09.02.2021: DB-Baustelle Omegabrücke: „Wissen wir auch noch nicht…“

Bahnausbau und Berkersheimer Bahnhof

Tatsächlich redet die Deutsche Bahn noch gelegentlich mit den Ortspolitikern. So wie jetzt, wo ein Teil der DB-Mannschaft zu anderen Baustellen abgewandert ist und neue Köpfe sich nun Gedanken um Schotter, Kies und Pferde machen. Sie haben es nicht einfach, aber es sind erfahrene, langjährige Mitarbeiter.

Aus der Ferne betrachtet sieht das zunächst gut aus. Mit freundlichem Nachdruck der Ortsbeiräte hat die DB über die Nidda eine provisorische Brücke gebaut, die grundsätzlich den Fuß- und Radverkehr von den Bussen und Autos trennt, die die Nidda überqueren. Durch beharrliches Zureden ist es der DB sogar gelungen, 4000 Tonnen Kies wöchentlich über Schiene anzutransportieren und nicht durch die noch bewohnbaren Stadtteile Harheim und Berkersheim hindurch. Damit sind laut Bahn 800 LKW Fahrten pro Woche entfallen, die sonst durch die Stadtteile Frankfurter Berg, Berkersheim und Harheim gefahren wären. Soviel zum Rückblick.

Schaut man in die Zukunft, sieht´s gleich nicht mehr so rosig aus. Dass Transporte von Bohrgeräten vereinzelt weiterhin durch Harheim fahren werden, gut, das geht nicht anders und die Harheimer*innen tragen das mit einer Mischung aus Humor, Fatalismus und Geduld. Ähnlich wie die Corona-Pandemie wird ja wohl auch der DB-Ausbau irgendwann mal ein Ende haben.

Der Bahnübergang muss weg. Soviel ist klar.

Kommt das Gespräch auf die geplante Omegabrücke am Berkersheimer Bahnhof, wird´s holprig. Da habe sich die Stadt Frankfurt noch nicht entschieden, meint der Projektleiter Wolf-Dieter Tigges. Jens Müller aus dem ASE (Amt für Straßenbau und Erschließung) beeilt sich zu erklären, dass die Bauplanung nun im Geschäftsgang wäre, und man rechne mit einer Bauzeit von 6 bis 8 Jahren. Abhängig davon, ob es Widersprüche oder Klagen gäbe.

Nun ja, es war ja erst vor kurzem, genauer vor einem Jahr, am 17.02.2020, als die Ortsbeiräte 10 und 14 im ASE genau eine Stunde gebraucht haben, um sich auf eine von drei Varianten zu einigen. Wozu das Amt, der Magistrat und der Verkehrsdezernent nun ein ganzes Jahr gebraucht haben, um sich zu entscheiden, das wissen wir auch noch nicht. Wenn´s in dem Tempo mit der Omegabrücke weitergeht, dann ist mit Fertigstellung wohl zum Klimagipfel im Jahr 2035 zu rechnen. Denn da gibt es noch eine Vorgeschichte.

Pläne gibts viele. Man muss nur noch bauen.

Zur Erinnerung: Der Ex-Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) hatte die Version Null einer Omegabrücke im Januar 2015 in Harheim vorgestellt. Die  Harheimer Grünen hatten an genau drei Punkten wichtige Verbesserungen für die Fußgänger und Radfahrer vorgeschlagen, worauf Verkehrsdezernent Majer drei Entwurfsvarianten anfertigen ließ. Unglücklicherweise kam jedoch dann die Kommunalwahl 2016 dazwischen und Klaus Oesterling (SPD) übernahm die Amtsgeschäfte im Verkehrsdezernat. Dem gemütlichen neuen Verkehrsdezernenten war die Omegabrücke am Stadtrand wohl nicht so wichtig. Vielleicht waren die drei Alternativpläne auch einfach nur in Vergessenheit geraten. Immerhin war es mit der Unterstützung von OB Peter Feldmann im Frühjahr 2018 gelungen, dessen Parteifreund Oesterling dazu zu bewegen, die Pläne doch mal den Ortsbeiräten zur Beratung zur Verfügung zu stellen. Also, genauer gesagt: allen Ortsbeiräten, und nicht nur denen mit dem Parteibuch in der richtigen Farbe.

