24.02.2021: Widersprüche aushalten leicht gemacht (Folge 2): Frankfurter Verkehrspolitik 2021 und die Lastenradförderung.

Lastenrad umweltfreundlich und praktisch.

Warum sollte das nicht möglich sein, etwas zu fördern und es zu wollen, aber es gleichzeitig zu unterbinden? Wie das geht zeigt ein weiteres Mal vorbildlich die Stadt Frankfurt. Während die Bundesregierung das Problem mit dem Klima und dem CO2 endlich beherzt anpacken will und seit letztem Jahr die Anschaffung weitgehend emissionsfreier E-Fahrzeuge mit bis zu 9.000,00 €uro pro Exemplar fördert, bremst die reiche Stadt am Main die umweltfreundlichen Stromer elegant aus. Denn wer ein E-Fahrzeug hat, muss es auch irgendwo laden. In Frankfurt gibt’s aber auf die rund 750.000 Einwohner mit ihren 5.500 E-Fahrzeugen lediglich 199 öffentliche Ladestationen. Wer also weder eine (auch geförderte) Wallbox in seiner Garage hat noch im Ikea-Möbelhaus oder im Maeusel-Baumarkt wohnt, schaut da schnell in die Röhre. Denn ein Stromkabel von Wohnzimmer über den Gehweg bis zum Auto zu verlegen ist grundsätzlich nicht zulässig. Die Stadt Frankfurt ist dennoch überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Sie wird selbst keine Ladestationen betreiben (zu teuer, unrentabel). Aber jeder Stromanbieter kann beantragen, eine Ladesäule aufzustellen und zu betreiben.
Mit dieser zukunftsweisenden Politik ist es mühelos gelungen, einen der wenigen hinteren Plätze hinsichtlich mobiler Klimawende zu belegen. Irgendwo hinter Regensburg, Hannover und dem 1. FC Köln.

Was mit der E-Mobilität nicht richtig funktioniert, das kann man nun analog auch auf die Förderung von Lastenrädern übertragen. Und das geht so.

Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat die von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling vorgelegte Förderrichtlinie zur Lastenradförderung (M32/2021) beschlossen. Vorgesehen sind pauschale Förderungen von 500 €uro für Lastenräder ohne und 1000 €uro für solche mit E-Motoren. Das Förderprogramm soll für eine Dauer von drei Jahren insgesamt 660.000 €uro umfassen.

Der Sozialdemokrat und Verkehrsdezernent wird in der Frankfurter Pressemeldung zitiert mit den Worten: „Wir haben uns entschieden, die Anschaffung von Lastenrädern finanziell zu unterstützen, es geht darum einen Anreiz zu setzen in der Stadt aufs Auto zu verzichten. Für die meisten Einkäufe und Erledigungen ist kein Kraftfahrzeug erforderlich, wir möchten diesen Umstieg weg vom Auto erleichtern und das umweltfreundliche Transportmittel Lastenrad stärken“. Schön dass der Verkehrsdezernent sich so um umweltfreundliche Mobilität kümmert.

Wenn Sie nun im Frankfurter Norden, im schönen Harheim, Nieder-Erlenbach oder Berkersheim wohnen und schon aufgeregt dabei sind, sich in den vielen Prospekten ihr neues Lastenrad auszusuchen, dann schauen Sie besser mal auf den „Beipackzettel“.  Eingefleischte Schwaben hätten die Äußerungen des Verkehrsdezernenten möglicherweise kommentiert mit einem „Was goht mi mei saudomms Gschwätz von geschtern ah….“ („Welche praktische Relevanz haben meine gestrigen Äusserungen zu dem heutigen Problem“).

Blöd für die Lastenräder. Der Bahnübergang wird abgebaut.

Der gleiche Verkehrsdezernent, der Lastenräder aus Umweltgründen fördert, unterstützt gleichzeitig, dass ab Ende 2021 Lastenräder nicht mehr von Harheim über die Bahngleise am Berkersheimer Bahnhof in den Nachbarstadtteil fahren können. Und natürlich auch nicht mehr auf diesem Weg umweltfreundlich in die City. Denn der Bahnübergang wird geschlossen und Verkehrsdezernent Oesterling ist aus Kostengründen nicht bereit, den Lastenrädern eine brauchbare Überquerung der Gleise zu schaffen – was er im Übrigen könnte, wenn er wollte. Solche Widersprüche muss man eben aushalten lernen.

Also überlegen Sie sich das noch einmal, ehe Sie mit oder ohne Förderung viel Geld in ein Lastenrad investieren und anschließend nicht einmal ihr Kind von der Tagesmutter abholen können.  

Fakten:
Frankfurt steigt in die Lastenradförderung ein

Stellungnahme des Magistrats vom 19.06.2020 ST1171

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