16.08.2021: Knut kommt. Der Bedarfsbus für den Frankfurter Norden.

So soll Knut aussehen. © traffiQ Frankfurt am Main

Das Frankfurter Bus-Angebot der TraffiQ für die nördlichen Stadtteile bekommt Zuwachs. Ab Oktober werden in Harheim, Bonames, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach drei elektrische Kleinbusse ohne festen Fahrplan unterwegs sein, die ähnlich wie ein Taxi gerufen werden können. „On-demand“ nennt sich der Service: also „auf Anforderung“. Die Busse werden über eine On-demand-App oder per Telefon unter 069-24248024 bestellt und an allen sieben Tagen der Woche von 5.00 Uhr morgens bis 1.00 Uhr nachts fahren. Die Fahrzeuge haben fünf Sitzplätze und mindestens eines eines davon ist für die Mitnahme von Fahrgästen mit Rollstuhl eingerichtet. Den Fahrgästen stehen 574 „virtuelle“ Haltestellen zum Aus- und Einstieg zur Wahl, da müsste sich in den vier Stadtteilen sicher etwas in der Nähe finden lassen. Fahrten zwischen den Stadtteilen sind somit genauso möglich, wie Fahrten zu Umsteigepunkten wie z.B. zur U-Bahn in die Innenstadt. Nach der Anforderung müssen Kunden maximal mit 20 Minuten Wartezeit rechnen, verspricht die TraffiQ, in der Praxis werden durchschnittlich 11 Minuten Wartezeit angepeilt. Die Busse werden versuchen, die Fahrtwege verschiedener Fahrgäste logistisch abzustimmen, daher ist nicht garantiert, dass Fahrgäste auf dem direkten Weg zum Ziel gebracht werden. Die Umwegszeit soll jedoch nicht länger als 15 Minuten betragen. Vorsorglich weist die TraffiQ auch darauf hin, dass Busse in seltenen Fällen auch einmal nicht verfügbar sind.  

…und wie sieht das mit den Kosten aus?
Pro Fahrt fällt ein Grundpreis von zwei Euro an, von dem Inhaber einer gültigen Fahrkarte, Kinder und Mitfahrende befreit sind. Dazu kommt ein Komfortaufschlag von einem Euro und ein Kilometerpreis von 30 Cent pro Kilometer. Bezahlen können die Fahrgäste – Achtung – über die App, per Kreditkarte oder Paypal.

Klingt ganz gut. Wo ist da der Haken?
Das Pilotprojekt „Knut“ ist wesentlich aus Mitteln des Bundesverkehrsministeriums gefördert und bis 2024 angelegt. Ob es danach fortgesetzt wird oder vielleicht sogar erweitert, hängt davon ab, ob Knut in den vier genannten Stadtteilen angenommen und nachgefragt wird. Ganz klar: finden sich zu wenige Nutzer*innen, die bei Knut mitfahren wollen, wird die Sache 2024 eingestellt.

Ein Elektrobus ist natürlich und ökologisch und eine feine Sache mit einem Riesenvorteil: Jetzt können auch in der dunklen Jahreszeit Menschen von etwas abgelegeneren virtuellen Haltestellen den ÖPNV nutzen, etwa im Niederfeld, oder Am Eschbachtal, und der Bus wird erheblich leiser sein, als der normale Linienkleinbus, wenn er vor die Haustüre fährt. Da hat Knut definitiv Vorteile vor dem Linienbus.  

Von „Haken“ zu reden wäre also nicht gerecht, dennoch gibt es drei Verbesserungsvorschläge: Mindestens an den Wochenenden und Tagen vor Feiertagen würden sich junge – und alte – Menschen über den On-Demand-Service auch in der Zeit zwischen 1.00 Uhr und 5.00 Uhr nachts freuen. Das haben die Ortsbeiräte Harheims und Nieder-Erlenbachs auch schon gefordert.

Zweitens: die Begrenzung auf die vier Stadtteile Harheim, Bonames, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach ist zwar für ein Pilotprojekt nachvollziehbar, trifft aber vielleicht nicht unbedingt die Wünsche der Nachfrager*innen.

Und zu guter Letzt: „Knut“ ist natürlich auch eine ideale Mobilitätserweiterung für Senioren. Aber ausgerechnet für die ältere Generation stellt mindestens der bargeldlose Zahlungsverkehr (noch) eine spürbare Barriere dar.

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