31.07.2019 Totenkopf in Harheim – der erste Mord vor 6000 Jahren?

Genau richtig und mitten im Sommerloch platzt in Harheim die sensationelle Meldung: Der erste Landwirt in Harheim war offenbar ein Syrer und hat vor 6000 Jahren hier gelebt. Muss jetzt die Geschichte Harheims oder gar Frankfurts neu geschrieben werden?

Besser erst einmal die Fakten anzusehen. Auf dem Gelände einer Baustelle haben die Mitarbeiter des Frankfurter Denkmalamtes bei der Untersuchung des Bodens mehrere interessante archäologische Funde ausgegraben. Bis jetzt wurden neben einem Schädel viele Knochen und Keramikteile freigelegt. Die Archäologen hoffen, dass sie noch mehr finden. Die Fundstücke lassen sich wie ein Puzzle zusammensetzen und werfen dann ein interessantes Bild auf die Geschichte.

hARHEIM

Foto: Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main mit freundlicher Genehmigung.

Auf dem Gebiet in Harheim haben schon in der Steinzeit, also 4000 bis 5000 v. Chr. Siedlungen existiert. Gleichzeitig hat man Fundstücke aus keltischer Besiedelung von etwa 50 v. Chr. gefunden. Die Vorstellung, dass ein Syrer einfach mit Kind und Kegel und einem Sack Samen die Rinder vor sich her getrieben hat, um in Harheim zu bleiben ist natürlich absurd. Die Steinzeitmenschen sind wahrscheinlich in kleinen Gruppen aus Mesopotamien und dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond über mehrere Jahrhunderte nordwärts gewandert und haben sich nach und nach neue Lebensräume erschlossen. Europa war zu diesem Zeitpunkt äußerst dünn besiedelt. In Gruppen von bis vielleicht 30 bis 80 Menschen begannen die Zuwanderer kleine Dörfer zu bauen und lebten von Viehzucht und Getreideanbau. In Frankfurt kennt das Denkmalamt rund 100 Siedlungen aus diesem Zeitraum. Im späteren Harheim fanden die Menschen natürlich ideale Voraussetzungen. Der Boden war fruchtbar. Fließend Wasser gab es sozusagen vor der Haustüre. Der gefundene Schädel wird anhand der Keramikfunde etwa auf die Zeit 4800 v. Chr. datiert. An der Fundstelle sind jedoch auch Fundstücke aus einer noch älteren Siedlung der sogenannten Linienbandkeramischen Kultur aus der Zeit um 5500 v.Chr. gefunden worden.

Die Fundstücke aus der keltischen Siedlung haben mit der Steinzeitsiedlung nichts direkt zu tun. Die Steinzeitsiedlungen in Frankfurt und der Wetterau wurden irgendwann aufgegeben und verlassen. Was in den Jahrtausenden von etwa 4000 v.Chr. bis 50 v.Chr. in Harheim abging, ist unklar. Möglicherweise war dieser Standort aus unbekannten Gründen eben nicht mehr so attraktiv.

Noch wird weiter gegraben um weitere Puzzleteile der Geschichte zu finden. Ein bisschen Krimi ist auch dabei. Noch ist Alter, Geschlecht und Herkunft des Schädels nicht bekannt, auch nicht, weshalb nur der Kopf und kein Skelett gefunden wurde. Vielleicht der erste Mord der Geschichte in Harheim? Tatort Harheim?

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