15.02.2018 „Überquerung der Bahngleise nicht erforderlich!“. Bürgerverein Berkersheim wirft den Fehdehandschuh nach Harheim.

Omega-Brücke

Hier mit einer Brücke über die Schienen? „Nein“ sagen Berkersheimer

Auf eine neue Eskalationsstufe im Nachbarschaftsverhältnis hebt der Bürgerverein Berkersheim das Problem mit der Schließung des Bahnübergangs am Berkersheimer Bahnhof im Zuge des Ausbaus auf vier Gleise. In einem offenen Brief vom 6.2.2018  bezeichnet der Vorstand des Berkersheimer Vereins eine Omegabrücke als nicht notwendig, weil „……eine Querung der Bahngleise schlicht nicht erforderlich ist“. Nach Ansicht der Berkersheimer ist ein solches Bauwerk nicht im Interesse der Bürger Frankfurts und würde nicht gebraucht. Das Bauwerk würde nicht nur das Niddatal verunstalten und das Landschaftsbild stören, nicht nur viele Millionen Euro kosten und dabei doch nur Anliegern zur Verfügung stehen, sondern diese Brücke würde zusätzlich Begehrlichkeiten wecken und den Straßenverkehr aus den nördlich gelegenen Stadtteilen Nieder-Erlenbach, Harheim und Nieder-Eschbach mitten durch Berkersheim führen. Der Berkersheimer Bürgerverein, der sich nach eigenen Worten als Interessensvertretung aller Frankfurter Bürger sieht, hat zur Verhinderung einer Omegabrücke am Berkersheimer Bahnhof mit dem offenen Brief gleichzeitig eine Unterschriftensammlungsaktion gestartet und weist schon einmal auf die Ortsbeiratssitzung des zuständigen Ortsbeirates am 20.2.2018 um 19.30 im Saalbau Nidda in Bonames, Harheimer Weg 18-24 hin.

Die Harheimer Bürgerinnen und Bürger sind vom forsch auftretenden Bürgerverein Berkersheim irritiert. In ganz besonderem Maße dabei von den angeführten Begründungen.
So würde die Brücke noch mehr Verkehr aus Harheim und anderen nördlichen Stadtteilen nach Berkersheim anlocken. Offenbar hat der Vorstand des Bürgervereins Berkersheim noch nie jemals auch nur in Erwägung gezogen, dass in den rund 200 Fahrzeugen, die täglich widerrechtlich durchs Niddatal fahren, auch Berkersheimer hinterm Steuer sitzen könnten, die nach Harheim oder weiter fahren. Noch niemals ist den Berkersheimer Bürgern aufgefallen, dass regelmäßig ein Reisebus Berkersheimer Grundschüler zum Kinderturnen zur Turnhalle des TV Harheim bringt – natürlich durch das Niddatal und den Berkersheimer Bahnweg.

Berkersheim

Diese Berkersheimer sollen nicht mehr durch Berkersheim fahren. Sondern durch Harheim.

Die Wohnhäuser der Berkersheimer Bahnstraße mit den Hausnummern 41,42 und 38, die allesamt auf der nördlichen Seite der Schienen – also auf der Harheimer Seite – stehen, werden dann nach dem Willen des Berkersheimer Bürgervereins nicht mehr durch Berkersheim nach Hause fahren, sondern durchs Niddatal und durch Harheim. Das gleiche gilt für Anlieferungen und für die Müllabfuhr. Der Bürgerverein Berkersheim schreckt offenbar nicht davor zurück, den Verkehr durch Berkersheim dadurch zu verringern, dass die eigenen Berkersheimer Bürger, die auf der falschen Seite der Schienen wohnen, nicht mehr durch Berkersheim fahren dürfen. Diese Belastung können ja die Harheimer übernehmen.

