14.05.2017 Welche Auswirkung hat der Ausbau der S6 auf andere Verkehrsteilnehmer? Ein Selbstversuch. Hier: die Radfahrer.

Für viele Radfahrer ist der Weg über den Berkersheimer Bahnhof, über Berkersheim und Preungesheim der schnellste Weg in die Innenstadt. Wer von Alt-Harheim etwa zum Lemp nach Berkersheim will, kann die 1,6 km lange Strecke in ca. 7 Minuten mit dem Rad fahren. Für Autos ist der Weg gesperrt, die müssen außenrum über die Homburger Landstraße fahren. Da sind es dann schon 8 km.

Wer nach Eckenheim in den Homburger Hof will, schafft die 5 km über den Dachsberg mit dem Fahrrad in 17 Minuten. Für das Auto ist die Strecke 12,5 km lang, und wer nach 15 Minuten Fahrtzeit dort ist, muss erst mal noch Parkplatz suchen.

Erst wer ins Westend etwa zur Uni will, ist mit dem Auto (15,6 km, 21 Minuten) sieben Minuten schneller als mit dem Fahrrad (8,5 km, 28 Minuten), muss aber immer noch einen Parkplatz suchen.

Was aber, wenn wegen dem Bau der S6 die Überquerung der Schienen am Berkersheimer Bahnhof nicht mehr möglich sein wird?

Dann, so lautet ein Vorschlag, werden die Radfahrer umgeleitet. Hinter der Niddabrücke erst etwa 1100 Meter den idyllischen Niddaradweg stromabwärts bis zur Reithalle, dort links ab, unter der Brücke am Wiesengarten durch und auf der anderen Seite am Herrenhof wieder hoch bis „Am Dachsberg“.

Ich starte ausgerüstet mit Fahrrad und Stoppuhr an der Niddabrücke ….

Gut, ich starte ausgerüstet mit Fahrrad und Stoppuhr an einem Freitag an der Niddabrücke und will diese Umleitung einmal prüfen.

Der Weg an der Nidda entlang ist idyllisch und gut befahrbar, wenn auch nicht durchgehend asphaltiert…

Start an der Niddabrücke. Der Weg an der Nidda entlang ist idyllisch und gut befahrbar wenn auch nicht durchgehend asphaltiert.

Nach etwa 1000 Metern muss ich links abbiegen und durch das Anwesen der Reiter durch.

Nach etwa 1000 Meter muss ich links abbiegen und durch das Anwesen der Reiter durch. Der Weg wird auch von Traktoren befahren, entsprechend sieht er aus.

Große Pfützen und Traktorspuren säumen den Weg

Große Pfützen säumen den Weg, die Fahrbahn ist schmutzigschmierig und nur da, wo die Sonne schon den gestrigen Regen weggetrocknet hat ist der Untergrund griffig. Da möchte ich lieber nicht unterwegs sein, wenns mal geregnet hat.

Die Brücke am Wiesengarten.

Gleich dahinter geht’s bei der Brücke am Wiesengarten unter den Schienen durch. Auch dieser Teil ist zweifellos Traktor- und SUV geeignet. Die vielen wassergefüllten Schlaglöcher erfordern schon etwas Slalomtechnik.

Steil den Berg hoch am Wiesengarten

Auf der anderen Seite geht’s Im Wiesengarten steil den Berg hoch. Zum Glück hab ich ein E-Bike, denn ohne wird das konditionell zur Herausforderung. Auch dieser Teil Straße könnte mal wieder einen neuen Straßenbelag brauchen.

Diese Straße könnte auch mal wieder einen neuen Straßenbelag brauchen.

Einmal links und einmal rechts Am Herrenhof….

Oben dann links und gleich wieder rechts abbiegen. Am Herrenhof. Die Steigung bringt mich trotz E-Bike schon ziemlich aus der Puste. Auch hier werden weniger sportliche eher absteigen müssen.

Geschafft! Aber trotz E-Bike ziemlich ausser Puste

Endlich am Ziel: Der Lemp. Ein Blick auf Tacho und Uhr:
Das waren jetzt 1,8 km und dafür habe ich 5:34 Minuten gebraucht. Mein Herz klopft noch immer.

Andersrum geht’s einfacher weil bergab. Allerdings ist der Herrenhof zum Teil verkehrsberuhigte Zone, und so steil wie es hier runter geht, sollte man sicherheitshalber mit einer guten Scheibenbremse ausgerüstet sein. Im Wiesengarten ist es genauso steil. Achtung! Nicht in die Schlaglöcher fahren. Unter der Brücke durch, an der Reithalle vorbei, ein paar Momente später bin ich wieder an der Niddabrücke.

auch zurück sind es genau 1,8 km und bergab geht es bedeutend schneller, ich hab die Strecke in 4:28 Minuten geschafft.

Jetzt zum Vergleich der noch offene Weg über den Berkersheimer Bahnhof.

Start wieder an der Niddabrücke. Der Weg bis zur S-Bahn-Station ist natürlich gut zu befahren, hier fährt ja auch der 25-er Bus. Oben an den Schienen ist aber grad die Schranke runtergegangen und ich muss 5:25 Minuten warten, bis ich weiterfahren kann. Auch am Berkersheimer Bahnweg geht’s bergauf, wenn auch deutlich weniger steil, als bei der Strecke über den Wiesengarten.

Dann bin ich oben bei Lemp.

Dieser Weg ist 1,1 km lang und ich habe 3:25 Minuten Fahrtzeit und 5:25 Minuten Wartezeit benötigt.

Gegenprobe, jetzt wieder runter. Das läuft wie Lottche, einen Moment später stehe ich schon wieder im Stau vor den Schranken. Jetzt allerdings gehen sie schon nach 37 Sekunden hoch und ich kann weiter fahren. Die vier Autos, die verbotswidrig vor mir herfahren, halten mich ganz schön auf.

Am Ziel bin ich nach 1,1 Kilometer. Jetzt hab ich 2:47 Minuten Fahrtzeit und 0:37 Minuten Wartezeit gebraucht.

Vergleich:
Die reguläre Strecke ist 1100 Meter lang und in etwa 3:30 Minuten fahrbar.
Die Umleitungsstrecke ist mit 1800 Meter bedeutend länger, die Fahrtzeit mit 5:30 Minuten ebenfalls. Allerdings entstehen keine Wartezeiten wegen der Schranke.

Sind das alle Unterschiede? Nein.

Auf der regulären Strecke fährt der kleine Linienbus. Dieser Weg ist daher nicht nur beleuchtet sondern überdies im Winter geräumt.

Die 1800 Meter Umleitungsstrecke verläuft zum größten Teil auf einem Weg der weder geräumt noch beleuchtet ist, der zu einem Teil regelmäßig durch den landwirtschaftlichen Verkehr verschmutzt ist und zudem teilweise unzumutbar steil ist.

Fazit: Die schnelle und sichere Radwegverbindung von Harheim über Berkersheim, Preungesheim und weiter in die Innenstadt wird durch den Ausbau der S6 nicht mehr nutzbar sein. Und: diese Beeinträchtigung wird über die Gleisbauarbeiten hinaus bestehen  bleiben, bis irgendwann einmal eine Omegabrücke gebaut werden wird.

Ein besonderer Stellenwert für den emissionsfreien Radverkehr wird durch den aktuellen Frankfurter Magistrat nicht eingeräumt.

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