13.04.2020 Streuobstwiese gerodet, Steinkauz elend verhungern lassen.

Streuobstwiese

Alte, morsche Bäume? oder einfach nur im Weg?

Vielen aufmerksamen Harheimern ist Ende März aufgefallen, dass auf einer Streuobstwiese am Harheimer Weg, Zwischen Bonames und Harheim in der Nähe des „schiefen Kreisels“ etwa 10 alte Obstbäume gefällt worden waren. Harheim, das kleine Frankfurter grüne Paradies inmitten von Wiesen, Feldern und blühenden Bäumen. Viele nutzen das schöne Wetter in Zeiten der Coronabeschränkungen zu einem Ausflug oder einem Spaziergang. Da fallen so ein paar abgesägte Bäume schon mal auf. „Ist das denn zulässig? Dürfen die Bäume denn gefällt werden?“

Die Wiese liegt in Landschaftsschutzzone 1. Ohne Genehmigung dürfen dort keine Bäume gefällt werden. Ob eine Genehmigung vorgelegen hat oder nicht? Unklar. Unklar ist auch, weshalb die Bäume Ende März gefällt worden sind. Das Fällen oder Schneiden von Bäumen ist in der Zeit vom 1. März bis 30. September ist aus naturschutzrechtlichen Gründen verboten. Aber gut. Parken auf dem Gehweg ist ja auch verboten. Und doch stehen viele Autos auf dem Bürgersteig.

Streuobstwiese

80 Jahre alte Bäume – wertlos?

Dass unter Schutz stehende Streuobstwiesen gerodet und eingeebnet werden, das passiert in Harheim immer wieder. Die Pflege der Obstbäume ist natürlich eine aufwändige Sache und die Landwirte sind sauer darüber, dass ihnen nach dem mühevollen Aufwand im Sommer dann oft die Ernte direkt vom Baum geklaut wird und darüber hinaus jeder seinen Gassi-Geh-Hund auf die Wiese kacken lässt und danach das Heu nicht mehr ans Vieh verfüttert werden kann. (Auch Kühe wollen nichts fressen, wo ein anderer draufgekackt hat).

Möglich also, dass ein Landwirt entschieden hat, dass die Bäume alt und morsch sind und sie deswegen von der Wiese weg müssen. Genehmigung hin, Verbot her. In diesem aktuellen Fall der Fällung hat derjenige, der die Bäume gefällt hat, allerdings einen fatalen Fehler begangen. In den Bäumen waren zwei Nisthöhlen für Steinkauze gehängt. In der einen davon befand sich ein Steinkauz-Pärchen, das vielleicht aus Angst und Panik nicht rechtzeitig den Flucht-Modus eingeschaltet hat. Der Baumfäll-Experte hatte die Röhre abgenommen, sie spasseshalber senkrecht auf den Boden gestellt und sie für die Steinkauze damit zur tödlichen Falle gemacht. Nun konnten die Vögel die Röhre weder auf der unteren noch auf der oberen Seite wieder verlassen. In einer engen Röhre fliegt sich´s leider nicht besonders gut. Also eine Art verschärfte Corona-Quarantäne.

Steinkauz

Niströhre und toter Steinkauz

Das Ergebnis der Tierquälerei ist leider wenig appetitlich. Als nach etwa 12 Tagen qualvoller Gefangenschaft sachkundige Menschen am Ostersamstag die Röhre überprüft hatten, war der Vogel oben entkräftet verendet, der untere Steinkauz wegen fehlendem Wasser nahezu verdurstet. (Immerhin, zu essen hatte er ja …..). Der überlebende Vogel wird im Augenblick von einer Tierärztin wieder aufgepäppelt. Der Tote liegt bei ihr im Gefrierschrank.
Steinkauz20200411 Kadaver Steinkauz

Hat es leider nicht überlebt. 10 Tage in der Röhre eingesperrt und verhungert.

Die Wiese gehört offenbar einem Harheimer Landwirt. Der zeigt sich wenig gerührt vom elenden Tod des Vogels: „Ja und, auf meinem Acker mache ich was ich will“.  Aber Vorsicht, vor falschen Schlüssen. Nicht alle Harheimer Landwirte sind hinsichtlich Umwelt und Natur dermaßen unsensibel und rücksichtslos.

Steinkauz

Er hat die Tortur gerade so überlebt.

