07.03.2020 Neue Kindertagesstätte für Harheim im Niederfeld? Betreuungsproblem bald gelöst?

Wohnanlage im Niederfeld

Wohnanlage im Niederfeld. Hier soll eine neue KT gebaut werden – will die CDU Harheim.

Das macht Hoffnung! Die Harheimer CDU fordert den kurzfristigen Neubau einer Kindertagesstätte mit mindestens 60 Betreuungsplätzen auf der Liegenschaft „Im Niederfeld 2-14“.  Im Niederfeld 2-14? Ortskundige wissen sofort und ohne zu googeln: Es handelt sich um das Areal der „Siedlungsgemeinschaft Niederfeld“, in dem Flüchtlingsfamilien und das Projekt „Hestia – Gemeinschaftlich Wohnen in Harheim e.V.“ Wohnung gefunden haben.
Das ganze Projekt läuft unter der Regie des Deutschen Roten Kreuzes(DRK). Die CDU Harheim geht davon aus, dass die Kita von Investor Markus Gildner innerhalb von sechs Monaten ab Vorliegen aller notwendigen Genehmigungen bezugsfertig gebaut sein könnte. Genaue Details können auch der Internetseite der Harheimer CDU entnommen werden. Tatsächlich fehlen in Harheim aktuell über 80 Betreuungsplätze (Hort, Kita, ESB, U3), und viele Eltern sehen mit dieser starken Vorlage Licht am Ende des Tunnels.

„Wir bauen Brücken, keine Mauern“. Investor Markus Gildner, der schon die Wohnanlage im Niederfeld projektiert und gebaut hat, ist ein energisch und praktisch denkender Mensch, ein Macher Typ Optimist, der sich durch Probleme und Behördendschungel nicht so einfach aufhalten lässt. „Probleme gibt’s überall, man muss sie halt lösen“ gehört zu seinem Credo, und tatsächlich hat er die Wohnanlage mustergültig pünktlich, unfall- und beschwerdefrei hochgezogen. Niemand bezweifelt, dass er auch eine Kindertagesstätte in Holzhybridbauweise innerhalb von sechs Monaten dort in den Innenhof einbauen würde. Raumprogramm für die Kinderbetreuungseinrichtungen in Harheim? „Klar, kennen wir“.  Eine Baugenehmigung? Eine Befreiung von den Auflagen für besonderen Wohnbedarf? „Kein Problem, kriegen wir“. Eine Betriebserlaubnis für die Kita? „Warum nicht?“. Wer wird der Träger der KiTa sein? „Den müssen wir halt finden“.

Wohnanlage im Niederfeld

Gemeinschaftsfläche im inneren der Wohnanlage – weg damit, damit eine KT gebaut werden kann?

„Prinzipiell wäre eine Kita da schon gut, aber der Innenhof der Wohnanlage ist doch wohl zu klein“ meint nachdenklich Susanne E., die in Harheim in paar Hundert Meter entfernt von der geplanten Kita wohnt. Ihre Tochter könnte dann auch endlich einen Hortplatz in erreichbarer Nähe finden und Eltern müssten nicht mehr mit ausgefeilter Logistik darüber brüten, wie sie Kinder, Beruf und Leben in Harheim vereinbaren können. Allerdings bleiben Zweifel: ist die  geweckte Hoffnung auf eine Kita realistisch und berechtigt?

Wohnanlage im Niederfeld

Siedlungsgemeinschaft Im Niederfeld 2-14

„Absurd“ ist das Kommentar des Geschäftsführers des DRK, Dierk Dallwitz. Er hat von der Idee vor wenigen Tagen auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn aus der Zeitung erfahren und bremst nach dem ersten Schock die Erwartungen. „Das müsste man erst mal sachlich klären ob das genehmigt werden kann, bevor man falsche Hoffnungen macht“. Für Dallwitz ist der Innenhof Teil des gesamten Konzeptes des DRK, das die Anlage gemietet hat. Er geht er im Gegensatz zu Investor Gildner davon aus, dass in dem Innenhof gar kein ausreichender Platz für ein zusätzliches Gebäude ist. Ein wenig Verärgerung schwingt mit im Gespräch. „Das DRK ist von der Absicht nicht informiert worden“.

„In der Zeitung gelesen…“ – trifft auch auf die 24 erschrockenen Menschen der Siedlungsgemeinschaft Hestia zu. Die räumliche Nähe zu den geflüchteten Familien und den Kindern? „Deswegen sind wir doch hierher gezogen..“. Im Hof, dem Mittelpunkt der Siedlungsgemeinschaft, sind Spielflächen für die Kinder und grüne Begegnungsorte für die Erwachsenen geplant. Miteinander, Gemeinschaft, gemeinsam wohnen und leben. Das sind die Interessen der überwiegend älteren aber noch sehr engagierten Damen und Herren. Gildners Projekt „Wohnen im Obstgarten“ finden sie immer noch gut. Aber das müsste erst einmal fertiggestellt werden. Noch immer steht den Hestia-Bewohnern kein Gemeinschaftsraum zur Verfügung, sagen sie. Und: noch immer müsse der Projektentwickler erst mal seine vielen Versprechungen erfüllen.

PowerPoint-Präsentation

Wohnen im Obstgarten. So sah das Projekt noch 2017 aus.

Bei schönem Wetter quirlen Kinder aller Hautfarben und Sprachen durch und um den Innenhof und toben sich aus. Die Harheimer haben bei der Unterbringung von Geflüchteten erfolgreich darauf gedrängt, dass hauptsächlich Familien in der Wohnanlage im Niederfeld wohnen. Noch haben die Kinder keine Ahnung von dem Bericht in der Zeitung. Im Herbst hatten sie noch voll Tatendrang und Neugier mitgemacht, als die Grünfläche des Innenhofs mit 1600 Blumenzwiebeln bepflanzt worden ist, um den Frühling bunt zu empfangen. Noch ahnen sie nicht, dass die gewünschte „lebenswerte und familienfreundliche Umgebung“ für sie bedeuten könnte, dass ihre Spielfläche von einer eingezäunten Kita als Außenfläche beansprucht wird. Kinder draußen werden zusehen, wie Kinder hinter dem Zaun spielen.

Wohnanlage im Niederfeld

KT auf Stelzen und über der Stellfläche für die Fahrzeuge?

Jetzt spürt man deutlicher: Die Hoffnung vieler Eltern ohne Betreuungsplatz ist irgendwie verknüpft mit den Befürchtungen der Bewohner der Wohnanlage. Die Hoffnung der Eltern, die neue Kita im Niederfeld könnte in Rekordzeit genehmigt und eine Betriebserlaubnis für einen noch zu findenden Träger ausgestellt werden, steht gegen das Unbehagen der Bewohner, die genau dort schon wohnen, dass das Projekt „Wohnen im Obstgarten“ in genau jenem beerdigt werden könnte. Jetzt ahnt man irgendwie gesellschaftliche Sprengkraft in der Frage: Wollt ihr eine Kita, oder seid ihr dagegen? Die klare Antwort könnte auch lauten: Ja. Aber nicht da. In der Sache gibt´s noch erheblichen Gesprächsbedarf. (hs)

Am Montag 09. März wird weiter diskutiert und vielleicht auch informiert – in der Bürgerfragestunde und Ortsbeiratssitzung ab 20 Uhr im Bürgerhaus.

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