11.01.2022 „Mobilität erleben“ – Deutsche Bahn, Bahnausbau, Berkersheimer Bahnhof und die Folgen für Harheim

Bahnschranke wird für immer geschlossen

Alles wird besser im neuen Jahr. Alles? Nun, vielleicht fast alles. Sicher ist jedoch, dass der Ausbau der Bahnstrecke auf vier Gleise am Berkersheimer Bahnhof für Reisende, Bus- und Bahnkund*innen, Fußgänger- und Radfahrer*innen von und nach Harheim spürbare Änderungen bringt. Denn der Bahnübergang schließt seine Schranken Ende Februar. Und zwar für immer. Der kleine Bus 25 hat seine Haltestelle nicht mehr direkt neben den Gleisen der S-Bahn, sondern etliche Meter weiter weg. Und der Radverkehr wird mehr Zeit benötigen, um das eigene Fahrzeug und notfalls auch das der kleinen Begleiter*innen über einen provisorischen „Behelfssteg“ zu bringen. Klingt erst mal kompliziert. Also der Reihe nach.


Das wird jetzt gemacht:
Zwei zusätzliche Gleise werden neben den bestehenden gebaut.
Der Bahnübergang wird abgebaut. Über vier Gleise ist ein Bahnübergang nicht mehr zulässig.

Die Bushaltestelle 25 samt Wendeschleife, die sich aktuell noch direkt neben den Gleisen befindet, wird verlegt auf einen Standort im Grüngürtel neben dem Haus Nr. 41 in der Berkersheimer Bahnstraße.

Die alte, in die Jahre gekommene Holzbrücke über die Schienen wird abmontiert. Dafür entsteht zurzeit ein neuer provisorischer Behelfssteg etwa 100 Meter in Richtung Frankfurter Berg entfernt.

Das wird später gemacht:
Damit alle Verkehre wieder über die vier Gleise kommen, ist eine Omegabrücke geplant, über die der Radverkehr, der landwirtschaftliche Verkehr, der Bus und der Anliegerverkehr geführt werden kann. Pläne für die Brücke gibt es seit 2015 im Verkehrsdezernat. Jedoch muss vor Baubeginn noch ein Planänderungsverfahren oder Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Dabei gehen Fachleute von einer Dauer von etwa acht Jahren aus.

Zusätzlich zu der Omegabrücke wird eine neue endgültige Fußgänger- und Radbrücke gebaut, die den jetzt gebauten Behelfssteg ersetzt. Diese Brücke wird auf beiden Seiten mit Rampen und größeren Aufzügen ausgerüstet sein, die einen entspannteren und bequemeren Kreuzungsverkehr über die Gleise für Fußgäner*innen und für den Radverkehr ermöglicht.

Ob der Bau dieser Brücke für Fuß- und Radverkehr vorgezogen werden kann, ist unklar.

Zwischen Haltestelle für Bus 25 und S6 werden 350 Meter Distanz liegen



Die Auswirkungen für die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs:
Der Bus 25 hält nicht mehr neben den Gleisen, sondern an der weiter entfernten Bushaltestelle. Der Fußweg von Bus zur Bahn oder andersherum wird dann etwa 350 Meter betragen. (250 Meter von Bus bis zur provisorischen Behelfsbrücke, zuzüglich rund 100 Meter für Brückenbesteigung und Gleisüberquerung). Der Weg wird somit deutlich länger sein.

Durch den längeren Fußweg werden Umsteigewillige dann etwa 4 bis 5 Minuten (bei Sonne, Wind und Wetter) unterwegs sein. Sind Sie nicht schnell genug, müssen Sie notfalls auf die nächste Bahn warten.

Fahrgäste, die abends aus Frankfurt am Berkersheimer Bahnhof aus der S6 aussteigen, müssen damit rechnen, dass sie es nicht schnell genug zum Bus 25 schaffen und sie vom kleinen Bus nur noch die Rücklichter sehen. Denn es besteht keine Sichtbeziehung mehr zwischen Bus und Bahn. Der Busfahrer kann weder die haltende S-Bahn sehen noch die Fahrgäste auf dem Weg von Bahn zu Bus, und somit kann er nicht noch warten, bis die letzten heraneilenden Fahrgäste eingestiegen sind. Wer zu spät kommt, dem zeigt der Bus seine Rücklichter.

