Zukunft Harheim 2030: Die Wohnungen sind schon da. Aber warum fehlen Kinderbetreuungsplätze?

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Kinderzentrum in den Schafgärten. Größte Kinderbetreuungseinrichtung Frankfurts im kleinsten Stadtteil ?

Immer noch klafft eine große Lücke zwischen dem Bedarf und dem Angebot an Kinderbetreuungsplätzen in Harheim. Warum ist das so?

Viele Jahre lang konnte man sich in Harheim neben der Kerb und dem Weihnachtsmarkt auf eines verlassen: dass es jährlich im Frühjahr einen drastischen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen gibt, der aber bis zum Schuljahresanfang im Herbst oftmals sogar bis auf Null heruntergeschmolzen war. Aber diese Arithmetik funktioniert seit über 10 Jahren nicht mehr. Dafür sind mehrere Ursachen verantwortlich. Der Anteil der Eltern, die eine Betreuung über den ganzen Tag brauchen, ist größer geworden. Vor allem ist die Bevölkerung im Stadtteil Harheim durch die neuen Baugebiete deutlich angewachsen, und gerade vielen junge Familien sind hierher, in den naturnahen, grünen Stadteil gezogen.

Das Schuldezernat hatte dabei noch nie die Gabe, steigende Kinderzahlen vorherzusehen.
Schon als die ersten Häuser in Harheim-Nord im Rohbau waren, hatte das Schuldezernat den Neubau der KT in den Aspen erst einmal verschieben wollen. Niemand hatte den Mitarbeitern im fernen Dezernat gesagt, dass die Neuharheimer vor Ort schon die Speditionswagen bestellt hatten. Niemand? Doch. Die Ortsbeiräte schon. Aber wer glaubt schon nervigen Ortsbeiräten.

ehemaliger HL

Der alte HL. Steht seit Jahren leer und wartet nur auf die Kinder

Mit Harheim-Süd ging das Spiel in die nächste Runde. Zwischenzeitlich war die alte kleine KT 96 abgerissen worden und an dieselbe Stelle wurde im kleinsten Frankfurter Stadtteil das größte Frankfurter Kinderzentrum gebaut. Weltenbummler und katholischer Kindergarten wurden gebeten, gedrängt, die Kapazitäten zu vergrößern und in der erweiterten Grundschule ESB eingeführt. Vielleicht hatte aber das Schuldezernat angenommen, in jede Wohneinheit in Harheim ziehen durchschnittlich zwei Erwachsene und 0,3 Kinder ein. Dass im familienfreundlichen Harheim große familienfreundliche Wohnungen entstehen, in die zwei Kinder mit einziehen, das ist niemand aufgefallen. Und den Ortsbeiräten hat man immer noch nicht geglaubt, dass sie die besseren Daten haben. Dass sich die Situation noch einmal verschärfen könnte, sobald die Wohnanlage für Geflüchtete bezogen würde, darauf gab es für die Ortsbeiräte eine klare Antwort. Darum würde man sich dann schon kümmern, wenn es so weit wäre. Und so blieb alles auch unter einer neuen Schuldezernentin beim alten. Außer, dass die Ortsbeiräte noch mehr Druck machten.

Dass die Kommunikation zwischen Dezernenten, Ortsbeirat und Magistrat – vorsichtig ausgedrückt – verbesserungsbedürftig ist, davon legten die vielen vergeblichen Problemlösungsversuche ein deutliches Zeugnis ab. Im August 2018 ist dann das Schuldezernat tatsächlich aufgrund der Initiative der Kinderbeauftragten Heidi Sehl aktiv geworden. Die zeitgleich oder schon vorher beschlossenen Anträge des Ortsbeirats an den Magistrat schlummerten vermutlich noch inmitten eines dicken Papierstapels mit der Aufschrift: k.w. (kann warten).

Jetzt, im August 2018, vor genau 12 Monaten stellt das Dezernat für Integration und Bildung fest, dass die Betreuungseinrichtungen in Harheim den Bedarf nicht abdecken könnten und dass neue Räumlichkeiten gesucht werden müssen. Der ehemalige HL-Markt in der Haintalstraße stand noch immer leer und empfahl sich zur Prüfung.

Nun sind wieder 12 Monate vergangen. In Harheim mangelt es immer noch an Betreuungsplätzen. Die Hoffnung der Bildungsdezernenten, das Problem würde sich von alleine lösen, hat sich nicht erfüllt. Die Ortsbeiräte haben noch immer keine verlässliche Information darüber und können den Eltern daher keine Hoffnung machen. Die Eltern wiederum haben endgültig das Urteil gefällt: Ortsbeirat kann man in der Pfeife rauchen.

Die Eigentümerin des ehemaligen HL-Marktes weist seit Monaten darauf hin, dass sie in der Lage wäre, die erforderlichen Umbaumaßnahmen in 9 Monaten durchführen zu lassen. Das Dezernat, das entscheiden und handeln muss, will sich aber offenbar weder drängen lassen, noch selbst einmal den Eltern und Ortsbeiräten Rede und Antwort stehen. Die Referentin im Dezernat XI, Jasmin Misev, war vor 12 Monaten zuversichtlich, „… dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden“. Vermutlich hat sich an der Zuversicht der Referentin genausoviel geändert, wie an der Situation: nichts.

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