21.02.2019 Fahrverbot für Mopeds und Roller mit Zweitaktmotoren in Frankfurt?

Vatertag beim MF93

Zweitakter? Warum nicht. Einfach ein schönes Fahrzeug.

Während noch darüber diskutiert wird, was Fahrverbote für Schummeldiesel eigentlich bringen, ist eine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern in den Blickpunkt geraten. Wie ist das eigentlich mit den Roller- und Mopedfahrern, die aus ihren Zweitaktmotörchen eine nach Motoröl duftende weiße Wolke hinter sich herziehen. Sind die tatsächlich umweltfreundlicher als ein ordentlicher Dieselmotor? Nein. Sind sie keineswegs. In Europa müssen Zweitakter bis jetzt nur die Abgasnorm Euro 4 einhalten. Diese Zweitaktmotorrollermotörchen setzen aufgrund des verwendeten Treibstoffs mehr unverbrannte Treibstoffreste und mehr Abbauprodukte von Ölen frei. Einfache und kleine Zweitaktmotoren haben damit meist mehr Emissionen als viel größere Viertaktmotoren. Motorroller mit Zweitaktmotoren bis 50cm³ tragen daher bedeutend zu den gesundheitsschädlichen Emissionen in den Innenstädten bei. Die Zweitaktmotoren könnte man zwar durch Katalysatoren und Spülverfahren deutlich sauberer kriegen. Aber das ist natürlich teuer und der technische Aufwand steht in keinem sinnvollen Verhältnis zum Preis der Fahrzeuge.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Frankfurter Stadtparlament der Sache angenommen und wollte prüfen, ob eine Umstiegsprämie für Mopeds, Roller und Kleinkrafträder auf Pedelecs oder Elektroroller sinnvoll sein könnte und welche Auswirkungen auf Lärm und Luftschadstoffen zu erwarten wären.

Erstaunlicherweise genau das Dezernat für Umwelt kam nun zum Ergebnis, dass die Zweitaktmotoren – obwohl umwelttechnisch schlimmer als Dieselmotoren – nur in einem vernachlässigbar kleinen Anteil zu den Problemen der NOx Emissionen im Stadtgebiet beitragen. Und auch auf die Belastung durch Feinstaub würden diese Mopeds keine messbare Auswirkung haben. Weil nämlich gar nicht bekannt ist, wieviele dieser Zweiräder in Frankfurt täglich unterwegs sind. Mopeds und Roller bis 50cm³ müssen gar nicht zugelassen werden, ein Versicherungskennzeichen reicht, und daher kann deren Anzahl nur grob geschätzt werden. Das Umweltdezernat legt daher fest: „Im Stadtgebiet von Frankfurt am Main sind Kleinkrafträder mit Zweitaktmotoren eher selten. Im Rahmen der letzten Verkehrserhebung 2013 betrug der Anteil von Moped/Motorrad/Motorroller nur 0,4% an allen Wegen der Frankfurter Bevölkerung“.

Sie haben noch eine alte Vespa in der Garage stehen? Können sie bedenkenlos und mit gutem Gewissen fahren. Obwohl ihre Zweiradmöhre fünfmal so viel Stickoxide in die Luft bläst, als Nachbars Schummelbenz und noch eine ganze Palette anderer Gifte. Offenbar muss man in Frankfurt unterscheiden zwischen guten schädlichen Emissionen und schlechten schädlichen Emissionen.

Sie haben das nun nicht ganz verstanden? Macht nicht. Ich auch nicht. Ich war immer davon ausgegangen, dass wenn wir das Klima retten wollen, dann müssen wir uns anstrengen und möglichst schnell alle Dreckschleudern durch umweltverträgliche Mobilität ersetzen. Offenbar ist das aber alles halb so schlimm, wie nun amtlich bestätigt wird. Selbst die Belastung durch Feinstaub „…ist in Frankfurt am Main in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die Grenzwerte werden sicher eingehalten. Eine Umstiegsprämie [für Zweitakter] hätte auf die Feinstaubbelastung keine messbare Auswirkung“.

Ganz besonders gewitzte Frankfurter*nnen haben prophylaktisch gehandelt und sich einen alten, aber noch fahrtüchtigen Roller angeschafft. Sollte der Tag kommen, an dem angedroht wird, dass ihr VW Touran wegen Stickoxiden aus dem Verkehr gezogen werden soll, wollen sie der Stadt einen Deal vorschlagen. Sie verschrotten das weitaus schlimmere Zweitaktgefährt, wenn sie dafür ihren vergleichsweise saubereren Diesel weiterfahren dürfen. Ganz schön schlau.

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