28.08.2020: Fahrradstadt Frankfurt ja. Aber eben nicht am Stadtrand.

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Fahrradstadt Frankfurt

Mit viel Tamtam auf dem Weg zur Fahrradstadt Frankfurt hat der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sich der Friedberger Landstraße angenommen. Dort gibt es jetzt nur noch eine Spur für Autos, die zweite Spur wurde sichtbar für alle zu einem breiten Radweg in Rot gegossen. Jetzt müssen die Autofahrer mit längeren Reisezeiten rechnen, für die Radfahrer dagegen geht’s zügiger voran. Aber nicht überall setzt sich der beleibte Verkehrspolitiker so energisch für den schnellen Radverkehr ein. Am Berkersheimer Bahnhof, zwischen Harheim und Berkersheim ist ihm zusammen mit dem Frankfurter Magistrat der Radverkehr egal. Was für die Innenstadt gilt, muss ja schließlich nicht auch für den Rest von Frankfurt gelten.

Von dem Tag ab, an dem der beschrankte Bahnübergang endgültig von der DB geschlossen und abgebaut wird, ist Schluss mit der schnellen Radverkehrsverbindung bis in die Innenstadt. Dann sollen die Radfahrer die 300 Meter entfernte Unterführung „Am Wiesengarten“ zur Querung der viergleisigen Bahnstrecke nehmen. Diese enge Unterführung wird gerade aufgehübscht. Denn sie wird dann für eine Übergangszeit von voraussichtlich sechs bis acht Jahren für die LKWs von FES, für Anliegerverkehr der dort gelegenen Wohnhäuser aber auch für die Traktoren und Anhänger der Landwirte und der Reitanlage sowie für die Pferde derselben als Querungsmöglichkeit dienen. Dort werden die Radfahrer dann unter Einsatz ihres Lebens im Kampf gegen die Schwerfahrzeuge auch noch ein wenig mitmischen. Dabei sollten die Radler ja schon mal froh sein, wenn die Straße überhaupt asphaltiert und beleuchtet wird und auch auf der anderen Seite nicht allzuviele kindskopfgroße Schlaglöcher die sanfte Reise in die City der Fahrradstadt beeinträchtigen.

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Fahrradstadt Frankfurt

Eigentlich war eine Omegabrücke als regulärer Ersatz für den Bahnübergang geplant. Sollte es dem Verkehrsdezernent nun noch gelingen, dass die Planung und der Bau dieser Brücke in dem gleichen Tempo wie bisher weitergeht, bleibt es möglicherweise nicht bei den sechs bis acht Jahren für die vom Magistrat nett als „Zwischenlösung“ bezeichnete Behelfsbrücke über die Gleise. Sondern es könnten noch ein paar Jährchen mehr werden. Sozusagen lebenslänglich. Wozu auch die Eile. Im Augenblick scheint der Magistrat mit der DB Netz AG und dem Bundesverkehrsministerium zu verhandeln, wer denn für die Behelfsbrücke den Aufzug bezahlen soll, damit die fußmüden und gehbehinderten Nutzer der S6 auf den Bahnsteig und zum Zug gelangen. Diese Aufzüge können die Radfahrer natürlich eventuell auch benutzen, um auf die andere Seite der Schienen zu gelangen. Wer allerdings zu den bekannten Stoßzeiten dort oben mal gezählt hat, wieviele Radfahrer, Kinderwagenschieber und Kinderrädchen an der Schranke warten, kann sich dann auch mit begrenzter Fantasie leicht vorstellen, welche Loriot´schen Komödien dort entstehen können, sollten erst ganze Familien inclusive der Zweiräder sich in Staus vor den kleinen Aufzügen begegnen.

