03.11.2017 Sport vereint! SG-Harheim und Ahmadiyya-Gemeinde gemeinsam gegen Rassismus

Sport vereint

Sport vereint

Der Fussballplatz der Sportanlage ist vom Flutlicht erleuchtet. Als der Prediger vor dem Spiel Verse aus dem Koran rezitiert und singt, sind alle Spieler und die Gäste respektvoll still. Für die Spieler der SG Harheim ist das bestimmt ein exotisch ungewohnter Moment. Was jetzt wohl die muslimischen Spieler der Ahmadiyya-Gemeinde sagen würden, wenn Pfarrer Minh Dinh um die Ecke käme, und ein paar Verse aus dem Neuen Testament beisteuern würde. Pfarrer Minh Dinh ist aber nicht da, und so begrüßt Ortsvorsteher Dr. Frank Immel die Gäste aus dem nahen morgenländischen Bonames. Zwar nicht mit Worten aus dem Neuen Testament, aber vielleicht trotzdem mit einem wichtigen Anliegen. Nämlich dem Zeichen setzen gegen Rassismus.

Schließlich ist es den Kindern in den Bambini-Mannschaften egal, ob die Kicker in ihrem Team christlich, jüdisch oder muslimisch sind. Die Vorbehalte gegen anders aussehende oder anders sprechende Menschen werden erlernt. Von Älteren oder von den Eltern. Darüber sind sich alle Anwesenden einig.

SG Harheim

Freundschaftsspiel zwischen Ahmadiyya und SG Harheim beginnt.

Auch wenn nur wenige Zuschauer sich an diesem Abend zum Freundschaftsspiel auf den Sportplatz verirrt haben, auch wenn der SG-Präsident traurig und frustriert darüber ist, dass sich keine Promis oder Stadtverordnete haben blicken lassen, genausowenig wie Berichterstatter von Funk oder Presse. Die Aktion der SG Harheim hat an diesem Abend bei allen Spielern und Anwesenden dazu geführt, sich ein wenig auf andere Menschen, auf Muslime einzulassen und dabei vielleicht auch zu spüren, dass diese Menschen gar nicht so anders sind. Sie spielen ebenso gut Fußball, reden über die gleichen Alltagsthemen, haben vielleicht die gleichen Sorgen. Im gemeinsamen Spiel, beim gemeinsamen Feiern danach löst sich ein bisschen Alltagsrassismus auf und verflüchtigt sich.

Die beiden Mannschaften stehen nach einem sehenswerten und fairen Spiel noch zusammen. Die einen haben eher Bier in der Hand, die anderen Tee oder Kaffee. Endstand 4:4. Zwei Siegermannschaften also. Gut gemacht, SG!

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Eine Antwort zu 03.11.2017 Sport vereint! SG-Harheim und Ahmadiyya-Gemeinde gemeinsam gegen Rassismus

  1. Der_Palmer schreibt:

    Eine Frage dazu: warum muss zu einem Fußballspiel unbedingt ein Prediger mitgebracht werden ?Das Schöne am Sport ist doch, dass es dort – im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen – keine Unterschiede gibt. Alle (Arme und Reiche, Schöne und Hässliche, Alte und Junge, Menschen verschiedener Nationen, Ethnien, Sprachen, Religionen, etc.) tragen kurze Hosen und Trikots, jagen auf dem gleichen Platz dem gleichen Ball nach, und so weiter.
    Ein Imam, der Verse aus dem Koran rezitiert (etwa noch auf Arabisch?) stellt doch die Unterschiede dann wieder in den Vordergrund (was einem in dem Text oben dann noch als „exotischer Moment“ verkauft wird).
    Und die Tatsache, dass Pfarrer Minh Dinh nicht vorbeigekommen ist, liegt eben daran, dass in unserer Kultur Religion Privatsache ist. Sie gehört nicht auf den Fußballplatz und in der Regel auch sonst nicht – zumindest nicht in offensiver Weise – in den öffentlichen Raum. Bisher habe ich immer gedacht, dass der Säkularismus eine der Kernpositionen der Grünen Partei wäre. Da habe ich mich dann wohl getäuscht.

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