20.04.2017 Friedhof der Zukunft – ein trauriges Thema. Über Transportwagen, Trauerhalle und Urnenwand

Bestattungskultur

Friedhof – Ort des Andenkens und der Ruhe

Wer möchte schon gerne auf dem Friedhof sein? Wahrscheinlich keiner. Aber so wie der Tod zum Leben gehört, ist auch Bestattung und das Andenken an die Verstorbenen und an die Ahnen ein Teil unserer Kultur. Nur, so richtig unten beim Normalbürger kommt das Ergebnis dieser Kultur zumeist in Form von Rechnungen und teuren Gebühren an, die das pietätvolle Totengedenken erheblich beeinträchtigen können. Wie teuer ist eine Bestattung? Wie aufwändig ist die Grabpflege und wer ist zuständig, wenn sich ein Grab absenkt.

Der Harheimer Friedhof ging zuletzt vor etwa zwei Jahren durch die Presse. Das Grünflächenamt hatte entschieden, eine Rundbank abzumontieren und sie auf einem Friedhof ein einem anderen Stadtteil aufzustellen, weil die dort keine Bank hatten. Ein Sturm der Entrüstung ging durch Harheim. Schließlich war die Rundbank auf dem Friedhof besonderes für die ältere Generation so etwas ähnliches, wie Facebook für die junge. Ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Bei-Leidens.

Dann wiederum beschwerten sich Bürger beim Ortsbeirat. Die Gräber wären nicht ordentlich genug aufgefüllt und würden sich absenken. Das Grünflächenamt solle doch bei frischen Gräbern die Erde mit Rüttlern feststampfen. Das kritisierte Grünflächenamt schüttelte sich selbst bei diesem Gedanken. Das sei eine Störung der Totenruhe. Dass sich frische Gräber senken sei ein völlig normaler Vorgang und die Nachkommen müssten dann eben Erde nachfüllen. Die Erde selbst würde sogar vom Grünflächenamt zur Verfügung gestellt.

Friedhoftransportwagen

Zwei Transportwagen für € 1.700,00 ?

Die Erde schon, aber da bleibt das Problem: wie kommt die Erde ans Grab. Vor allem, weil Gräber meist von älteren Angehörigen gepflegt werden. Daher kam die Harheimer CDU auf die Idee, aus dem Etat des Ortsbeirates zwei Transportwagen anzuschaffen, die an einer Pfandstation zur Verfügung stehen. Ähnlich wie die Einkaufswagen bei Netto. Die Anschaffung solle € 700 kosten. Eine Idee, die bei den Grünen wenig begeistert aufgenommen wurden. Immerhin sie das Grünflächenamt ein Dienstleistungsbetrieb, und wenn sie schon die Erde bereitstellen, weil die Gräber sich senken, dann gehöre der Transportwagen dazu wie das Essbesteck in der Pizzeria.

Die Erkenntnis, dass der Antrag vielleicht nicht intensiv genug recherchiert war vereinfachte das Problem auch nicht: Diese zwei Transportwagen kosten mit der Pfandstation zusammen nicht 700 Euro, sondern geringfügig mehr. Nämlich 1.700 Euro. Und da bleibt immer noch die Frage, wie lange denn die zwei mit dem Schriftzug „Friedhof“ versehenen stabilen Transportwagen gegen Pfand denn auch zurückgegeben werden, oder ob sie nicht über kurz oder lang andere Liebhaber finden.

Am Hauptfriedhof etwa können Transportwagen bei der Gärtnerei in der Nähe des Haupteingangs gegen Pfand ausgeliehen werden. Aber natürlich ist das auch eine verkaufsfördernde Maßnahme, und die Gärtnerei erwartet schon, dass dann auch die Blümchen, die transportiert werden, im dortigen Laden erworben werden.

Auch die Harheimer Gärtnerei sieht mehr Nachteile als Vorteile bei der Idee, sie könnten doch solche Wagen vermieten. Grundsätzlich aber scheitert die Pfandwagenstation dort schon am mangelnden Platz für die Beförderungswagen. Und von dort bis zum Friedhof sind es immer noch ein paar lange Meter.

Urnenwand

Urnenwand auf dem Hauptfriedhof Frankfurt

Ein ganz anderer Vorschlag, das Problem mit den sich senkenden Gräbern zu lösen ist in den letzten Jahren immer häufiger geäußert worden: die Einrichtung von Urnenwänden, sogenannten Kolumbarien. Diese Urnenwände sind in südeuropäischen Ländern häufiger verbreitet. Aber auch der Wunsch nach einer Urnenwand ist bislang vom Grünflächenamt abgelehnt worden. Die Begründung dabei, dass diese Wände zu teuer seien, hat vielfach zu Stirnrunzeln geführt. Ausgebildete Handwerksmeister können sich nicht vorstellen, dass so eine Wand viel teurer ist als das normale Flächengrab. Da muss man sich ein wenig in die Kostenrechnung des Grünflächenamtes eindenken. Die Stadt Frankfurt hat nämlich umfangreiche Erweiterungsflächen für Friedhöfe im Bestand. Wenn sich durch die Anlage von Urnenwänden die erforderliche Fläche pro Grab deutlich verkleinert, werden die Erweiterungsflächen nicht benötigt – aber sie gehen als Kostenfaktor dennoch in die Kostenrechnung ein. Der Einfachheit halber legt man diese Kosten als Alternativkosten auf den Etat der Urnenwände um und – zack – jetzt sind sie zu teuer. Da sollte man mal beginnen, darüber nachzudenken, wie man die nicht mehr benötigten Erweiterungsflächen verwendet. Angesichts der angeblichen Wohnungsnot in Frankfurt müssten da doch kreative Vorschläge vorstellbar sein.

Bleibt das letzte große Problem: die Trauerhalle. Bei dem Jammerniveau des Grünflächenamtes bezüglich der Friedhöfe ist nicht daran zu denken, dass die Harheimer Trauerhalle irgendwann einmal erweitert oder modernisiert oder ausgebaut werden könnte. Jedenfalls nicht, solange sie nur etwa 20 bis 25 Mal pro Jahr überhaupt benutzt wird. Pietät hin Pietät her, auch in diesem Punkt müsste überlegt werden, ob Trauerhallen auch für andere Nutzungen eingerichtet werden können. Aber an dieser Stelle ist für viele die Grenze der Trauerkultur erreicht.

Wenn aber der Tod nun wirklich zum Leben gehört, was spräche dagegen, Trauerhallen so einzurichten, dass sie auch für Menschen mitten im Leben ein Ort der Begegnung werden?

Das Grünflächenamt informiert am Montag, 24. April 2017 in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats über die Thematik „Friedhof 2020“. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind gerne eingeladen.

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