29.01.2021: Mogelpackung. Frankfurt beschließt Verlängerung der Corona-Soforthilfen für Vereine.

Es geht ums Geld.

Gute Nachrichten für die Vereine. Das Stadtparlament im Frankfurter Römer hat die Verlängerung der Corona-Soforthilfen für Vereine beschlossen. Nicht nur die Gastronomie, Fitnessstudios und Friseure mussten coronabedingt ihren Laden schließen, sondern auch den Vereinen waren Orchesterproben, Fußballtraining, Tanzen, Feste oder andere Zusammenkünfte verboten. Im Juli letzten Jahres wurden in Frankfurt Corona-Soforthilfen für betroffene Vereine beschlossen. Bis jetzt wurden etwa 40 Anträge genehmigt und über 65.000 Euro an Hilfen ausbezahlt.

Prima, werden Sie denken. Schön, dass die Stadtverordneten an die armen Vereine denken und so großzügig aus ihrer Schatulle spenden. Aber da liegen sie jetzt völlig daneben. Das einzige, was die Stadtverordneten beschlossen hatten war, dass die Ortsbeiräte aus ihrem Etat notleidende Vereine unterstützen dürfen. Das ist also etwa so, als gestatten Sie großzügig ihrer Tochter aus ihrem Taschengeld 10€ dem notleidenden Zirkus Krümeloni zu spenden, weil das niedliche Pony sonst hungern muss.

Zur Erinnerung: Die 16 Ortsbeiräte in Frankfurt bekommen pro Einwohner im Ortsbezirk jährlich € 0,50 zur Verfügung gestellt, mit der sie lokal bezogene Projekte fördern können. Eine Infotafel etwa (€ 446,00), eine Überdachung des Kruzifixes am Friedhof (€ 1612,00) oder zwei Fußballtore für den Spielplatz in den Aspen (1000,00), einen öffentlichen Bücherschrank (€ 7000). Der kleine Ortsbeirat Harheim hat da im Jahr rund € 2.500,00 zur Verfügung. Was er nicht ausgibt, kann er ansparen. Aber klar ist auch, bei der kleinen Summe ist Ansparen für große Sachen langwierig. Das geht im Gallus oder in Bockenheim etwas flüssiger. Deren Ortsbeiratsetat kriegt jährlich frische € 21.000,00 neu dazu. Nun haben also die Stadtverordneten erlaubt, dass die Hälfte der jährlichen Zuwendungen für die Unterstützung von notleidenden(!) Vereinen verwendet werden darf, in Harheim also € 1.250. Und das teilen sich in dem Stadtteil mit einer wirklich lebhaften Vereinskultur die rund 20 Vereine auf.

Der Frankfurter Römer. Hier tagt die Stadtverordnetenversammlung

Zugegeben, nicht jeder Verein ist zum Glück durch Corona wirklich existenzbedroht. Aber die, die es wirklich sind, wird man wahrscheinlich weder mit € 62,50 retten können, noch mit € 1.250,00. Und dabei ist eine Frage noch gänzlich ungeklärt. Bislang war es nicht vorgesehen, dass die Ortsbeiräte mit ihren Mitteln Vereine in Not finanzielle Hilfen zukommen lassen und dafür gibt es eine Reihe guter Gründe.
Und warum schiebt nun die hohe Politik angefangen vom Bundesfinanzminister mit seiner Bazooka über die Länder bis hin zur Stadtregierung Frankfurts die Verantwortung für betroffene Vereine ausgerechnet den Ortsbeiräten zu? Wird es demnächst noch Aufgabe der Ortsbeiräte sein, auch noch die von den Schließungen betroffenen Friseure, Fitnessstudios und Gastronomen finanziell zur Seite zu stehen?

Deshalb ist der Beschluss der Frankfurter Stadtverordneten durch alle Fraktionen eine schäbige Mogelpackung. Robin Hood im ehrwürdigen Sherwood Forest hatte wenigstens das Geld von den Reichen geklaut, um es den Armen zu geben. Bankfurts Stadtverordnete bedienen sich der Einfachheit halber am Etat derer, die ohnehin wenig haben. Und lassen sich dabei noch gönnerhaft feiern.

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