17.07.2021: Die DB und die verlegte Haltestelle am Berkersheimer Bahnhof – ist da noch was zu machen?

Bushaltestelle & provisorische Brücke, Modell 1980

Nachverhandeln mit der DB. Vielleicht kann der Ortsbeirat doch noch etwas rausholen. „Die Haltestelle kann da bleiben, wo sie ist“, hatte DB-Projektleiter Wolf-Dieter Tigges Mitte April in einem Interview mit der FNP mitgeteilt. Sechs Wochen später war das Versprechen vergessen und die Haltestelle für den 25er Bus etwa 150 Meter weiter nördlich geplant. „Das sind doch nuuur 150 Meter“ beschwichtigt der schwergewichtige DB-Projektleiter und rollt mit den Augen. Klar. Er muss sie ja auch nicht zwei Mal täglich hinter sich bringen auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Dafür hat er sein Firmenfahrzeug. Nun mag er aber auch nicht an seine veränderte Zusage erinnert werden und verspricht gleich zu Beginn des Gesprächs prophylaktisch, wer ihn provoziert, ziehe immer den Kürzeren. Das hellt natürlich bei den anwesenden Ortsbeiräten an diesem wolkenverhangenen Vor-Ort-Termin die Stimmung schlagartig auf. Immerhin erwartet der DB-Projektleiter, dass die Ortsbeiräte die guten und schlechten Nachrichten der DB auch den Bürger*innen erfolgreich überbringen. Das mögen die Stadtteilpolitiker aber lieber vermeiden. Der Brauch, die Überbringer schlechter Nachrichten zu töten war lange Zeit recht beliebt, wird aber mittlerweile zum Glück auch in Harheim nicht mehr praktiziert. Förderlich für gute Beziehungen zu den Wähler*innen ist es aber auch nicht gerade. Die haben berechtigterweise schon ein paar Ansprüche an ihre Stadtteilvertreter.

Projektleiter Tigges kommt dann an der Stelle, an der bald zwei Gleise verlegt werden, schnell zur Sache. „Hier ist kein Platz, die Haltestelle kann da also nicht bleiben und muss verlegt werden“. Punkt. Der schwer beeindruckte Grüne Ortsbeirat zieht einen Plan aus seinem Fahrradkorb, der die geplante Omegabrücke samt Gleisanlagen zeigt. Er deutet auf den eingezeichneten vier Meter breiten Weg entlang den Schienen vom heutigen Bahnübergang bis zur Unterführung am Wiesengarten. „Wenn im Endzustand mit vier Meter Breite eine Zufahrt möglich ist, dann ist der Platz doch da, warum sollte das nicht gehen“ untersteht er sich, dreist zu fragen.

„Der Plan ist veraltet. Gilt nicht mehr“ erklärt Tigges trocken. Ende der Debatte. Der ebenfalls anwesende Vertreter des ASE (Amt für Straßenbau und Erschließung) kommentiert lediglich leise, dass er mehrfach vorgeschlagen hätte, die Haltestelle in Bahnsteignähe zu lassen, die DB habe aber immer abgelehnt. Warum? Achselzucken. Jetzt ist Schade, dass wieder mal aus dem Verkehrsdezernat niemand da ist, der die wehrlose DB gegen die übermächtigen Ortsbeiräte in Schutz nimmt.

so sieht die aktuelle Lösung aus. Aber bis jetzt sinds nur zwei Gleise.

Nun aber zu den guten Nachrichten. Der Behelfssteg, über den Fußgänger und Radfahrer über die Gleise oder auf den Bahnsteig kommen wird rechtzeitig gebaut. Dass die Unterführung am Wiesengarten zeitgleich mit der Schließung der Schranke rund ein Jahr geschlossen ist, ist etwas unschön, aber Fußgänger und Radfahrer kommen schon irgendwie über den Behelfssteg. Dafür hat man doch für die Fahrradfahrer*Innen an der Treppe eine schmale Schieberampe fürs Fahrradschieben angebaut. Wer sein Rad liebt, der schiebt eben. Blöd nur, wenn jemand runterschiebt und die Gegenseite hoch. Aber da kommt es sicherlich zu interessanten Speed dates. Rehabilitationsräder für mobilitätsbeschränkte Senioren sollen bitte gleich den nur wenige Kilometer längeren Weg über den Frankfurter Berg nehmen. Für Lastenräder gilt das gleiche. Lastenräder ….?! Auch so ein hipper Modetrend. Die Leute sollen doch lieber ordentlich Bus und Bahn fahren….

Noch ist der Bahnübergang manchmal offen.

Immerhin. Noch im April 2018 war an der Stelle zur Querung der Gleise nur eine einfache Holzkonstruktion vorgesehen. Und von Rails fürs Fahrradschieben oder gar Aufzügen war noch gar nicht die Rede. Man blickt in einen dunklen, vorzeitlichen Abgrund und ist froh. Denn es hätte alles noch viel schlimmer sein können.

Wie lange wird der Behelfssteg dort stehen? Darauf hat der Projektleiter eine klare Ansage: der Behelfssteg ist für eine 8-jährige Standzeit ausgelegt.

Da bleibt nur noch eine Frage offen. Spätestens nach diesen 8 Jahren muss der Behelfssteg durch eine Brückenkonstruktion für Fußgänger und Radfahrer ersetzt werden. Und die verfügt über eine barrierefreie Rampe. Könnte man den Bau nicht vorziehen oder braucht es dazu auch ein Planänderungsverfahren? Jens Müller vom ASE nickt zögernd. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer? Könnte klappen. Genau in diesem Moment klart sich der Himmel für einen kurzen Moment auf.

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