13.11.2020 Fahren mit angezogener Handbremse? Frankfurter Elektromobilitätskonzept ist reif fürs Altpapier.

Elektromobilität – Autofahren mit Zukunft

Wer umweltbewusst und klimafreundlich mobil sein will, sollte ein Elektroauto oder einen Plug-in Hybrid anschaffen. Weil die Kosten für E-Autos deutlich höher sind als bei den konventionellen Diesel oder Benzinern hat die Bundesregierung beschlossen, den Kauf von E-Autos finanziell zu fördern. Ab dem 16. November wird sogar die Doppelförderung für E-Autos möglich sein. Dann kann der staatliche Umweltbonus mit anderen Fördermaßnahmen kombiniert werden. Für E-Autos bis zu einem Nettolistenpreis von € 40.000 erhält man bis zum 31.12.2021 insgesamt € 9.000 Euro Förderung. Für E-Autos ab € 40.000 gibt’s noch € 7.500, für einen Plug-In Hybrid noch € 5.625. Kostet der neue Stromer mehr als € 65.000 gibt’s nix. So weit, so gut. Aber einen kurzen Moment noch, bevor Sie Ihre Unterschrift unter die Bestellung setzen. Offen ist nämlich noch die Frage:

Von irgendwoher muss die Power schon kommen

Wo werden Sie ihr neues E-Auto zukünftig mit Strom betanken?
Glück hat, wer in Harheim (oder Nieder-Erlenbach) wohnt. Über die Hälfte aller Wohnungen ist in diesen zwei Stadtteilen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Günstige Voraussetzung also um eine passende Wallbox zu erwerben, sie an die Garage oder den Carport zu dübeln und schon kann das neue strombetriebene Fahrzeug geladen werden. Erheblich schwieriger wird das, sollten Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen. Dort funktioniert das mit der Wallbox nicht mehr so einfach. Ihr Vermieter oder die Miteigentümer wollen da zuerst mal um Zustimmung gefragt werden. Da hilft ihnen vielleicht die 50 Meter Kabeltrommel, die sie aus ihrem Küchenfenster in der dritten Etage vorsichtig abseilen. Oder aber, sie laden ihr Fahrzeug an einer Ladetankstelle in der Nähe. Vorausgesetzt, sie finden eine. Schwierig, schwierig, in der Bankenstadt am Main.

Glücklich, wer eine eigene Wallbox hat

Sie hätten sich für Ihren Stromerflitzer doch besser Hamburg, München oder Stuttgart als Wohnort aussuchen sollen. Die Stadt Frankfurt hatte Anfang 2020 im Stadtgebiet 104 Normalladepunkte und 18 Schnellladepunkte und liegt damit im Vergleich zu anderen deutschen Städten deutlich zurück. Dringend benötigt würden zunächst mindestens 800 Ladesäulen.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank hatte Anfang des Jahres eine dicke und bestimmt teuere  Elektromobilitätsstudie für Frankfurt anfertigen lassen, in der ein genauer Fahrplan aufgezeichnet war, wie Frankfurt hinsichtlich Elektroautos zukunftssicher gemacht werden soll. Zentraler Punkt waren die Ladestationen. Der Anbieter Allego wollte 360 Ladesäulen im Stadtraum aufstellen. Allego ist jedoch im Frühjahr abgesprungen. Jetzt will die Mainova einspringen und beabsichtigt, 40 Schnellladepunkte an 20 Schnellladesäulen an 12 verschiedenen Standorten zu realisieren. Bis wann das so weit sein wird? Wissen wir nicht. Ein Zeitpunkt zur Umsetzung wurde vom Wirtschaftsdezernenten Markus Frank nicht genannt. Bei der Elektromobilitätsstudie ist der Akku leer und keine Ladestation in sicht.

Sie haben jetzt ein schickes E-Auto mit satten Zuschüssen der Bundesregierung gekauft, wissen aber nicht, wo sie es laden können. Ihr böser Nachbar von Gegenüber kichert sich schon mal hämisch ins Fäustchen.

Sie wollen trotzdem immer noch ein E-Auto? Gut, ok. ich hör schon auf zu lästern. In Bad Vilbel Massenheim beim Baumarkt Maeusel können Sie ihren Akku während der Einkaufstour Laden. Genauso geht das in Bad Vilbel bei Aldi, in Nieder-Erlenbach bei Aldi müsste das auch gehen und dann haben sie noch bei Ikea in Nieder-Eschbach einige Ladestationen. Jede Woche mal Möbel kaufen ist zwar nicht ideal, aber Ikea hat ja auch ein ordentliches Restaurant. Schwierig wird nur, wenn ihre Nachbarn auch noch anfangen, wegen den hohen Subventionen auf Elektrofahrzeuge umzusteigen und wenn die dann auch noch bei Maeusel, Aldi, Ikea & Co ihre Ladestecker einstöpseln wollen.

Tip für Theaterfreunde der Frankfurter Komödie. Auf der Rückseite steht eine Mainova Schnellladestation

Dann habe ich noch einen Tip für die Theaterfreunde unter Ihnen. In der Schneidwallgasse, direkt hinter der Komödie (die befindet sich in der neuen Mainzer Straße) befindet sich eine Mainova neue Charging Station. Sie können Theaterbesuch mit Auto laden verbinden und parken kostenlos. Leider ist das Theater derzeit coronabedingt gedownlocked.

Vielleicht haben Sie auch das große Glück und der Frankfurter Magistrat folgt dem Wunsch des Harheimer Ortsbeirats, die Installation von Ladestationen durch Betriebe, Vereine und Privatpersonen finanziell zu fördern.

Viel besser wäre natürlich, der Magistrat der Stadt Frankfurt wacht endlich auf und beginnt zu begreifen, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel nicht mit Elektrofahrzeugen gewinnen lässt, die zwar gefahren, aber nicht aufgeladen werden können. Aber dazu müsste sich bald vieles ändern. Es liegt in Ihrer Hand.


Fakten
Elektromobilitätskonzept und Umsetzungsstrategie für die Stadt Frankfurt am Main

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