12.10.2020 Neue Nachbarn für Ikea. Im GrüngürtelPark Nieder-Eschbach wird ein neues Gewerbegebiet geplant.

Rechts Ikea, links soll das neue Gewerbegebiet hin

Was man halt alles in Koalitionsvereinbarungen reinschreibt, wenn das Papier geduldig genug ist. Zum Grüngürtel zum Beispiel: „[Er] … wird vor Bebauung geschützt und wo möglich erweitert, zum Beispiel indem wir die Fläche des künftigen „GrünGürtelPark Nieder-Eschbach“ sukzessive dem GrünGürtel zuschlagen.“ Reingeschrieben und unterzeichnet haben das CDU, SPD und die Grünen im Jahr 2016 im Frankfurter Römer. Jetzt, nicht mal fünf Jahre später ist es mit dem „Wir“ und der freundlichen Koalitionsstimmung vorbei, keiner kann sich mehr gerne erinnern, und wenn man schon keine Wohnsiedlung im Frankfurter Norden auf diesen nutzlosen Grünflächen bauen kann, die nur fürs Zuckerrübenanbauen taugen und die ja geradezu nach Versieglung und Bebauung schreien, dann wenigstens ein Gewerbegebiet. Dreißig Hektar Grünfläche aus dem genannten GrünGürtelPark Nieder-Eschbach sollen erst mal versiegelt und dann ein Gewerbegebiet drauf gebaut werden. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat das vorgeschlagen. Frankfurt braucht ein neues Gewerbegebiet, meint er. Der Planungsdezernent braucht vielleicht auch noch ein paar Ergebnisse vor der nächsten Kommunalwahl.

noch ist Ikea von Grün umgeben

Aber keine Panik. Es soll ja gar nicht gleich bebaut werden. Es soll nur geprüft werden, ob das Stück GrünGürtelPark zur Bebauung mit Gewerbe taugt. Ausgewiesene Kenner der Materie wissen allerdings, dass solche Prüfaufträge gerne an solche Ingenieurbüros vergeben werden, die auch das gewünschte Ergebnis liefern. Ist der Prüfauftrag vergeben, ist die Sache so gut wie geritzt. Aber kann man denn so einfach Grünfläche und Ackerflächen in Gewerbegebiet umwandeln? Ja schon. Das ist in Hessen in der Kompensationsverordnung geregelt. Solche verlorengegangene Grünflächen müssen nur ausgeglichen werden.

Welch genialer Deal zeichnet sich hier nun ab! Damit der GrünGürtelPark bleiben darf wie er ist, wird ein Stück zukünftiges Gewerbegebiet rausgeschnitten und zum Ausgleich bleibt der Rest GrünGürtelPark. Ins Amtsdeutsch übersetzt klingt das so: „..[Es wird sichergestellt, dass]…Freiflächen in ausreichendem Umfang erhalten bleiben, um insbesondere deren klimatische Funktion aufrechtzuerhalten und als GrünGürtelPark Nieder-Eschbach gesichert werden“. Praktisch übersetzt ist das so, wie wenn ich von Ihrer Geburtstagstorte zwei Stück wegnehme, und Ihnen unter viel Tamtam großzügig und gönnerhaft die restlichen zehn Stück an Ort und Stelle zurückgebe. Immerhin können wir uns den Angstschweiß von der Stirn wischen: von den klimatischen Funktionen der Grünflächen hat der Magistrat offenbar schon mal gehört, der sich gelegentlich Gedanken macht, wie man die im Sommer überhitzten Wohnquartiere in den teuren Innenstadtlagen temperaturmäßig gebändigt kriegt. (Wieviel Fassaden müssen für 30 Hektar verlorene Grünfläche begrünt und wieviele Straßenbäume gepflanzt werden?.)

So sieht es auf der anderen Seite von Ikea aus: landwirtschaftlich genutzte Grünflächen

Damit das aber nicht so arg auffällt, dass auch Frankfurts Planungsdezernat eifrig mithilft, klimatisch wichtige Grünflächen zu versiegeln, bietet man einen ortsnahen Ausgleich an. „Mögliche Eingriffe in den Geltungsbereich des Rahmenplans GrünGürtelPark Nieder-Eschbach müssen qualitativ und zusammenhängend im Frankfurter Norden (Ortsbezirke 13, 14, 15) ausgeglichen werden.“

Wie darf man sich das vorstellen? Wird dann für die 30 Hektar Grünfläche, die in Nieder-Eschbach für weitere SuperStores versiegelt werden, entsprechend 30 Hektar versiegelte Fläche in Nieder-Eschbach, Nieder-Erlenbach und Harheim entsiegelt und renaturiert? Gibt’s da überhaupt so viel ausgleichgeeignete Fläche?


Fakten und Quellen
Die genannten Quellen zum Nachlesen sind unten verlinkt:

Magistratsvorlage M 154

Plan vom GrünGürtel-Park Nieder-Eschbach

Koalitionsvertrag 2016 zwischen CDU, SPD und GRÜNE
(Die Vereinbarung über den „GrünGürtelPark Nieder-Eschbach“ finden Sie auf Seite 28):



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Eine Antwort zu 12.10.2020 Neue Nachbarn für Ikea. Im GrüngürtelPark Nieder-Eschbach wird ein neues Gewerbegebiet geplant.

  1. Christiane schreibt:

    Toller Bericht, danke aus Nieder-Eschbach

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