19.12.2017 Spatenstich. Offizieller Start für den Ausbau der Bahnlinie S6

Spatenstich

Erst kommen die Spaten, dann kommen die Bagger

Großer Bahnhof am Frankfurter Berg. Neben Hessens Verkehrsminister Tarek al Wazir (Grüne), Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und einiger anderer spatenschwingender Herren hatten sich auch ein kleines Grüppchen unverzagter Ausbaugegner eingefunden, die vor einer erheblichen Zunahme des Schienengüterverkehrs warnten und davor, dass vermehrt Gefahrengut mitten durch dicht besiedeltes Ballungsgebiet fahren wird. Ob nun der Ausbau der Strecke um zwei weitere Gleise in ein paar Jahren dazu führt, dass die Anwohner links und rechts der Bahngleise vor Lärm nicht mehr schlafen können, oder ob er dazu führt, dass der öffentliche Personennahmverkehr an der S6 zwischen Frankfurt und Friedberg endlich einmal pünktlich und reibungslos verläuft, das wird sich vermutlich erst lange nach Abschluss der Bauarbeiten herausstellen. 2022 sollen die Arbeiten beendet sein. Dann werden zwischen Bad Vilbel und dem Westbahnhof etwa 350 Millionen Euro in den Ausbau geflossen sein. Viel Geld, wenn es lediglich um die Qualitätsverbesserung und die Beschleunigung einer S-Bahn um 5 Minuten geht. (Oh… kleiner Exkurs – der Vorstand der DB Netz AG Dirk Rompf hatte von Qualitätsverbesserung im Nahverkehr gesprochen. Was sich genau hinter diesen unpräzisen Formulierungen verbirgt, konnten wir bis Redaktionsschluss nicht herauskriegen)

Nostalgisch eingestimmt hatte Verkehrsdezernent Oesterling eine Broschüre aus den frühen 70er Jahren mitgebracht, in der das „künftige“ S-Bahn-Netz der Region Frankfurt dargestellt war. In Richtung der Ausbaugegner legte der SPD-Mann noch argumentativ einen drauf. Die Bürgerinitiative könne stolz sein, dass sie außer einer zeitlichen Verzögerung des Projekts auch erreicht habe, dass der Lärmschutz verbessert wird. So viel vergiftetes Lob wird die S-Bahn-Ausbaugegner irritiert haben. Erst vor wenigen Monaten hatte die Deutsche Bahn AG den Ausbau als die größte denkbare Lärmschutzmaßnahme dargestellt. Mit den neuen flüsterleisen Schienen würde man die Lärmbelastung ganz erheblich senken. So ganz logisch sind diese Argumente gleichwohl nicht. Das Argument des Lärmschutzes wurde erst in der allerjüngsten Vergangenheit von der DB erwähnt. Schon gar keine Rolle hatte der Lärmschutz in den Ausbauplänen vor 30 Jahren gespielt.

Folgt man der Gedankengänge des Verkehrsdezernenten Oesterlings, sollten die Harheimer und die Berkersheimer den Ausbauinitiativen BAHNANE und 2Statt4 daher äusserst dankbar sein. Ohne die Verzögerung würden in den Ausbau vermutlich gar keine besonderen Lärmdämpfungsmaßnahmen verbaut. Von den wunderschönen und bis zu sechs Meter hohen Lärmschutzwänden bei Berkersheim einmal abgesehen. Vielleicht hätte man aus reiner Nostalgie ja auch noch ein paar Meter Berliner Mauer an der S-Bahn wieder aufbauen können.

Bedauerlicherweise hatte der SPD-Verkehrsdezernent ein weiteres Mal seine Hausaufgaben vergessen. Er hätte nämlich die Pläne und Alternativplanungen für die Omega-Brücke am Berkersheimer Bahnhof schon mal in seine Aktentasche stecken können. Aber … vielleicht hat er das ja auch gemacht und nur niemand von den Ortsbeiräten angetroffen. Das wiederum mag daran liegen, dass von den anliegenden Ortsbeiräten wohl aus Sicherheitsgründen nur die Ortsvorsteher eingeladen waren. Das fängt ja gut an mit der S6.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s