14.12.2017 Öffentlicher Bücherschrank – warum eigentlich nicht in Harheim?

Obs regnet oder schneit – die Bücher sind stets im Trockenen.

57 öffentliche Bücherschränke gibt es mittlerweile in Frankfurt. Nur in zwei Stadtbezirken gibt es keinen. In Rödelheim und – natürlich – in Harheim. Warum ist das so? Lesen die Harheimer weniger? Der erste offene Bücherschrank in Frankfurt ist 2009 auf dem Merianplatz aufgestellt worden. Vorgeschlagen und finanziert wurde er vom Ortsbeirat 3 (Nordend). Bei diesem Weg der Finanzierung ist es geblieben. Öffentliche Bücherschränke können die Stadtbezirke bekommen, wenn der zuständige Ortsbeirat das will aber auch aus seinem Etat bezahlt. Nur, einfach aus dem nächsten Möbelhaus einen Bücherschrank zu kaufen und an einem öffentlichen Platz aufzustellen, das geht so nicht. Da diese Bücherschränke nicht nur Leseratten anziehen sondern auch Menschen, die mit Lesen weniger im Sinn haben, müssen nach einer Vorgabe des Magistrats alle Frankfurter öffentlichen Bücherschränke vandalismussicher sein. Und dazu gehört auch nicht die eigentlich pfiffige Idee, alte ausgediente Telefonzellen zu einem Bücherschrank umzubauen. Nicht sicher genug. Abgelehnt. Frankfurt will das immer ein bisschen nobler und stabiler haben, daher kommt nur ein einziges Modell von einem ausgesuchten Hersteller in Frage. Und das kostet mittlerweile stolze 6700 Euro.

Bei den Harheimer Ortsbeiräten ist dieses Thema nicht neu. Schon seit über sechs Jahren taucht der Wunsch nach so einem Schrank immer wieder auf. Nun wurde diese Idee erneut von der SPD Fraktion im Ortsbeirat aufgegriffen. Die Stadtteilpolitiker aller Fraktionen sind sich im Prinzip völlig einig, dass so ein Schrank gut auf dem alten Harheimer Kirchplatz vor dem Bürgeramt stehen könnte. Gleichzeitig haben sie jedoch Magenschmerzen beim Thema Finanzierung. In den Etat des Harheimer Ortsbeirat fließt jährlich pro Bürger 0,50 Euro, für Harheim also etwa 2300 Euro insgesamt. Da haut so ein Schrank mit 6700 Euro schon ganz schön rein.

Außerdem haben sowohl die Evangelische Kirchengemeinde im Gemeindehaus Am Eschbachtal wie auch der TV Harheim in ihrer Turnhalle einen Schrank mit Büchern zur kostenlosen Entnahme eingerichtet. Aber eben nur während der Öffnungszeiten. So viele Tausende von Euro also ausgeben, nur damit Tag und Nacht Bücher entliehen werden können, während es ein vielleicht viel wichtiger Geldautomat in Harheim nicht mehr gibt, das ist auch nicht wirklich logisch. Und dann steht immer noch das Hammerargument im Raum: dass nämlich die Bücherschränke weniger das Angebot an guten Büchern zum Nulltarif erweitert, sondern dass sie zur teuren Abstellfläche von gebundenem Altpapier aus der letzten Haushaltsentrümpelung verwendet werden.

Die Harheimer Ortsbeiräte haben das Problem bislang noch nicht lösen können. Einig sind sie sich interessanterweise, dass es nicht durch eine Mehrheitsabstimmung entschieden, sondern dass ein Konsens erarbeitet werden soll. Im Augenblick wird darüber nachgedacht, ob möglicherweise an der katholischen Kirche in der Philipp-Schnell-Straße ein öffentlich zugänglicher Bücherschrank aufgestellt werden könnte. Unklar ist jedoch, ob die Stadt Frankfurt zustimmt, dass die Finanzierung dann auch aus dem Ortsbeiratsetat erfolgen kann. Zusätzlich ist nicht klar, ob der Schrank dann gegen Vandalismus versichert ist. Skeptiker befürchten nun, dass es längst keine Buchhandlungen mehr geben wird, bis in Harheim eine Entscheidung fällt.

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