01.07.2019: Streetprint im Niederfeld und Spitzenstraße – Segen oder Fluch?

Streetprint

Echtes Pflaster oder sieht nur so aus?

Die Geschichte der Verkehrsplanung im Baugebiet Harheim-Süd ist so lang, wie die Planung des Baugebiets insgesamt, nämlich mindestens zwei Jahrzehnte. Ein Problem könnte jedoch sein, dass der Verkehrsplanung im letzten Jahrtausend weniger Bedeutung eingeräumt wurde. 1999 gab es in Harheim viel weniger Autos, noch keine T30-Zone, keine E-Bikes oder E-Autos, es gab noch keinen Dieselskandal und die Autos wurden normalerweise da abgestellt wo Platz war, ohne sich drum zu kümmern, ob erlaubt oder nicht erlaubt.

Viele Erkenntnisse der Verkehrsplanung waren noch auf dem Weg ins Bewusstsein der Verkehrsplaner, so etwa die Erkenntnis, dass lange, übersichtliche, breite Straßen eher dazu einladen, die eigene Geschwindigkeit zu unterschätzen. Über Verkehrslärm und Geschwindigkeiten in Wohngebieten wurde selten diskutiert. Im Ort fährt man unerträgliche langsame 50 km/h, nach dem Ortsschild so schnell wie eben geht.

Streetprint

Im Niederfeld

Dementsprechend war Im Niederfeld so geplant, wie man das viele Jahre davor auch gemacht hat. Lange, gerade, breite Straße damit Autos und die Müllabfuhr möglichst schnell durchkommen.

Erst am Ende des alten Jahrhunderts gewann aber die Verkehrsplanung neue Facetten. Man begann Kölner Teller oder Baken oder Pflanzkübel auf die Straße zu stellen, um damit die Straße enger zu machen und die gefahrenen Geschwindigkeiten zu reduzieren. Die Idee, parkende Autos oder Anhänger als Hindernisse auf der Straße zu parken wurde salonreif. Allerdings kam das für Harheim Süd zu spät. Dort sollte das Niederfeld immer noch eine lange, übersichtliche, breite Straße bleiben.

In der letzten Phase der Planung und nach Baubeginn wurde dann unter dem Eindruck der funktionierenden T30-Zone in Harheim angeregt, die Verkehrsplanung in Harheim-Süd noch einmal zu überdenken. Anstelle von geraden Pisten sollten die Autos alternierend Parken. Aber zu spät. Angeblich waren Leitungen schon gelegt und überhaupt könne man die Planung jetzt nicht mehr ändern.

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alles nur gemalt

Erst als die finale Gestaltung der Straßen vorgelegt wurde, konnten sich Ortsbeiräte und Anwohner mit der Planung auseinandersetzen. Viel zu spät natürlich, denn jetzt war außer ein wenig Kosmetik nicht mehr viel zu machen. Ein paar zusätzliche angezeichnete Parkplätze zur Verengung des Straßenquerschnitts, und das wars. Keine Blumenkübel und Schikanen, keine Ampeln, keine Zebrastreifen.

Nur in zwei Kreuzungsbereichen sollten die Einmündungen so gestaltet werden, dass sie optisch und technisch verkehrsberuhigend – sprich – geschwindigkeitssenkend wirken. Die Verkehrsplaner schlugen dafür Streetprint vor, die Anwohner im Niederfeld und die Ortsbeiräte stimmten diesem Vorschlag überwiegend zu.

Im Streetprint Verfahren wird die Straßendecke so geprägt und aufgerauht, dass sie optisch wie gepflastert wirkt und damit die Verkehrsteilnehmer zu einer Senkung der Geschwindigkeit veranlasst.

Jetzt, drei Jahre später, sind die streetprintverschönerten Kreuzungsbereiche im Niederfeld und in der Spitzenstraße zu bewundern. Und sie führen zu Beschwerden. Denn die Anwohner der Kreuzung im Niederfeld finden, dass Streetprint gar nicht dazu führt, dass die Verkehrsteilnehmer langsamer fahren. Dafür aber bei flotter Fahrweise eine erhebliche Geräuschentwicklung dazu führt, dass sie morgens aus den Betten fliegen.

Was nun tun? Die Kreuzung wieder umbauen?

Streetprint

Schön ist es ja, aber ist es auch nützlich?

Der Hersteller von Streetprint geht davon aus, dass eine starke Geräuschentwicklung hauptsächlich von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs abhängt und erst in zweiter Linie von Muster der Prägung. Tatsächlich ist bei angepasster Geschwindigkeit kaum erheblicher störender Lärm wahrnehmbar. Natürlich wird man auch im Frankfurter Stadtteil Harheim nicht in einer Lärminsel wohnen können. Dafür fliegen zu viele Lärmquellen über Harheim oder fahren an Harheim vorbei.

Die Lösung des Problems: man müsste alle motorisierten Verkehrsteilnehmer veranlassen, sich regelgetreu zu verhalten. Mit Streetprint kriegt man das offenbar nicht hin. Aber mit was dann?

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2 Antworten zu 01.07.2019: Streetprint im Niederfeld und Spitzenstraße – Segen oder Fluch?

  1. Harheim schreibt:

    Wäre gut diese Streetprint in unmittelbarer Umgebung der Kitas, Kindergärten und Grundschule zu sehen.

  2. Hartmut schreibt:

    „dass eine starke Geräuschentwicklung hauptsächlich von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs abhängt und erst in zweiter Linie von Muster der Prägung. Tatsächlich ist bei angepasster Geschwindigkeit kaum erheblicher störender Lärm wahrnehmbar. …“

    Das ist so NICHT richtig, weder dass bei „angepasster“ Geschwindigkeit kaum Lärm entsteht, noch dass der Lärm hauptsächlich von der Geschwindigkeit abhängt!! Beides Behauptungen, die so nicht haltbar sind.
    Lässt sich einfach beweisen: Wir haben zwei unterschiedliche Autos. Beide werden i.d.R. mit ‚angepassten‘ 30kmh und Tempomat über das Street-Print gefahren.
    Der eine ist (tatsächlich) kaum hörbar, der andere macht erheblichen Lärm !! Aber eben auch mit UNTER-ANGEPASSTEN 20-25kmh immer noch…

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