24.06.2019: Von Kultur, von Infotafeln und vom Umgang mit öffentlichen Geldern.

Infotafel

Information auf deutsch und englisch. Das berühmte Vorbild in Ober-Eschbach

Eigentlich hatte Dr. Frank Immel, Harheims Ortsvorsteher, alles richtig gemacht. Er hatte die Fraktionen im Ortsbeirat freundlich gefragt, ob sie denn grundsätzlich zustimmen könnten, dem Kulturverein zu Infotafeln einen Zuschuss aus den Mitteln des Ortsbeirats zu geben und die Grünen Ortsbeiräte hatten ein deutliches „Ja“ signalisiert. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass aus diesem Ortsbeiratsgeldtopf das Schaffen und Wirken an der Harheimer Geschichtspflege unterstützt wird. Dann aber zuckten und zickten die zwei Grünen im Ortsbeirat doch plötzlich, nachdem die Vorsitzende des Kulturvereins Harheim e.V. erklärt hatte, wie sie sich das mit den Tafeln vorstellt. „Hab ich das richtig verstanden, die Grünen sagen erst Ja und jetzt wieder nein?“ seufzte der Ortsvorsteher genervt. Ja, richtig verstanden, meinten die Grünen, „…denn die konkreten Informationen hatten wir gar nicht“.
Da behaupteten die grünen Ortsbeiräte doch tatsächlich, weder informiert worden zu sein, wo diese Tafeln denn genau stehen werden, wie groß, aus welchem Material gebaut, welchen Zweck sie erfüllen und auch nicht, was sie denn kosten sollen.

Ein wenig Schatten über den Infotafeln

Also berichtete die ehemalige Ortsvorsteherin Dr. Dagmar Wendler, dass die zwei Tafeln etwa 1,62 Meter mal 0,46 Meter groß werden, aus Edelstahl, mit den historischen Informationen, einem Luftbild und einen aktuellen Stadtteilplan in dem verschiedene Einrichtungen von Schule bis Postagentur verzeichnet sind und summasummarum kostet das Ganze etwa € 6000. In Ober-Eschbach sei bereits ein Exemplar einer solchen Tafel erfolgreich aufgestellt worden.

Die näheren Ausführungen der Kulturvereinsvorsitzenden hatte dann weitere hochinteressante Facetten in eine bis zu diesem Moment eher langweilige und ungewohnt harmonische Sitzung gebracht. Jetzt war wieder richtig Stimmung in der Ortsbeiratssitzung. Die ehemalige Ortsvorsteherin redete frei von der Leber. Sie hätte den Auftrag, das mit den Tafeln genauso wie beschrieben zu machen. Daher könne daran leider gar nichts mehr geändert werden. Überdies sei ein Großteil der Arbeiten schon getan und der Grafiker schon so gut wie bezahlt. Die Sorgenfalten und Fragezeichen auf den Stirnen einiger Stadtteilpolitiker wurden zunehmend tiefer und die Atmosphäre gipfelte in der interessanten Ankündigung, wenn der Ortsbeirat sich daran nicht beteiligen wolle, dann würde der Kulturverein eben selbst die ganzen sechstausend Euro bezahlen. Basta!

Kulturtafel

Ober-Eschbach: Der Stadtplan in der Sackgasse

An diesem Punkt der Diskussion hätte der Ortsvorsteher die Diskussion beenden können und die schon zugesagte Unterstützung mit €2000,00 gespart. Oder vielleicht auch die Entscheidung auf die nächste Sitzung verschieben, um etwas Zeit zu gewinnen, um in die ungeklärten Fragen etwas Licht zu bringen, um das Konzept noch einmal zu überdenken oder gar Verbesserungsvorschläge zu prüfen. Aber als ob eine Frist ablaufen, eine Verzugsstrafe drohen oder ein Staudamm brechen würde, diese Sache musste offenbar an diesem Abend zu Ende gebracht werden, koste es was es wolle.