Die Naturschutz und Jägervereinigung Harheim kümmert sich engagiert um die Niströhren und unterstützt Hege und Pflege der Harheimer Steinkauzpopulation. Steinkauze sind nach der EU-Artenschutzverordnung streng geschützt und nach der Roten Liste in Deutschland als „gefährdet“ aufgeführt. Um Harheim brüten in den Röhren jährlich regelmäßig über 12 Steinkauz-Paare. Mehr als in den anderen Stadtteilen.

Steinkauze, Störche, auch Menschen, die mögen den Stadtteil Harheim mit viel Grün und nah an der Natur. Die einen kümmern sich darum, sie pflegen und erhalten Natur und Umwelt, bewahren Streuobstwiesen und schaffen Nistmöglichkeiten für Vögel. Andere fällen die Bäume und quälen Tiere zu Tode. Warum?

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu 13.04.2020 Streuobstwiese gerodet, Steinkauz elend verhungern lassen.

  1. Schaaki schreibt:

    Ist denn den Aufmerksamen Harheimer jetzt auch aufgefallen das im Niederfeld vom Kreisel kommend links vor dem Alten und Flüchtlingsheim in voller Blüte stehenden Bäume auch erst jetzt aus geschnitten werden,nur mal so ,wird hier etwa mit Zweierlei Mass gemessen.

  2. hseuffert schreibt:

    Das Maß mit dem gemessen wird sind die Verordnungen und Gesetze. Da ist kein Kindergartendeal möglich nach dem Muster „weil der mich gehauen hat, darf ich ihm seine Katze killen“. Und wie immer: vielleicht hat´s eben jemand zu weit getrieben mit Streuobstwiese und Naturschutz. Das ist wie wenn ich mit 80 km/h durch die 30er Zone fahre. Das kann 10 Mal gutgehen, aber beim 11. Mal werd ich eben erwischt. Dann hilft mir auch kein „Aber mein Nachbar machts doch auch“.

  3. cwalz schreibt:

    Unfassbar, dass so etwas passieren kann. Das hat meiner Meinung nach auch nichts mit Unwissenheit, viel mehr mit Fahrlässigkeit zu tun. Danke, dass es Menschen gibt, die sich für jedes noch so kleine Tier einsetzen, und nicht mit dem Gedanken leben können “ach, wird schon nicht so schlimm sein“. Hoffentlich kann der Steinkauz bald wieder losfliegen.

  4. Elke Marczak schreibt:

    Es ist schon sehr bezeichnend das man, wenn man einen Fehler macht, sofort auf andere zeigt. Ein menschliches Bedauern und eine Entschuldigung wäre wohl angebracht. Wenn jeder mit der Natur so unverantwortlich umgeht, ist eine Zukunft in der jetzigen Form ( und die ist bereits sehr geschädigt) mehr als fraglich.
    Wir Menschen müssen auf die hilflosen Tiere in freier Natur mehr als bisher achten

  5. Sonnenschein schreibt:

    Erst wenn der letzte Baum gerodet,
    Der letzte Fluß vergiftet,
    Der letzte Fisch gefangen ist,
    werdet ihr feststellen,
    Dass man Geld nicht essen kann!

    (Weisheit der Cree)

  6. die Mediatorin schreibt:

    Ich freue mich darüber, dass trotz aller Unsicherheiten die zur Zeit herrschen, es immer noch Menschen gibt, die mit offenen Augen durch die Welt gehen.
    Die Bäume sind leider nicht mehr zu retten, aber zum Glück hat es ein vom Austerben betrohtes Wildtier, dank achtsamen Menschen geschafft zu überleben.
    Jedoch macht es mich immer noch fassunglos, dass ein Käutzchen so qualvoll verendet ist.
    Leider können wir nicht die Menschen ändern, doch meine Hoffnung ist immer, dass mehr Bewusstsein geschaffen wird, dank auch solcher Artikel!
    Ein Dank an alle die an dieser Rettungsaktion beteiligt waren.

  7. Michael Brünner schreibt:

    Ein Harheimer Mitbürger vernichtet seine gesetzlich geschützte Streuobstwiese und nimmt billigend in Kauf, dass dabei streng unter Artenschutz stehende Tiere getötet werden.
    Dieses Verhalten macht mich fassungslos.
    Wir sind alle verantwortlich, sensibel auf solche Machenschaften in unserer unmittelbaren Umgebung zu achten und eine klare Position gegen derartige Umweltzerstörung zu beziehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s