25.06.2020: Denkmalschutz oder Sanierungsfall: Der Rote Platz in Harheim.

Harheimer Kirchplatz

Der Rote Platz in Harheim

Wer in Harheim nach dem „Roten Platz“ fragt, wird sehr wahrscheinlich 2300 km weiter östlich, nach Moskau verwiesen. Nur wenige Harheimer Ureinwohner*innen wissen, dass mit dem „Roten Platz“ im kleinen Frankfurter Stadtteil der „Alte Harheimer Kirchplatz“ gemeint ist. Und selbst der ist im amtlichen Straßenverzeichnis der Stadt Frankfurt nicht verzeichnet und in Google Maps nicht auffindbar. Der „Alte Harheimer Kirchplatz“ ist natürlich da, wo bis 1937 die alte Harheimer Kirche stand. Es handelt sich um die Fläche vor dem 1987 gebauten Hotel Harheimer Hof, vor dem ehemaligen Rathaus und der jetzigen Verwaltungsstelle, 1898 als Pfarrhaus gebaut, und da, wo aus dem Jakobusbrunnen das Wasser im Sommer plätschern sollte, aber es dennoch selten tut, weil die Brunnentechnik ziemlich anfällig ist.

Harheimer Kirchplatz

Sankt Jakobusbrunnen und Harheimer Hof rahmen den Roten Platz ein

Dieser Platz, 1986 zur 1200-Jahr-Feier Harheims entstanden, heißt seit „roter Platz“, weil nicht nur der ehemalige Kirchengrundriss in rotem Buntsandstein im Platz eingelassen ist, sondern weil auch der Jakobusbrunnen in der gleichen rötlichen Farbgebung gehalten worden war und die Farbgebung insgesamt auf das damals schon alte rötliche Rathaus und das neue rote Hotel abgestimmt war. Und irgendwie hatte sich vielleicht die Namensgebung zu Zeiten des eisernen Vorhangs und des kalten Krieges provokant geeignet, kommunistischen Umtrieben den symbolischen Stinkefinger zu zeigen. Der Platz war entworfen um neuer Dorfplatz mit fränkischem Flair zu werden, wo sich die Bürger des Stadtteils am Brunnen unter Bäumen niederlassen und wilde Feste oder andere Veranstaltungen zu feiern.

Harheimer Kirchplatz

Der Kirchengrundriss vor dem Taxi-Stand

Fast 35 Jahre später ist das leicht überdimensionierte Hotel immer noch trotzig Hotel, das Rathaus hat sich als Verwaltungsstelle standhaft allen Rationalisierungsversuchen widersetzt, der Kirchengrundriss erinnert immer noch an die Geschichte des Ortes, auch wenn gelegentlich zu Ballspielen zweckentfremdet und der Brunnen dient in den Jahren, in denen die Brunnentechnik funktioniert Kindern als Freibadersatz. Nur die Volksbank ist geflüchtet und die Baumreihen haben es nicht überlebt. Von den elf Bäumen, die den Platz umgeben, haben gerade vier eisern bei Hitze und Dürre durchgehalten, die anderen sieben sind nach und nach eingegangen und haben das freundliche Grün mitgenommen und den gepflasterten Boden übriggelassen.

Harheimer Kirchplatz

Sankt Jakobus schaut auf den Brunnen ohne Wasser

Mag sein, dass es nun daran liegt, dass die Baumscheiben, also die Pflanzfläche, in die der Baum eingesetzt wird, schon vor 35 Jahren mit etwa vier Quadratmeter unterdimensioniert waren. Gut möglich aber auch, dass durch Klimawandel und zunehmende Dürrejahre ein so kleiner Wasserspeicher für Bäume nicht mehr ausreicht. Die Experten des Grünflächenamtes raten jetzt davon ab, die Bäume einfach zu ersetzen und empfehlen eine deutlich größere Pflanzfläche. Aber jetzt haben wir ein Problem: wohin denn nun mit dem neuen Platzbegleitgrün? Legt man die Pflanzfläche in der empfohlenen Dimension an, würde vom Platz nicht mehr so viel übrig bleiben, um die Bretterbuden und Tische beim Weihnachtsmarkt aufzustellen. Zudem hat sich herausgestellt, dass einige der alten Bäume ziemlich genau über den Stromleitungen der Straßenbeleuchtung eingesetzt waren, was man heute so besser auch nicht mehr tun würde.

Harheimer Kirchplatz

Viel zu wenig Fläche für einen Baum.

Die  Überlegung der Ortsbeiräte, die alten Bäume einfach durch neue zu ersetzen und bei der Gelegenheit vielleicht auch noch die alten Metall-Sitzmöbel im Design der 80er Jahre upzudaten, ist also nicht machbar. Was nun? Einfach alles so lassen bis auch noch die letzten vier Bäume vertrocknet sind? Oder eine Notlösung?

Nun hatte die SPD Fraktion in einem Spontan-Antrag angeregt, den „in die Jahre gekommenen“ Alten Kirchplatz komplett neu zu gestalten, die versiegelte Fläche teilweise entsiegeln und dazu finanzielle Mitteln aus dem Programm „Schöneres Frankfurt“ zu nehmen. Im Prinzip eine gute Idee allerdings auch mit einem gewissen Überraschungseffekt. Denn es fühlten sich einige Harheimer*innen total überrumpelt, zum Beispiel der Kulturverein Harheim, der ursprünglich an der Gestaltung vor 35 Jahren mitgewirkt hatte. Der KVH will nun am Liebsten den Platz unter Denkmalschutz stellen und Bäume wieder einpflanzen, diesmal 50cm weiter weg von den Stromleitungen.

Harheimer Kirchplatz

Verboten: Skaten und Fussballspielen auf dem Roten Platz

Denn schließlich solle alles wieder weitgehend so sein, wie der Architekt Karsten Henze 1986 geplant hatte. Nur wird das leider so nicht gehen. Denn es reicht nicht, die neuen Bäume einen halben Meter zu verschieben. Weil neue Bäume eine größere Fläche benötigen, muss der Platz neu geplant werden. Ein „so wie damals“ kann es nicht geben. Der Platz ohne die Bäume entspricht aber auch nicht mehr dem ursprünglichen Konzept. Also Ergebnis: Alles ist in Bewegung, alles dreht sich nämlich im Kreis.

Harheimer Kirchplatz

Von den vier Bäumen ist nur noch der Laternenmast übrig geblieben.

Gut nur, dass die SPD eine „Tischvorlage“ als Antrag gemacht hat. An diesem Abend wollte der Ortsbeirat dieses Thema so spontan nicht diskutieren, also wird der Antrag in der nächsten Sitzung behandelt werden. Genug Zeit also für alle, sich Gedanken zu machen, wie aus dem Roten Platz in Harheim vielleicht sogar ein grüner belebter Dorfplatz werden kann.

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Eine Antwort zu 25.06.2020: Denkmalschutz oder Sanierungsfall: Der Rote Platz in Harheim.

  1. Tanja D schreibt:

    Wie wärs mit Büschen in Pflanzkübeln oder Hochbeeten ?

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