13.05.2017 Schranke zu, viele Fragen bleiben offen. Deutsche Bahn stellt S6 Ausbau auf vier Gleise vor.

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Kein Durchkommen mehr in Berkersheim

Die Deutsche Bahn macht jetzt Ernst mit dem Ausbau der S6. Die jetzt zweigleisige Bahnlinie soll zwei zusätzliche Gleise bekommen, auf denen dann der Fernverkehr und der Güterverkehr rollt, während die S6 auf den alten Gleisen dann endlich dem anderen Bahnverkehr nicht mehr im Weg ist und ständig warten muss. Die Überholzeiten und Pufferzeiten sollen entfallen. Die S-Bahn soll stetiger, pünktlicher und schneller zum Hauptbahnhof verkehren und die S-Bahn-Stationen insgesamt aufgehübscht und barrierefrei werden. Baubeginn mit den Vorbereitungsarbeiten ist in der zweiten Jahreshälfte 2017. Ab 2022 soll der vierspurige Ausbau zwischen Bad Vilbel und Frankfurt West fertig sein. Damit geht die DB zur Zeit auf Informationstour. Am Montag nachmittag (15.5.) hält die Infotour in Bad Vilbel. Vorab sind vor wenigen Tagen die Ortsbeiräte informiert worden. Wieder einmal. Jetzt mit konkreteren Daten.

Zum Beispiel mit der Information, dass eine Baustellenabfahrt auf der B3 – genau dort, wo die Nidda überquert wird – eingerichtet werden soll, Die Baufahrzeuge fahren dort raus und werden über eine eigene Baubrücke und eine Bauzufahrt auf die südliche Niddaseite fahren können. Der Fahrradweg entlang der Nidda bleibt daher erhalten, lediglich an der Kreuzung mit den Baufahrzeugen unter der Brücke kann es zu baubedingten Einschränkungen kommen.

Zusätzlich wird die Niddabrücke bei Harheim „ertüchtigt“ damit auch hier Baufahrzeuge zur Baustelle fahren können. Die DB spricht momentan von etwa 20 bis 22 LKWs täglich, die über die Maßbornstrasse und den Harheimer Stadtweg über die ertüchtigte Brücke fahren werden. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass die Baustellenplaner sich bemühen, keinen LKW-Verkehr durch Wohngebiete oder an Spielplätzen vorbei zu führen. Im Falle Harheims wird sich das absehbar nicht ganz vermeiden lassen. Im Harheimer Stadtweg hat die KiTa Weltenbummler ihr Aussengelände.

Eine ganze Reihe von Problemen sind dabei jedoch bislang nicht gelöst oder geklärt. Keine genauen Angaben machen die Planer der DB, wo während der Bauzeit die Haltestelle der Buslinie 25 sein wird. Da die neuen Gleise genau da verlegt werden, wo der Bus aktuell fährt und hält, müsste der vermutlich durch die dort befindlichen Gärten geführt werden.  Aber auch eine etwas weiter entfernt liegende Bus-Schleife in der Berkersheimer Bahnstraße ist als Option noch nicht vom Tisch. Diese Lösung bedeutet aber für alle Nutzer der Bahn, schon mal gutes Schuhwerk mitzunehmen. Denn vom Bus bis zum Bahngleis könnten es schon ein paar Hundert Meter werden.

Zudem wird – allen Bekenntnissen zur Barrierefreiheit zum Trotz – die jetzige etwa 30 Jahre alte provisorische Holzbrücke dort stehenbleiben und über die neuen Gleise lediglich verlängert. Die Brücke ist weder mit Schienen für Kinderwagen, Rollator oder Fahrrad ausgerüstet. Das heisst, Eltern mit Kinderwagen oder Menschen schlecht zu Fuß werden dort voraussichlich die S-Bahn gar nicht erreichen können.

Die DB gibt zwar an, dass der beschrankte Bahnübergang vorerst in Betrieb bleiben soll. Damit könnten vielleicht auch kinderwagenschiebende Mütter und Väter zum Bahnsteig kommen. Allerdings wohl nur zu dem, der in Richtung Bad Vilbel führt.

Das heißt: barrierefrei wird während der Bauzeit (2018 bis 2022) dort oben wahrscheinlich eher gar nichts sein.

Gleiches gilt für Benutzer von Bussen und Bahnen, die ihr Fahrrad mitnehmen wollen. Ein Tip: vielleicht sollten die sich vorher noch ein leichtes Klapprad zulegen.

Wie Radfahrer und Fussgänger insgesamt während der Bauzeit über die Schienen nach Berkersheim und vielleicht auch weiter nach Preungesheim kommen sollen, da haben sich die Experten in Sachen DB-Verkehr keine Gedanken gemacht. Jedenfalls keine, die sie den Ortsbeiräten hätten verraten können.

Lediglich Harheims stellvertretender Ortsvorsteher Axel Schmidt (CDU) hatte vorgeschlagen, den Radverkehr von der Niddabrücke über den Niddaradweg bis zur Reithalle zu führen und von dort unter der Unterführung Am Wiesengarten durch über am Herrenhof bis zur Berkersheimer Obergasse.

Über das allergrößte Problem jedoch hatten sich die Experten der DB am liebsten völlig ausgeschwiegen. Nämlich die Frage: 

was ist nach der Bauzeit?
Der beschrankte Bahnübergang ist bei vier Gleisen aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig. Ursprünglich geplant (und planfestgestellt) ist eine Unterführung unter den vier Gleisen, die aber wegen Problemen mit dem Grundwasser so nicht mehr gebaut werden kann. Im Abstimmung mit dem Verkehrsdezernat hatten die DB-Planer daher vorgeschlagen, den Verkehr über eine Omega-Brücke über die Gleise zu führen. Im Frühjahr 2016 – so geben die Vertreter der DB an – hätten sie dem Verkehrsdezernat diese Lösung in einem Plan vorgelegt und im Oktober 2016 zwei zusätzliche Alternativen geplant. Die DB warte also nur darauf, dass der Magistrat der Stadt Frankfurt sich entscheidet. Der Ball läge im Feld der Frankfurter.

Das Frankfurter Verkehrsdezernat sieht das wiederum ganz anders. Die offizielle Stellungnahme ist: die einzige planfestgestellte Lösung ist die Unterführung. Wenn da eine Brücke gebaut werden soll, dann muss die DB das jetzt endlich mal tun. Sowohl Verkehrsdezernent wie auch DB räumen die Pläne schnellstmöglich beiseite, sobald ein Ortsbeirat ein Smartphone zückt, um „mal kurz ein Bild zu machen“.

Fazit: Die baubedingten Unannehmlichkeiten für die S-Bahn-Kunden, für die Fussgänger und für die Radfahrer enden nicht nach Abschluss der Gleisbauarbeiten. Sie enden erst nach der Herstellung eines Brückenbauwerks, das aber aktuell weder geplant noch finanziert noch beantragt ist.

kurzum: ökologische, nachhaltige und bürgerfreundliche Planung sieht sicherlich anders aus.

 

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