21.12.2017 Jetzt nach 25 Jahren vielleicht doch: offene Jugendarbeit in Harheim?

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Diese Container organisierte der Verein „Jugend in Harheim e.V.“ für die offene Jugendarbeit – bevor sie von der Feuerwehr in einer Übung schrottreif gespritzt wurden

Offene Jugendarbeit oder gar ein Jugendhaus in Harheim? Ganz alte Idee. Wurde im Harheimer Ortsbeirat zum ersten Mal vor über 20 Jahren gefordert. Nämlich in dem Antrag OF153/14 vom 26.6.1995 von den GRÜNEN. Schon damals wurde in dem Antrag aufgezeigt, dass es unter den rund 40 Stadtteilen in Frankfurt exakt drei gibt, in denen es keine Kinder- und Jugendarbeit gibt. Nämlich Berkersheim, Kalbach und Harheim. Pfenniggenau wurde in dem Antrag vorgerechnet, dass die Arbeit mit 80.182 Kindern in Frankfurt mit knapp 30 Millionen DM jährlich gefördert wird. Also etwa 370 DM pro Kind im Jahr. Die 509 Kinder oder Jugendliche in Harheim allerdings gehen dabei leer aus und bekommen eine Unterstützung von DM 0,00. Deswegen solle der Magistrat auch die Kinder- und Jugendarbeit in Harheim fördern. Die CDU Ortsbeiräte lehnten diesen Antrag damals ab mit der Begründung, in Harheim gäbe es schon eine hervorragende Jugendarbeit der Vereine und das wäre ausreichend.

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Historischer Antrag aus dem Jahr 1995

Viel geändert hat sich seitdem auf der politischen Ebene wenig. In Kalbach wurde zwischenzeitlich ein Jugendhaus eröffnet. In Berkersheim und Harheim ist die Situation noch so wie vor 20 Jahren. Nur die Anzahl der Jugendlichen in Harheim im jugendhausfähigen Alter ist auf etwa 700 angestiegen. Immer noch haben diese Jugendlichen keinen Ort, an dem sie sich mal ohne vereinsgebundene Trainings- oder Übungszeiten treffen können. Also treffen sie sich eben entweder auf der Spielstraße oder am Kapellchen oder auf dem alten Harheimer Kirchplatz, wo sie natürlich prompt unangenehm auffallen.

Würde sich an dieser Situation nie etwas ändern? Doch. In einem Stadtteil zu wohnen, in dem sich Jugendliche und Heranwachsende in ihrer Freizeit wahlweise beim Fussball, beim Turnverein, bei der Feuerwehr, beim Musikverein oder beim Katholischen Jugendverein einschreiben können aber leider nicht mal ohne Programm mit Gleichaltrigen zusammenkommen, das fanden manche Eltern verbesserungsfähig. Deswegen gründete sich im November 2011 der Verein „Jugend in Harheim e.V.“, der ausgestattet mit einigen alten Containern der alten Kindertagesstätte in den Schafgärten vor der Halle des TV Harheim einen betreuten Treffpunkt für die junge Generation in Harheim bieten wollte. So engagiert die Idee auch war, so beherzt die Initiatoren auch an der Realisierung gearbeitet hatten, der Erfolg scheiterte an zwei Faktoren. Einmal daran, dass die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Eschbach die Container als Objekt für eine Löschübung benutzten, die Container unter Wasser setzten was letztlich zu deren Schrottreife geführt hatte. Zum Zweiten aber auch an der Einstellung des Sozialdezernates der Stadt Frankfurt, das schon immer klargestellt hatte, dass ein paar Container nicht reichen, sondern dass ein Träger ein abgerundetes Konzept und einen Förderantrag stellen müsse, sonst würde das nie was werden.

Nach der letzten Kommunalwahl im Jahr 2016 gelang es aber der damaligen Kinderbeauftragten Kristina Luxen, in die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD, CDU und Grüne im Römer hineinzuschreiben, dass geprüft werden soll, ob in Harheim eine Jugendfreizeiteinrichtung oder eine offene Kinder- und Jugendarbeit einrichtbar wäre.

Aktuell hatte nun die Harheimer SPD-Fraktion an diese Vereinbarung mit einem Antrag im August 2017 erinnert, und vom Magistrat gefordert, zu berichten, wie weit die Sache denn gediehen sei. Die CDU wollte zwar zunächst auch in diesem Antrag noch die Frage unterbringen, ob denn angesichts der hervorragenden Jugendarbeit der örtlichen Vereine eine solche Einrichtung überhaupt nötig wäre, zog aber dieses Begehren doch zuletzt zurück und stimmte dem Antrag zu. Möglicherweise unter dem Eindruck der Tatsache, dass die örtlichen Vereine überhaupt keine offene Jugendarbeit in Harheim anbieten.

Nun kommen die Rädchen ins Rollen und tut sich doch etwas. „Um die Planungen im sozialen Infrastrukturbereich in Harheim weiter voranzutreiben, wurden Projekt-Planungsmittel in Höhe von 86.000 Euro im aktuellen Investitionsprogramm eingestellt“, lässt der Magistrat wissen. So können „Planungen im Zuge der Ausweisung zukünftiger Neubaugebiete bzw. freier Flächen im Stadtteil konkretisiert werden“. Nun ja….. zukünftige Neubaugebiete wird es in Harheim in absehbarer Zeit nicht geben. Aber der Magistrat kündigt zudem an, dass im Rahmen der Haushaltsanmeldung 2019 Mittel für den Betrieb einer solchen Einrichtung beantragt werden.

Also: wenn nach der 86.000 Euro teuren Planung sich ergibt, dass entweder ein passendes Grundstück oder der Standort für eine mobile Einrichtung gefunden ist, könnte tatsächlich vielleicht schon im 25. Jahr nach dem Initiativantrag den Kindern und Jugendlichen im Stadtteil ein Treffpunkt für die Freizeitgestaltung offen stehen. Den Kindern und Jugendlichen von damals wird das nichts mehr nützen, aber immerhin vielleicht deren eigenen Kindern. Falls diese Einrichtung tatsächlich gebaut wird.

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