13.06.2017 Pfingstberg wird nicht bebaut. Der neue Frankfurter Stadtteil „Mittelurselbach“ wird entlang der A5 entstehen.

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Bauen statt Zuckerrüben

Vielleicht hat sich der energische Widerstand nun doch gelohnt. Gerade die Harheimer Grünen und der Harheimer Ortsbeirat haben schon sehr früh die Bebauung der Grünflächen zwischen Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach abgelehnt. Die Grünflächen im Frankfurter Norden werden nicht nur benötigt, um regional hochwertige landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen und den Frankfurtern Raum für Erholung zu schaffen, sondern sie sind zudem ein nachhaltiger Beitrag zum Erhalt des Klimas der ganzen Region.

Nun hat sich die Stadt Frankfurt offensichtlich entschlossen, zwischen dem Stadtteil Niederursel und den Gemeinden Oberursel und Steinbach ein neues Baugebiet für 25.000 Menschen auf die grüne Wiese zu bauen. Auch dort wird die Fläche derzeit landwirtschaftlich genutzt. Auch dort werden unzählige Hektar Grünfläche zubetoniert und versiegelt. Die gleichen Gründe, weswegen die Harheimer die Versiegelung von Boden verhindern wollten, treffen auch dort zu. Allerdings dürfte der neue Stadtteil verkehrsgünstiger gelegen sein. Er wird nämlich durch die A5 in zwei Teile zersägt, die immerhin mit Brücken verbunden sein werden. Von einer neuen Autobahnauffahrt ist noch nicht die Rede. Die späteren Bewohner des neuen Stadtteils werden möglicherweise die Autobahn ständig sehen und hören können, aber eben nicht benutzen. Das läd vielleicht zum autofreien Wohnen ein. Immerhin fährt am Rande des Gebiets eine S-Bahn vorbei.

Dort, hinter Niederursel, soll nun endlich der günstige Wohnraum für die Krankenschwestern und Polizeibeamten Frankfurts entstehen, die sich das Wohnen in den vielen neuen Luxuswohntürmen nicht leisten können, die bald monatlich in Frankfurt eingeweiht werden. Selbstverständlich soll die komplette Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen und so weiter schon fertiggestellt sein, wenn die ersten Bewohner einziehen. Ein Versprechen, das bei der Planung des Riedbergs auch schon gelegentlich einmal abgegeben wurde, ohne es allerdings zu halten. Auch dort sollte der preiswerte Wohnraum entstehen, auch dort sollten auch weiterführende Schulen von Anfang an existieren. Nun kann man immerhin die nicht verbrauchten Versprechungen von neuem verwenden. Aber vielleicht kann man ja auch vom neuen Stadtteil „Mittelurselbach“ die Schüler vorläufig für die nächsten dreißig Jahre zu irgend einer weiterführenden Schule nach Nied, Schwanheim oder vielleicht auch Offenbach fahren.

Knapp und einfach zusammengefasst: Während Frankfurt sich im Rahmen der Anpassungsstrategie an den Klimawandel Gedanken macht, wie man noch 20.000 Dächer im Stadtgebiet begrünen kann, um das Klima in der Innenstadt langfristig lebenswert zu erhalten, versiegelt man ein paar wenige Kilometer weiter riesige Grünflächen. Während Frankfurt so tut, als wäre die A5 – die ja neben Lärm auch reichlich andere Schadstoffe mit sich bringt – nur ein kleines Problem, plant das Land Hessen, diese Trasse beidseitig zu verbreitern und auf acht Spuren auszubauen. Nach einem einheitlichen Konzept sieht das gar nicht aus.

Ökologische Überlegungen und nachhaltiges Denken besitzen beim Oberbürgermeister und beim neuen Planungsdezernenten offenbar keinen besonderen Stellenwert. Das wissen wir schon seit der Erfindung des Slogans „Wohnraum statt Zuckerrüben“ des Oberbürgermeisters. Es scheinen doch mehr ökonomische und wirtschaftliche Gedanken zu sein, die die Entscheidungen bestimmen. Offenbar zu Lasten der Lebensqualität der Menschen, die in Frankfurt eine lebenswerte und schadstoffarme Heimat haben.

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