22.11.2019: Endlich! AWO Frankfurt ist Vorreiter für ordentliche Entlohnung von Erzieherinnen in Kitas

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Arbeiterwohlfahrt als freundlicher und fairer Arbeitgeber

Nein, er hat keinen Dienstwagen, nicht einmal ein Dienstfahrrad, sagt der Leiter des Kinderzentrums in den Schafgärten. Auch die höchste Tarifgruppe hat er nicht in 24 Monaten erreicht. Mehr darf er aber wirklich nicht sagen. Ich solle mich doch mit weiteren Fragen lieber an seine Vorgesetzte bei Kita Frankfurt wenden. Die mögen das nicht so, wenn er was zu Ortsbeiräten sagt. Nun, vielleicht hat er einfach den falschen Arbeitgeber ausgewählt. Die AWO Frankfurt ist bei der Entlohnung von Kita Leitern offenbar erheblich großzügiger.

Schon lange fordern Erzieher und Erzieherinnen in Kindertagesstätten bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Nach der Gehaltstabelle verdient eine Erzieherin, die gerade im öffentlichen Dienst angefangen hat, 2578,00 Euro brutto monatlich. Die meisten freien Träger bezahlen ähnlich wie der öffentliche Dienst, aber sie haben eigene Tarifverträge. Bei den freien Trägern liegt der Einstiegslohn nach einer Studie der Hans Böckler Stiftung bei 2110,00 Euro, also erheblich weniger. Nach meistens dreijähriger Ausbildung. Immer wieder ist gefordert worden, Erzieherinnen und Erzieher sollten so viel verdienen wie Grundschullehrer, da sich die verantwortungsvolle Tätigkeit durchaus ähnelt. Ein verbeamteter Lehrer verdient im ersten Jahr an der Grundschule etwa 3350 Euro, also zwischen 800 Euro und 1200 Euro mehr als Erzieher und Erzieherinnen in den Kitas. Deutlich mehr. Vielleicht auch ein Grund, weswegen es nur verhältnismässig wenige männliche Erzieher gibt.

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Deutsch Türkische Kita Dostluk. 40 Kinder, 2 Sprachen

Da kann man also froh sein, dass der SPD-nahe Wohlfahrtsverband Vorreiter in der gerechteren Bezahlung dieser Jobs wird. Die Leiterin im deutsch-türkischen Kindergarten „Dostluk“ in der Rückertstraße, eine studierte Erziehungswissenschaftlerin, hatte dort im Oktober 2015 die Leitung übernommen und wurde im September 2017 in die Tarifgruppe S13 eingruppiert. Diese Eingruppierung ist für eine Leitungstätigkeit durchaus angemessen, aber normalerweise dauert es 17 Berufsjahre, um in der Endstufe 6 der Tarifgruppe mit den rund 4500 Euro monatlich anzukommen. Die beim Beginn der Tätigkeit 29-jährige Leiterin hatte also mit Hilfe der AWO tariflich runde 15 Jahre übersprungen. Dass sie bei der großzügigen Hochstufung bereits 14 Monate in Elternzeit war und also gar nicht mehr als Leiterin tätig, zeigt nur, wie fair, vorbildlich und großzügig sich die AWO gegenüber ihren Mitarbeitern verhält. Einzig die Tatsache, dass offenbar der hochqualifizierten Pädagogin der Dienstwagen während der Elternzeit weiter zur Verfügung stand, gefällt uns Grünen gar nicht. Die KT Dostluk im Ostend ist von U- und S-Bahn Haltestellen gerade mal rund 200 Meter entfernt, zudem stehen vermutlich ausgerechnet in der Rückertstraße kaum ausreichend Parkplätze zur Verfügung, so dass ein Frankfurt Job Ticket aus ökologischen Gründen die bessere Alternative gewesen wäre.

Die AWO hatte aktuell aufgrund kritischer Stimmen über Ihren Pressesprecher bestätigen lassen, dass die Pädagogin tatsächlich in dieser Gehaltsgruppe eingruppiert war und einen Ford Focus zur Verfügung gestellt bekommen hat, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Das entspräche auch der gültigen Dienstwagenrichtlinie der AWO Frankfurt.

Trotzdem gefällt nicht jedem die großzügige Gehaltsgestaltung der AWO Frankfurt. Der Kreisverband der AWO Frankfurt hat augenblicklich erheblichen Stress, da die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue ermittelt. Es geht um Gelder, die die Stadt Frankfurt für den Betrieb von zwei Flüchtlingsheimen der AWO gezahlt hat. Da kommt noch dazu, dass die gut bezahlte Leiterin der Kindertagesstätte Dostluk wohl für die AWO Frankfurt gearbeitet hat, abgerechnet wurde ihr Gehalt aber über die AWO Wiesbaden. Warum auch immer.

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Kinderzentrum in den Schafgärten. Größte Kita Frankfurts im kleinsten Stadtteil . 180 Kinder, viele Sprachen

Und nicht zuletzt grübeln Frankfurterinnen, Frankfurter, und über 2000 Erzieherinnen und Erzieher von KITA Frankfurt darüber, ob der relativ ungewöhnliche Sprung in der Gehaltsstufe etwas damit zu tun haben könnte, dass die junge Erziehungswissenschaftlerin zufällig mit dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt verheiratet ist. Honi soit qui mal y pense.

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