18.08.2020: Äpfel klauen verboten. Braucht Harheim wieder einen Feldschütz?

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Stop! Die Harheimer ernten selbst.

Äpfel klauen – verboten. Mit Autos auf Feldwegen fahren – verboten. Müll und alte Reifen auf dem Acker abladen – verboten. Hunde auf dem Stroh ihr Häufchen machen lassen – verboten. Alles verboten, und doch wird es immer wieder gemacht. Brauchen wir in Harheim deswegen etwa wieder einen Feldschütz, der auf die Äcker, Wiesen und Felder aufpasst? Wenn es nur um einen oder zwei Äpfel ginge, die von Spaziergängern gepflückt würden, wäre das alles kein Thema. Aber achtsame Augen berichten immer häufiger, dass das Obst geradezu professionell abgeerntet wird. „Da fahren ganze Pflückergruppen mit dem Transporter bis zur Wiese und ernten das gesamte Obst, um es irgendwo zu verkaufen“ berichten Streuobsteigentümer. Die wiederum selbst sind in den Landschaftsschutzzonen I und II zum Schutz der Natur erheblichen Einschränkungen unterworfen. Nicht nur, dass sie die Bäume ohne Genehmigung gar nicht fällen dürfen und die Genehmigung kriegen sie nur im Ausnahmefall. Zudem dürfen Felder nicht eingezäunt sein, was den illegalen Obsterntehelfern das Argument „oh, ich hab gar nicht gewusst, dass das ein Privatgrundstück ist“ frei Haus liefert.

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Auch Harheimerinnen ernten selbst.

Größtes praktisches Problem: natürlich kann der Eigentümer die Polizei rufen. Aber bis die wegen Obstdiebstahl am Tatort erscheint, sind die Pflücker meist weitergezogen. Dazu kommt das „Hundeproblem“. Die Grünflächen um Harheim sind für Hundehalter ein beliebtes Ziel, um ihren Wauwaus ein bisschen Auslauf zu geben. Dass die dann auf das Obst, die Früchte oder auch auf das gemähte Gras kacken, ist den Haltern egal. Eine Kuh oder ein Pferd frisst aber Heu nicht mehr, wenn da mal ein Hund sein Häufchen drauf gemacht hat.

„Könnte da nicht der Leinenzwang durchgesetzt werden“, fragt eine Teilnehmerin in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats den Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), Volker Rothenburger.  „So einfach ist das nicht“, sagt der, „in Frankfurt gibt es nur in Parks Leinenzwang“. Das ärgert natürlich auch die Jäger und Naturschützer. Manfred Bockenheimer, Vorsitzender der Harheimer Naturschutz- und Jägervereinigung berichtet davon, dass von der Leine gelassene Hunde auch schon mal trächtige Rehe jagen und reissen, obwohl Frauchen oder Herrchen Stein und Bein schwören, dass ihr „Waldi“ oder „Hermann“ sowas doch nie tun würde und ganz harmlos ist.

Also – brauchen Stadtteile mit viel Grün wieder einen Feldschutz, der für Recht und Ordnung sorgt? Volker Rothenburger, UNB, würde das begrüßen. Auch andere Stadtteile wie etwa Oberrad fordert zum Schutz von Natur und Landwirtschaft seit längerem eine solche Überwachung. Allerdings bislang vergeblich. Das Problem auf den Feldern und in den Landschaftsschutzzonen haben natürlich nur Stadtteile, die Felder und Landschaft haben. Und das sind in Frankfurt nur wenige. „Landschaft“ gehört nicht zu den Herzensthemen der Frankfurter Stadtverordneten. Nicht einmal, wenn die Stadt im Sommer unter dem Klimawandel ächzt und stöhnt.

Eher im Gegenteil. Nachdem sich die Harheimer, Nieder-Erlenbacher und Nieder-Eschbächer bislang erfolgreich gegen die Bebauung der Felder und Wiesen mit einem neuen Wohngebiet gewehrt haben, hat jetzt die VGF die „freie Fläche“ entdeckt und spielt mit dem Gedanken, die klimawichtigen Grünflächen mit einem Betriebshof zu bebauen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Fraktionen im Harheimer Ortsbeirat jedenfalls bleiben nah dran am Landschaftsschutz und votieren einstimmig dafür, eine Präsenzüberwachung der Felder einzuführen. Auch wenn sie nicht viel Hoffnung haben, dass der Magistrat diesen Vorschlag zum Schutz von Landschaft und Natur unterstützen wird.

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