Mitten in Harheim: Saulus-Paulus-Verwandlungstrick in 102 Tagen

fremde Federn an original indianischem Traumfänger

Eine Menge merkwürdiger Geschehnisse sind im Buch der Bücher, der Bibel, niedergeschrieben und berichtet. Nicht nur stehen dort die zehn Gebote und die Bergpredigt sondern auch Menschen vom Tode wieder auf, Jungfrauen kriegen Kinder, ausgewachsene Männer gehen übers Wasser und verwandeln ihn andermal in Wein. Andere wiederum sehen einen Geistesblitz und ändern darauf ihre Einstellung innerhalb von Sekunden um 180 Grad – die so sogenannte „Saulus zum Paulus“-Wandlung .

Eine solche sensationelle Wandlung ist tatsächlich mitten in Harheim geschehen. Stolz über diese Wandlung berichtet eine bekannte christliche Partei, die Schwarzen, in ihrem November-Infoblatt. Dort erklärt sie, dass nur aufgrund ihres Antrags im Ortsbeirat der Magistrat finanzielle Mittel für die Einrichtung eines offenen Jugendclubs in der evangelischen Kirche bereitgestellt hat. Damit würde nun endlich ein offener Jugendtreff in Harheim eingerichtet.

die notwendigen Mittel wurden….

Das ist für die etwa 700 Harheimer Jugendlichen eine tolle Sache, auf die viele seit Jahren gehofft hatten.  Aber warum musste die Jugend Harheims so lange warten? Ein Blick zurück. Im Juni 1995 hatten erstmals die Harheimer Grünen einen Antrag zu kommunaler Kinder- und Jugendarbeit eingebracht und ein Konzept für Harheim gefordert. Die Schwarzen waren dagegen. Weil die Harheimer Vereine eine ausgezeichnete Jugendarbeit machen. Und mehr brauchen Harheimer Jugendliche nicht.

Im Jahr 2016 schaffte es immerhin die rote Stadtverordnete Kristina Luxen in Frankfurts Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und Grüne finanzielle Mittel in Höhe von 86.000 € für die Planung einer offenen Jugendeinrichtung in Harheim festzuschreiben.

Die Grünen wollten im September 2019 vom Magistrat erfahren, wie dieses Geld verwendet worden ist, aber die schwarze Fraktion verhinderte zusammen mit der BFF diese Anfrage mit ihrer Mehrheit. Vielleicht aus Furcht, das Thema offene Jugendarbeit würde wieder angefeuert werden. Ein weiteres Mal und immer noch also die seit 25 Jahren gleiche Ablehnung der Schwarzen: Offene Jugendarbeit braucht es in Harheim nicht. Die Jugendarbeit der Vereine in Harheim reicht aus (auch wenn die gar nicht offen ist).

Möglicherweise haben jedoch die 86.000 Euro finanzielle Mittel für Planung kleinere Begehrlichkeiten erweckt. Der BFF-Ortsbeirat hatte ganz offen beantragt, die Planungsgelder einfach direkt der bestehenden Einrichtung in Nieder-Erlenbach (Träger: die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach) zuzuschlagen, der Heimat einer BFF Stadtverordneten. Hatte die schwarze Fraktion ebenfalls darüber nachgedacht, ob man dieses Geld irgendwie umleiten könnte? Der Ortsvorsteher (Schwarze) hatte als damaliger Kirchenvorstand immerhin gute Beziehungen zu beiden evangelischen Kirchengemeinden.

Sollen die 86.000 Euro Planungskosten vor dem Verfall gerettet werden? Jedenfalls bringen die Schwarzen zusammen mit dem Ortsbeirat der BFF noch am 25. November 2019 den nächsten Antrag in Sachen Jugend auf den Weg: „Der Ortsbeirat bezweifelt die Notwendigkeit, eine eigene städtische Einrichtung für den Stadtteil aufzubauen.“ Die Kinder und Jugendlichen Harheims könnten doch mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad in die Einrichtungen der umliegenden Stadtteile fahren, wenn sie schon unbedingt Offene Jugendarbeit haben wollen. Gleichzeitig sollten die 86.000 Euro Planungsmittel in „…die bessere Vernetzung mit den bestehenden Angeboten“ investiert werden. Was immer damit auch gemeint sein mag. Der Jugendclub der evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach kommt als „bestehendes Angebot“ ganz sicher dabei in Frage.

Am 06. März 2020 begrüssen die Schwarzen dann plötzlich aus heiterem Himmel das Vorhaben der evangelischen Kirchengemeinde, die offene Jugendarbeit von Nieder-Erlenbach auch auf Harheim auszuweiten. Innerhalb von nur 102 Tagen hat sich die seit 1995 andauernde – und 25 Jahre lang bestehende – schwarze Ablehnung jeglicher offener Jugendarbeit in wundersame freudige Zustimmung gewandelt. Aber gut – siehe Saulus zu Paulus: Wunder gibt es immer wieder! Natürlich freuen sich Grüne, dass nun auch Schwarze den langjährigen Widerstand gegen offene Jugendarbeit in Harheim endlich aufgegeben haben. Ein paar Jahre früher wäre uns dennoch lieber gewesen.

Aber wenigstens stimmt es doch, dass es dank des Antrags der Schwarzen in Harheim endlich einen offenen Jugendclub gibt? Nein. Leider stimmt auch das nicht.

Einen Antrag der CDU Harheims, dass der Magistrat die notwendigen Mittel für eine Ausweitung der offenen Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinden bereitstellen möge, findet man in den Sitzungsniederschriften vergeblich. Das würde auch wenig Sinn machen. Denn über Gewährung finanzieller Mittel für offene Jugendeinrichtungen entscheidet gar nicht der Magistrat, sondern der Jugendhilfeausschuss anhand des Konzepts des Trägers.

Es gibt stattdessen einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen im Ortsbeirat, in dem der Magistrat um Unterstützung gebeten wird, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Weshalb die christliche schwarze Fraktion es nötig hat, die Geschichte offener Jugendarbeit in Harheim umzuschreiben, so als hätten ausgerechnet sie das schon lange gewollt und es zudem als ihr alleiniges Verdienst ausgeben? Wir wissen es nicht und verweisen aber auf das achte Gebot als weiterführende Lektüre.



Fakten
Antrag OF 200/14 von B90/Die Grünen zur OBR-Sitzung am 16.09.2019

Antrag OF 216/14 der BFF zur OBR Sitzung am 25.11.2019

Antrag OF 217/14 der CDU zur OBR-Sitzung am 25.11.2019

Antrag OF 240/14 von CDU, Grüne, SPD und BFF vom 10.03.2020

zitiertes Informationsblatt der Schwarzen




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