24.01.2018 RMV-Tickets billiger? Im Prinzip ja. Aber was ist mit dem RMVsmart Tarif?

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Einzelfahrt für Erwachsene – jetzt nur noch € 2,70 – dank OB Peter Feldmann

Während die RMV-Tickets in der Vergangenheit etwa so regelmäßig wie das Weihnachtsfest teurer geworden sind, gibt es in diesem Jahr geradezu eine Sensation: Das RMV Einzelticket für Bus und Bahn aber auch die Tageskarte in Frankfurt sind billiger geworden. Anstelle €2,90 muss der Automat für eine Fahrt innerhalb des Tarifgebiets nur noch mit €2,75 gefüttert werden. Das Tagesticket kostet jetzt sogar nur noch €5,35 anstelle €7,20 vorher. Frankfurts OB Peter Feldmann hatte die Preissenkung als Aufsichtsratsvorsitzender durchgedrückt und sprachlose CDU und Grüne Stadtverordnete zurückgelassen, die in Feldmanns Wundertat ein vorgezogenes OB-Wahlkampf-Geschenk witterten. Völlig zu unrecht natürlich. Die Entscheidung zur Preissenkung zum 1. Januar 2018 ist ja schon im September gefallen, also lange vor der Wahl, die ja erst am 25. Februar stattfindet.

Fahrkartenautomat

Auch die Tageskarten sind deutlich billiger…..

Ein kleiner Kollateralschaden ist bei der Tarifreform allerdings vielleicht übersehen worden. Seit April 2016 läuft der für drei Jahre angesetzte Tariftest RMVsmart. Mit Hilfe eines Smartphones können die 30.000 Testteilnehmer RMV-Tickets lösen, deren Preis nicht mehr von den Tarifzonen abhängt sondern neben einem Basispreis sich an dem zurückgelegten Weg orientiert. Damit kostet beispielsweise die S-Bahn vom Offenbacher Kaiserlei zur Konstablerwache in Frankfurt nur € 2,80, während das normale Ticket aus dem Automaten € 2,75 kostet. Hoppla. Das war jetzt ein blöd gewähltes Beispiel, also nehmen wir ein anderes. Sagen wir mal, wir fahren vom Ledermuseum in Offenbach bis zur Frankfurter Hauptwache. Da kostet das Normalticket € 4,90 während der RMVsmart  endlich mal mit nur € 2,90 seinen ganzen Vorteil mit 2,90 ausspielen kann. Na also! Geht doch.

Aber bringt den Harheimern das etwas? Das Einzelticket von Harheim zur Hauptwache kostet € 2,75. Die netten Versuchskaninchen des RMVsmart-Versuchs zahlen dafür ein klein wenig mehr, nämlich € 4,70, also schlappe 70% mehr. Diesen kleinen Webfehler haben die RMV-Macher mittlerweile entdeckt und deswegen vor Kurzem den Tarif RMV smart50 eingeführt. Dabei zahlen die Benutzer einmalig im Monat € 5,00 und zahlen für alle Tickets dann nur noch die Hälfte. Unsere sparsame Harheimerin könnte damit also immerhin für €2,35 zur Hauptwache fahren. Nur sollte sie dann schon mindestens 13 Mal im Monat fahren, sonst lohnen sich die € 5,00 Grundpreis nicht.

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Dann lohnt sich RMVsmart: Die Fahrt über die Tarifgrenze. Sonst aber nicht.

Aber nehmen wir zur Sicherheit noch ein weiteres Beispiel. Lassen wir unsere Harheimerin von Harheim bis zum Marktplatz Bergen fahren. Ja! Genau! Das isses. Jetzt zahlt sie beim Normalticket €4,90 – weil sie nämlich durch das Vilbeler Tarifgebiet geleitet wird, und der RMVsmart Tarif liegt da mit €4,60 sagenhafte 6,12% günstiger. Wenn sie jeden Tag mal fährt, könnte sie also im Monat satte €9,00 sparen.

Kurz und gut. Die entfernungsabhängige Tarifberechnung des RMVsmart bringt denjenigen einen Vorteil, die über Tarifgrenzen fahren, also etwa von Harheim nach Bad Vilbel. Solange die Tarifzone aber nicht verlassen wird, also etwa von Harheim in die Frankfurter Innenstadt, ist der tarifabhängige Ticketpreis nur für Einen ein fettes Geschäft, nämlich für die RMV.

Das Ergebnis zählt. Unzufriedene Testkunden werden rechtzeitig rausgeschmissen.
Der RMVsmart-Tariftest ist auf drei Jahre angelegt und müsste daher im März 2019 enden. Genug Zeit also, noch ein wenig Ergebniskosmetik vorzubereiten. Augenblicklich werden die Testteilnehmer ausgeschlossen, die keine Tickets kaufen. Damit entsorgt man auch die potentiellen Miesepeter, die festgestellt haben, dass der Ticketkauf für sie ausnahmslos ein schlechtes Geschäft wird. Übrig bleiben natürlich diejenigen, die ohnehin gut mit dem Tarif fahren. Da sorgt man beim RMV beizeiten dafür, dass die Zustimmungsquote beim abschließenden Fragebogen ähnlich gut aussieht, wie das Abstimmungsergebnis bei der letzten Wahl des Generalsekretärs des Zentralkomitees der SED. Bei so viel Zustimmung wird es sicherlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der RMVsmart-Tarif in ganz Frankfurt eingeführt wird. Ganz schön smart!

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