18.04.2021: Schade! Kein Modellversuch „klimafreundlicher Straßenbelag“ in Harheim.

Klimaphalt – umweltfreundlicher heller Asphalt

Dabei hätte das so gut gepasst. Die Asphalt- und Mischwerke GmbH von Bauunternehmer Lutz Weiler, bis 2016 noch in der Urnbergstraße im klimafreundlichen Harheim angesiedelt und dann nach Offenbach gezogen, hatte aufgrund des Drängens seiner umweltaktiven Töchter einen Straßenbelag entwickelt, der Wasser aufsaugt, speichert und wieder verdunsten lässt. Zusätzlich reflektiert der helle Asphalt viel mehr Sonneneinstrahlung und heizt sich dadurch tagsüber nicht mit Wärme auf, die er dann nachts wieder abgibt. Dieser wasserdurchlässige Asphalt kann damit die Umgebung kühlen und gegen die Überhitzung der Innenstädte wirken.

Nach der aktuellen CO2-Bilanz Frankfurts ist die Stadt am Main noch weit davon entfernt die selbstgesteckten Klimaziele bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Ein hellerer Straßenbelag wie der von Bauingenieur Weiler entwickelte Klimaphalt könnte in großen Städten zu deutlicher Klimaverbesserung in den Wohnquartieren beitragen. Harheims Grüne hatten vorgeschlagen, nach Fertigstellung der Bebauung im Urnbergweg, Eckstraße und Im Kalk die Straßen anstelle mit dem üblichen schokoladeschwarzen Asphalt mit dem hellen KlimaPhalt zu versehen und in einer begleitenden Beobachtung und Messung die Auswirkungen zu untersuchen.

Frankfurts Magistrat war zwar grundsätzlich dem Einsatz hellen Asphalts nicht abgeneigt, lehnte den Vorschlag dennoch ab. Der Einsatz von KlimaPhalt sei dort aufgrund des fortgeschrittenen Planungsstadiums nicht mehr möglich. Denn die Verwendung eines wasserdurchlässigen Straßenbelags muss bereits zu Beginn etwaiger Planungen im Entwässerungskonzept eines Baugebiets berücksichtigt werden.

Wer die Planungszeiten für neue Baugebiete kennt rechnet bei der Antwort kurz nach. Natürlich konnte das 2018 entwickelte Klimaphalt nicht 2015 bei der Planung  des Bebauungsplans schon berücksichtigt werden. Die Idee des Antrags der Grünen war ja doch, den neuen Straßenbelag in einem realen Praxisversuch zu testen, damit in Zukunft in anderen Baugebieten bereits bei der Planung die Erkenntnisse berücksichtigt werden können. Jetzt werden wahrscheinlich regelmäßig Anträge, in neuen Baugebieten Klimaphalt einzusetzen, abgelehnt, weil dessen Wirkung nur theoretisch aber noch nie in einem Feldversuch nachgewiesen worden ist.

Schade eigentlich. Denn schon in 29 Jahren ist das Jahr 2050 erreicht, und Frankfurt will bis dahin die CO2 Emissionen um 95% gegenüber dem Jahr 1990 gesenkt haben. Wenn das klappen soll, muss bei der Umsetzung innovativer Technologien vielleicht noch ein bisschen Solarstrom gegeben werden.


Fakten:
Stellungnahme ST437 vom 22.02.2021

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2 Antworten zu 18.04.2021: Schade! Kein Modellversuch „klimafreundlicher Straßenbelag“ in Harheim.

  1. Thomas Meuer schreibt:

    Eine wirklich innovative Idee von einem Unternehmen um die Ecke.
    Wie schade, sicherlich würden alle alle Anwohner eine geringere Temperatur an heißen Tagen zu schätzen wissen.
    Ich höre es förmlich, die Killerphrase: „Wie soll das denn gehen, da könnte ja jeder kommen, das haben wir schon immer so gemacht.“
    Vielen Dank für die immer interessante Berichterstattung.

  2. Susanne Heun schreibt:

    Eine wunderbare Idee, die allerdings – wenn ich recht informiert bin – nicht für LKW-Verkehr über 7.5t geeignet ist. Ich finde, es wird immernoch recht wenig Aufklärung im Bereich wasserdurchlässiger Asphalte betrieben. Alle Publikationen, die ich finden konnte, enden im Jahr 2010 und beklagen die nicht vorhandenen Langzeitstudien, um Verformung und Haltbarkeit langfristig einschätzen zu können. Wenn jemand eine Publikation hierzu kennt, würde ich mich über einen Hinweis freuen!

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