortsbeiratssitzung zu Irritationen gekommen sei. Und er bittet darum, „…alle betroffenen Seiten anzuhören, um sicher zu stellen, dass alle nötigen Fakten vorliegen, bevor … Behauptungen öffentlich weitergetragen werden“. Noch immer hatte er offenbar nicht verstanden, dass es genau in seiner Verantwortung gelegen hätte, die nötigen Fakten zur Beratung des Antrags am Vorabend beizusteuern.

Zwei weitere Tage später informiert der Ortsvorsteher Dr. Frank Immel die Ortsbeiräte. Demnach hat das Sportamt signalisiert, dass die Stadt Frankfurt die Grundsanierung der Liegenschaft vornehmen wird. Und dass die für den Betrieb einer Gaststätte notwendigen zusätzlichen Arbeiten oder Einbauten von der SG Harheim in Eigenleistung erbracht werden. „Für den Ortsbeirat gibt es aus meiner Sicht derzeit keinen akuten Handlungsbedarf“, schliesst die Mail.

Wunderbar. Alle Probleme lösen sich plötzlich wie Nescafé. Wozu jetzt die ganze Aufregung und Hektik?

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