Hätte der Verkehrsdezernent damals erkannt, dass der Bahnübergang (BÜ99) mit dem Ausbau der Gleise geschlossen werden muss, und es dann ohne Omegabrücke schwierig oder gar unmöglich wird für Traktoren, Rettungsdienste, Bus, Radfahrer und Pferde die Bahnschienen zu überqueren, hätte er vielleicht ein bisschen Dampf gemacht. Hat er aber nicht. Die DB würde dazu antworten: „Wissen wir auch noch nicht…“, aber diese Probleme können der DB auch herzlich egal sein.

Die Fussbrücke (heutiger Stand) muss auch ersetzt werden.

Nur eben den Harheimern nicht. Für die Harheimer Ortsbeiräte bleibt das Omega-Problem Top-Thema. Deswegen wollen die wissen, wie es denn nun weiter geht. Dazu gibt’s immerhin von der DB klare Ansagen:

Der Bahnübergang BÜ99 wird Ende 2021 dauerhaft geschlossen.

Damit das Baustellenspiel noch ein wenig interessanter wird: die Unterführung Wiesengarten ist geöffnet vom vierten Quartal 2021 bis zum dritten Quartal 2022, dann wird die Unterführung unter den vier Gleisen für ein weiteres Jahr wieder geschlossen. Und wie kommen Fußgänger/Radfahrer/Pferde/Lastenräder/Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen oder Gehhilfe über die Gleise oder auf den Bahnsteig?

Dafür wird vor Schließung des Bahnübergangs ein Fuß- und Radwegsteg an der Station Berkersheim gebaut werden. Inklusive Aufzüge auf beiden Seiten und zum Bahnsteig, vermutlich etwa 2 mal 2 Meter groß. Und dieser Behelfssteg soll Rampen für Fahrräder bekommen.  

Wie kommen die Pferde aus Berkersheim zur Reithalle? „Das wissen wir auch noch nicht“. Wird der Radwegsteg mit Lastenrädern oder mit Fahrradanhänger passierbar sein? „Das wissen wir auch noch nicht“. Rollstühle? Kinderwägen? „Die kommen in die Aufzüge“.  

Wo wird der Bus 25 am Berkersheimer Bahnhof zukünftig halten?

Bevor die ewig nörgelnden Harheimer Ortsbeiräte dann noch zur nächsten Frage kommen wollen, schließt der neue Projektleiter Tigges beherzt die Videokonferenz. Die Frage nämlich, wo wird denn der Bus25 am Berkersheimer Bahnhof halten und die Fahrgäste zur S6 ausspucken wird

Schon 2015 haben die Grünen Ortsbeiräte in Harheim am ersten Plan der Omegabrücke bemängelt, dass dieser Weg fürs Umsteigen von Bus zu Bahn etwa 280 Meter lang sein wird. Kein Problem für einen sportlich austrainierten Jogger. Für manche ältere Semester aber doch ein langer mühsamer Weg. Schon 2015 haben die Grünen Ortsbeiräte gefordert, dass der Fußweg zum Umsteigen zwischen Bus25 und S6 nicht länger als 100 Meter sein dürfe. Vermutlich hätte auch zu dieser Frage die Antwort von Projektleiter Wolf-Dieter Tigges gelautet: „Das wissen wir auch noch nicht“.  

Merkwürdig, dass seit 2016 keine Zeit gewesen ist, sich um solche für die Bürger*innen wichtige Fragen zu kümmern. Oder liegt es nur daran, dass sich dafür niemand zuständig fühlt? Nun, das wissen wir auch noch nicht.   

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s