Also, aktueller Zwischenstand aus der Fahrradstadt Frankfurt (Stellungnahme ST 1171 des Magstrats vom 19.06.2020) und als Antwort auf einen Antrag des Harheimer Ortsbeirats:

Dem Verkehrsdezernent der Stadt ist es gelungen, in der Friedberger gegen den erbitterten Widerstand der Automobillobby dem motorisierten Verkehr eine Fahrspur abzuringen und sie den Radfahrern zur Förderung der Radmobilität zu überlassen. Zum Ausgleich dafür wird die schnelle Radverbindung zwischen Harheim über Preungesheim in die Innenstadt nicht mehr weiter gefördert. Dort stehen den Fahrradfahrer*innen genügend andere Wirtschaftswege zur Verfügung, die sie auf eigene Gefahr und mit geländegeeigneten Fahrzeugen benutzen können. Jedenfalls, so lange sie von der Deutschen Bahn nicht für den Bauverkehr gebraucht werden. Und wenn sie denn unbedingt schon mit dem Rad in die Innenstadt wollen.

Soviel neues zur ach so vorbildlichen Fahrradstadt Frankfurt.


Fakten:
Bahnübergang:
Nach dem Ausbau auf vier Gleise darf der beschrankte Bahnübergang am Bahnhof Berkersheim nicht mehr betrieben werden. Betroffen ist in besonderem Maße der Radverkehr, da zwischen Harheim und der Innenstadt über Berkersheim eine direkte und schnelle Radwegeverbindung in die City besteht, die auch vielfach genutzt wird.  

Omegabrücke:
Ursprünglich sollte an dieser Stelle eine Unterführung gebaut werden, 2014 hat sich jedoch gezeigt, dass diese Lösung nicht finanziert werden kann. Seitdem wird eine Omegabrücke vorgeschlagen, über die der Anliegerverkehr und der Versorgungsverkehr (Müllabfuhr, Rettungswege) für die Berkersheimer Häuser auf der Harheimer Seite der Bahnlinie, der Bus25, der landwirtschaftliche Verkehr und der Fahrradverkehr die Bahnlinie queren können.

Bevor diese Omegabrücke gebaut werden kann, muss ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Im günstigsten Falle rechnen Fachleute dabei mit einer Dauer von sechs bis acht Jahren.

Querungsbrücke:
Unabhängig von der Omegabrücke ist am Berkersheimer Bahnhof auch noch eine primär für Fußgänger gedachte Brücke geplant, über die diese Personen auf die Bahnsteige und zur S6 kommen können, aber auch die Gleise in den Nachbarstadtteil überqueren können.

Zwischenlösung:
Bis diese Querungsbrücke geplant und gebaut wird, soll eine Zwischenlösung aufgebaut werden, die die jetzige Holzbrücke ersetzt, weil die alte Holzbrücke für die 4 Gleise nicht lang genug ist. Diese Zwischenlösung baut die Deutsche Bahn ausdrücklich nicht barrierefrei. Wenn die Stadt Frankfurt eine barrierefreie Querungsmöglichkeit will, muss sie das selbst finanzieren.

Forderungen des Ortsbeirates Harheim
In mehreren Anträgen hat der Ortsbeirat Harheim gefordert, dass diese Zwischenlösung barrierefrei sein muss und zusätzlich so auf den Radverkehr ausgelegt, dass bei höherem Radverkehrsaufkommen es nicht zu Staus kommt. Jeder, der diese Situation an einem schönen Sommertag beobachtet, stellt fest, dass diese Radroute durchaus stark genutzt ist.

Die Umleitung des Radverkehrs über die 300 Meter entfernte Unterführung Am Wendelsgarten könnte zwar vorübergehend als Baustellenumleitung in Frage kommen, kann aber aufgrund der Risiken (Radverkehr nutzt mit LKWs die gleiche Straße) für eine mehrjährige Dauer nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

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Eine Antwort zu 28.08.2020: Fahrradstadt Frankfurt ja. Aber eben nicht am Stadtrand.

  1. Till (Webmaster) schreibt:

    Toll danke für die Info

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