05.06.2021: Freie Fahrt für sicheren Radverkehr. CDU fordert Radschutzstreifen in Bonames. Aber warum?

Harheimer Weg, Bonames: Ein paar Meter Schutzstreifen, bis das Problem beginnt: Die Straße wird enger.

Die Harheimer CDU hat die Sicherheit und das Wohl der Radfahrer*innen fest im Blick. Daher soll vom Ortseingang Bonames bis zur Einmündung Friedrichsdorfer Straße auf dem Harheimer Weg ein Radschutzstreifen eingerichtet werden. Denn schließlich wird die Sicherheit der Radfahrer höher gewertet, als die Möglichkeit, die Fahrbahn zum Abstellen von Kfz zu nutzen. Wunderbar. Die gesamte Harheimer Radfahrgemeinde atmet erleichtert auf. Hier setzt sich auch die CDU vorbehaltlos für sichere Radwege ein. Ohne Wenn und Aber. Allerdings: erst wenn man die Hintergründe betrachtet und die Fakten prüft, drängen sich doch ganz leichte Zweifel ins Blickfeld, ob es der radfreundlichen CDU wirklich nur um die Sicherheit der Radfahrer*innen geht. Sehen wir uns die Sache einmal an.

Tatsächlich parken in Bonames im Harheimer Weg regelmäßig Autos am Straßenrand und der fließende Verkehr muss sich dort manchmal mühsam an den parkenden Autos vorbeiquetschen. Deshalb hat schon im Februar 2020 die Harheimer CDU gefordert, dass dort ein absolutes Halteverbot eingerichtet werden soll. Denn „…die Fahrbahnbreite ist… bei auf der Fahrbahn parkenden Pkw für einen Begegnungsverkehr nicht ausreichend. Dies führt im Berufsverkehr zu Staus. Insbesondere die Buslinien …. werden aufgehalten, was zu Unpünktlichkeit … des Busverkehrs führt…“.  Das Straßenverkehrsamt sah das aber anders. Die parkenden Fahrzeuge führten zu keinerlei Behinderungen. Mehr noch: „….Aufgrund der parkenden Fahrzeuge kommt es vielmehr zu einer begrüßenswerten Reduzierung der Geschwindigkeit aufgrund der eingeengten Fahrbahn“. Prima. Da könnte doch alles gut sein. Keine Verspätung, keine Behinderung, kein Problem.

Aber die antragstellende CDU war noch nicht restlos glücklich über den problemfreien Zustand und entdeckte nun die Radfahrer*innen und eine geniale Idee. Würde man dort einen Fahrradschutzstreifen aufmalen, dürften keine Autos mehr parken. Konsequenterweise wurde also im August 2020 beantragt, einen Fahrradschutzstreifen anzulegen, da „….der kurz vor dem Ortsschild endende Radweg eine nicht zu verantwortende Gefährdung der Radfahrer….“ darstellt.

Kommt ein Bus entgegen, wirds eng. So oder so

Erneut traf die CDU mit ihren gut gemeinten Antrag zum Schutze der Radfahrer*innen bei Verkehrsdezernat und Straßenverkehrsamt auf kein Verständnis. „Für einen Schutzstreifen reicht der Platz nicht aus“ beschied die trockene Antwort, die aber die Antragstellerin nur vorübergehend entmutigen konnte.


Jetzt also der dritte Anlauf, die parkenden Autos im Interesse der Sicherheit der Radfahrer*innen doch noch wegzukriegen. Die CDU ist legt nun die Sachlage noch einmal klar:„…Der Platz auf der Fahrbahn reicht nur deshalb nicht aus, weil er zum Parken von Kfz genutzt wird….“.

Messen wir doch einmal nach. Etwa Sechs Meter zwanzig (6,20 Meter) breit ist der Harheimer Weg im Abschnitt von der Ortstafel bis zur Einmündung Friedrichsdorfer Straße. Die Breite von Fahrstreifen variiert in deutschen Regelwerken zwischen 2,75m und 3,75m. Wir gehen in Bonames von 2,75m aus. Zwei Fahrspuren für den Kfz-Verkehr benötigen daher 5,50m und da bleiben dann für die Fahrradspur fette 70cm übrig. Das muss eben für so ein Fahrrad ausreichen.  Dumm nur, dass auf deutschen Straßen eine Mindestbreite des Schutzstreifens von 1,25m vorgeschrieben ist. Aber für den Bonameser Schutzstreifen ist das nicht entscheidend. Viel wichtiger ist: Dort wo Schutzstreifen am rechten Rand der Straße eingerichtet werden, muss gleichzeitig ein Halteverbot eingerichtet werden. Also genau das, was ursprünglich gewollt war: Die parkenden Autos müssen dort weg.

Hier soll rechts noch eine Fahrradspur entstehen. Aber wo?

Nur so am Rande fällt natürlich auch noch auf, dass der radfreundlichen CDU Harheims die Sicherheit der Radfahrer*innen ausschließlich auf dem Weg von Harheim Richtung Bonames wichtig ist und da auch nur bis zur Einmündung Friedrichsdorfer Straße. Dort macht der Harheimer Weg einen leichten Rechtsknick und die Sicherheit des Fahrradschutzstreifen wird abrupt enden. Wenn Sie da mit dem Rad unterwegs sind sollten Sie dann schleunigst zusehen, dass Sie sich vom Acker – oder besser von der Straße – machen. Sonst werden auf den letzten Metern vor dem Fahrbahnteiler 20 Meter weiter die Kfz Sie schnell von der Straße drängen, denn dort passt einfach ein Fahrrad und ein Auto nicht auf der einen Fahrspur durchs Nadelöhr.

Schade eigentlich. Irgendwie kriegt man das Gefühl nicht los, dieser Antrag ist vielleicht doch nur eine Mogelpackung und es ginge nur darum, die parkenden Autos in Bonames wegzukriegen, damit der Kfz-Verkehr freie Fahrt hat.


Fakten
Antrag OF225/14 der CDU im Ortsbeirat Harheim vom 18.01.2020
https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27OF_225-14_2020%27

Antrag OF255/14 der CDU im Ortsbeirat Harheim vom 01.08.2020
https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27OF_255-14_2020%27

Antrag OF9/14 der CDU im Ortsbeirat Harheim vom 25.05.2021
https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27OF_9-14_2021%27

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Eine Antwort zu 05.06.2021: Freie Fahrt für sicheren Radverkehr. CDU fordert Radschutzstreifen in Bonames. Aber warum?

  1. james newman schreibt:

    Die CDU hat hier vollkommen Recht. Und das Verkehrsdezernat irrt.

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