Die widerwilligen Grünen hackten dabei immer wieder auf drei Punkten herum. Der Stadtplan an der Tafel sei überhaupt nicht aktualisierbar, also damit möglicherweise mit genügend Pech innerhalb von Monaten bereits veraltet. Außerdem sei viel zu viel Text auf den Tafeln, der überdies bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden sei. Idealerweise würden im Zeitalter moderner Medien Bilder als eye-catcher dienen und angebrachte QR-Codes zu weiteren interessanten Informationen im Internet führen. Und als dritter Kritikpunkt zählten die Grünen auf, die gleiche Information könnte in einem Schaukasten oder in einer weiteren Ausgabe der Harheim-Broschüre erheblich wirtschaftlicher und effektiver veröffentlicht werden.

Mittlerweile begann es draußen bereits zu dunkeln, die ersten Zuhörer hatten vorgezogen, sich in die Bürgerhauskneipe zu setzen. Wie also nun zu Potte kommen?

Nach dem vorgeschlagenen Versprechen, dass der Stadtplan austauschbar und aktualisierbar gemacht werden würde und es hinsichtlich der Inhalte und der Verlinkung mit Internet zwischen den Tafelbefürwortern und den Kritikern es zu einer Abstimmung käme, lies sich die widerwillige und kritische Grünen-Fraktion trotz Bauchgrimmen bewegen, die Förderung mit einem Zuschuss aus Ortsbeiratsetat zu unterstützen. Für die Grünen sind Finanzmittel im Etat der Ortsbeiräte eben auch Steuergelder. Und daher sollten sie so wirtschaftlich und effektiv wie möglich eingesetzt werden.

Und wie sehen die erfolgreichen Tafeln in Bad Homburg aus?

Kulturtafeln

Ober-Erlenbach: 31 Punkte für den Ortsrundgang

Die Probe aufs Exempel: Wir forschen nach den „erfolgreichen“ Vorbildern der Harheimer Tafeln. In Ober-Erlenbach sind die zwei Tafeln so unauffällig in der Ober-Erlenbacher-Straße, dass der Grüne Tafel-Scout zwei Mal mit dem Fahrrad dran vorbei fährt, ehe er sie entdeckt. Zwischenzeitlich befragte Ober-Erlenbächer schütteln den Kopf. Tafeln mit historischen Informationen? Nie gesehen.

Die Tafeln selbst enthalten Text auf Deutsch und auf (!) Englisch und einen kleinen „Ortsrundgang“ durch den alten Dorfkern mit 31 bezeichneten Punkten. Vermutlich ist das so gedacht, dass die historisch Interessierten diese 31 Punkte auswendig lernen, mit dem Smartphone abfotografieren oder die ganze Tafel abmontieren und für den Ortsrundgang mitnehmen. Ein Faltblattspender ist zwar angebracht. Ist aber leer.

Kulturtafeln

Ober-Eschbach: Infotafeln in der Sackgasse

Wer die Tafeln im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach finden will, sollte sich besser vorher schlau machen, wo er sie findet. (Unser Tip: In der Nähe des Städtischen Kindergartens „Eschbachtal“ Im Eschbachtal). Rein zufällig kommt an den Tafeln vermutlich niemand vorbei. Auch dort ist die Anzahl der interessierten Leser an diesem Sonntag null. Auf der Tafel wird der Ober-Eschbacher Unterhof beschrieben, der direkt hinter der Tafel zu sehen ist und es ist ein Straßenplan des Stadtteils abgebildet. Allerdings ohne aktuelle Information. Auch hier ein Verweis auf weitere Inhalte im Internet? Fehlanzeige.
In beiden Fällen werden die Tafeln vom Magistrat der Stadt Bad Homburg finanziert.

Was könnte man bei den Tafeln in Harheim besser machen?
Zum aktuellen Zeitpunkt vermutlich gar nichts mehr, da der Grafiker schon fertig ist und alle Entscheidungen gefallen sind. Also bleibt die Hoffnung, dass die Tafeln zur gewünschten „Belebung des Harheimer Kirchplatzes“ effektiv beitragen und möglichst viele Harheim-Fans regelmäßig wiederkommen und die Informationen aufs Neue lesen.

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