09.09.2020: Eschbach. Der Geruch des Wassers. Oder: was fließt denn da?

Leise plätschert der Eschbach

Romantisch plätschernd schleicht sich im Mondlicht langsam der Eschbach durch Harheim um sich mit der Nidda zu vereinen. Heiße Sommer und wenig Niederschlag haben aus dem Eschbach eher ein Eschbächlein werden lassen. Harheimer*innen schauen vielleicht verträumt von der Brücke am Bürgerhaus ins Spiegelbild im Wasser. Früher haben hier noch Kinder Papierschiffchen schwimmen lassen. Und Heute? Aber Moment mal, was müffelt da eigentlich so seltsam.

Der Eschbach entspringt in den Wäldern von Bad Homburg. Das Gewässer fließt durch Bad Homburg und überfließt bei Nieder-Eschbach die Grenze zur Großstadt Frankfurt. Hinter Nieder-Eschbach kommt nur noch Harheim, denn am Rand von Harheim endet die Existenz des Eschbachs Dass der Bach im Sommer wenig Wasser führt ist schon bekannt und in einer Studie zu den Frankfurter Oberflächengewässer 1996-2017 poetisch und schön beschrieben „Den Sommer über fallen die Oberläufe des Eschbaches manchmal trocken oder führen nur minimal Wasser. Der Eschbach führt dann erst unterhalb der Kläranlage wieder ausreichend Wasser“.

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Ist das wirklich nur Wasser?

Konkret gemeint ist die Bad Homburger Kläranlage. Rund 55.000 Heimarbeiter in Bad Homburg sorgen mit dem was sie durchs Klo spülen dafür, dass die örtliche Kläranlage genügend Rohstoff für ihre Arbeit hat. Wenn die Kläranlage dann den Rohstoff Abwasser weitgehend wiederaufbereitet hat, wird die Flüssigkeit wieder ins Bachbett eingeleitet und der Eschbach hat wieder was zum Fließen. Ob das allerdings, was da fließt, noch korrekt als Wasser bezeichnet werden kann, ist eine Frage des Geschmacks. Mindestens fließt neben Wasser noch eine ordentliche Portion Bakterien und ähnlicher Lebewesen. Zusätzliche Probleme bereiten möglicherweise Medikamente und Chemikalien, die oft unsachgemäß über die Toilette entsorgt werden. Wenn Sie es ganz genau wissen wollen, dann lesen Sie das in dem zitierten Bericht nach. Aber bevor sie das lesen, glauben Sie uns bitte, dass Sie es eigentlich lieber doch nicht so genau wissen wollen. Soviel sei aber aus der spannenden Studie verraten: „Sportplätze, öffentliche Parkanlagen, Freiland- und Gewächshauskulturen für den Rohverzehr sollten mit diesem Wasser nicht beregnet werden. Bei der Beregnung anderer Sportplätze ist durch Schutzmaßnahmen sicherzustellen, dass Personal und Öffentlichkeit keinen Schaden nehmen“.

Riecht es etwa danach, dass unsere reiche Bad Homburger Nachbarkommune entsorgt ihren Sch…. in den romantischen Eschbach entsorgen? Nein. Natürlich wäre das etwas zu krass ausgedrückt, wenngleich das zu dementieren gleichzeitig unehrlich wäre.

Könnte das Problem gelöst werden? Ja. Könnte. Dazu müsste in der Kläranlage Bad Homburg eine vierte Reinigungsstufe eingebaut werden. Mit diesen  Reinigungsstufen werden durch Ozonung und Aktivkohleadsorption noch viel gründlicher die Belastungen reduziert und vor allem auch biologisch schlecht eliminierbaren Stoffe, die von Menschen hergestellt wurden, wie etwa Medikamente aus den Taunuskliniken.

Aber so eine vierte Reinigungsstufe kostet einen Haufen Geld.

Fakten:
Daten entnommen aus
Stadt Frankfurt am Main/Gesundheitsamt, 2018:
„Oberflächengewässer in Frankfurt am Main 1996-2017“ – Bericht zur hygienischen Qualität.

(hs)

 

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