Die Forderung der Harheimer Ortsbeiräte, die Bushaltestelle des Zubringerbusses 25 so zu planen, dass die Fahrgäste beim Umsteigen in die S6 nicht weiter als etwa 100 Meter zu Fuss durch Wind und Wetter laufen müssen, wischen die Bürgervereinler beiseite. Die Andienung sei „….auch in Zukunft durch eine Buswendeschleife nördlich der S-Bahn-Haltestelle möglich….“  Möglich ist das schon. Die Mühe, einmal nachzumessen, wie lange für die Fahrgäste der Fußmarsch zum Bahnsteig ist, das haben die Vorstände des Bürgervereins nicht mehr gemacht. Es geht ja nur um Nicht-Berkersheimer.

Berkersheimer Bahnhof

Wie kommen die Radfahrer und Fußgänger zukünftig auf die andere Seite?

Und dass der Bürgerverein Berkersheim offenbar ausschließlich aus Autofahrern besteht belegt die Tatsache, dass der Radverkehr in deren Verkehrskonzept überhaupt keine Rolle spielt. Dieter Wolff und Dirk Pulver, die Vorstände des Vereins, können sich offenbar noch nicht einmal vorstellen, dass im 21. Jahrhundert Menschen mit dem schadstoffärmsten Verkehrsmittel zur Arbeit fahren, das es gibt: mit dem Fahrrad. Die Forderung der Harheimer Interessensvertreter, den schnellen Radweg zwischen den Stadtteilen im Frankfurter Norden bis in die Innenstadt am Berkersheimer Bahnhof nicht mit der Schließung des Bahnübergangs zu unterbrechen sind für die Berkersheimer Bürger, die sich so gerne als Interessensvertreter aller Frankfurter sehen, noch nicht einmal einen Gedanken oder einen Satz wert. Kein Wunder also, dass durch die seltsamen Argumente des Berkersheimer Bürgervereins sich die Harheimer sehr an das Sankt-Florians-Prinzip erinnert fühlen. Gegen die bis zu sechs Meter hohen Schallschutzwände, die die Berkersheimer vor dem Lärm schützen sollen, hat der Bürgerverein nichts. Eine Omega-Brücke dagegen wird allein durch seine Größe das Niddatal verunstalten.

Da fällt es auf Harheimer Seite der S6-Schienen schwer, nicht mit Zynismus zu reagieren und sachlich zu bleiben. Beide benachbarten Stadtteile – Harheim und Berkersheim – gehören zu den kleineren Stadtteilen mit oft auch ähnlichen Problemen so etwa Nahversorgung, Ärzte, Öffentlicher Nahverkehr, Jugend, Hortplätze und Kindergartenplätze, die Probleme der lokalen Vereine. Anstelle Wegeverbindungen abzuschneiden, sich abzuschotten und die Nachbarn als die Verursacher aller Probleme darzustellen, wäre für beide Stadtteile viel mehr erreichbar, wenn sie konzentriert und konstruktiv zusammenarbeiten würden. Aber vielleicht stehen so einer kooperativen Problemlösung einfach auch nur handfeste parteipolitische Interessen entgegen. Immerhin fällt auf, dass die Forderungen des Berkersheimer Bürgervereins denen der SPD Frankfurter Berg/Berkersheim auffallend ähneln. Im für Berkersheim zuständigen Ortsbeirat 10 konnte sich die kleine SPD-Fraktion nicht mit der Verhinderung der Omega-Brücke durchsetzen. Vielleicht Ist also die Unterschriftenaktion des Bürgervereins Berkersheim nur die Fortsetzung der alten Auseinandersetzung mit anderen Mitteln.

Da oben am Berkersheimer Bahnhof prallen vielfältige Interessen aufeinander. Um dabei zu einer Lösung zu kommen, die allen Wünschen weitgehend gerecht wird, bedarf es konstruktiver Ideen und einen respektvollen ehrlichen Umgang aller Beteiligten miteinander. Mit destruktivem Populismus wird man vielleicht individuelle Ego-Interessen durchsetzen können. Aber eben keine Probleme lösen. Schon gar nicht bei einem Projekt dieser Größenordnung. (hs)

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