Für Fahrgäste mit Kinderwagen stehen am Behelfssteg auf beiden Seiten und zum Bahnsteig je ein kleiner Aufzug zur Verfügung (2,10m x 1,40m). Ob diese Fahrgäste es allerdings rechtzeitiger zum Bus schaffen, ist unsicher und wird die Erfahrung zeigen.

Fazit: Der Weg für den Umstieg für Bus- und Bahnbenutzerinnen wird um ein vielfaches länger und die Zeit entsprechend knapper. Zur funktionierenden Mobilität nehmen Sie sicherheitshalber einen Regenschirm mit, falls es regnen könnte, und vertrödeln Sie keine Zeit auf dem Weg vom Bus zur Bahn oder andersherum.  

Bus und Fahrrad ergänzen die Bahn

Die Auswirkungen für den normalen Radverkehr
Für einspurige Fahrräder ohne Anhänger ist eine kleine Schieberampe zum hoch- bzw. runterschieben montiert. Leider ist nur eine solche Rampe montiert, Gegenverkehr ist nicht möglich. Schwieriger wird das Schieben bei schweren E-Bikes oder Lastenrädern. Die können dann nur per Aufzug auf beiden Seiten des Behelfsstegs transportiert werden. Bei dem im Sommerhalbjahr zu erwartenden Radverkehr sind Staus und Stress nicht auszuschließen.

Ungeklärt ist außerdem augenblicklich noch, ab nach dem Abräumen des Bahnübergangs und der alten Fahrradständer wieder Bügel für das diebstahlsichere Anschließen von Fahrrädern aufgestellt werden.

Fazit: Aus der kurzen, direkten, schnellen Radverbindung in die Innenstadt ist dem dem Bahnausbau ein Hindernislauf geworden.

Auch das Lastenrad von main velo wird nicht mehr über die Gleise nach Berkersheim fahren können

Auswirkung für mehrspurige Fahrräder, Lastenräder oder Elektromobile
Zweispurige Fahrräder (Rehabilitationstrikes etwa), Lastenräder länger als 2,10m, aber auch dreirädrige Elektromobile werden am Berkesheimer Bahnhof nicht mehr die Schienen überqueren können. Erst wenn die Unterführung am Wiesengarten endgültig wieder geöffnet ist, können diese Fahrzeuge dort die Gleise queren. allerdings mit deutlichem Umweg und dem Risiko von Gegenverkehr.  

Fazit: Lastenräder, mehrspurige Fahrräder sowie Elektromobile sollten sich rechtzeitig vor endgültiger Schließung der Bahnschranke über geeignete Umleitungsstrecken informieren.


Unsere Bewertung:
Wir Grüne in Harheim haben seit 2015 gefordert,

  • dass die schnelle Radwegeverbindung von Harheim über Berkersheim bis in die Innenstadt nicht unterbrochen werden darf
  • dass der Umsteigeweg zwischen Bus und Bahn am Berkersheimer Bahnhof maximal 100 Meter betragen soll
  • und dass eine Weiterführung der Buslinie 25 bis nach Preungesheim ermöglicht werden soll.

In vielen Anträgen haben wir darauf hingewiesen, dass die Planung der Omegabrücke dringend ist und nicht verzögert werden darf, um diese Übergangsphase eines provisorischen Zustand bis zu einer Fertigstellung des Projekts möglichst kurz zu halten.

Zu der provisorischen Zwischenlösung haben wir in mehreren Anträgen gefordert, dass auch der Behelfssteg barrierefrei ist und mit Rampen für Fahrräder ausgerüstet werden soll, so dass auch Lastenräder, Kinderwägen und Rehabilitationsmobile vom einen zum anderen Stadtteil gelangen und auch das bisweilen dichte Fahrradverkehrsaufkommen in den Sommermonaten nicht zu Staus und Unmut führt.

Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Bushaltestelle 25 in der Übergangsphase direkt neben den Gleisen eingerichtet wird, damit auch weiterhin Menschen morgens schnell und einfach zum Arbeitsplatz oder zur Schule gelangen, ohne vermeidbare Umwege zurückzulegen. Schließlich ist nicht jeder gut zu Fuß.

Von allen Initiativen ist bis jetzt lediglich eine erfolgreich gewesen: der ursprünglich von der DB ohne Aufzüge geplante Behelfssteg wurde barrierefrei nachgerüstet, so dass auch Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen per S-Bahn nach Harheim reisen können, ohne fremde Hilfe anzufordern.

Wir werden unverdrossen weiterhin kreative, sachliche Anregungen einbringen, um die Kreuzungssituation am Berkersheimer Bahnhof für alte und junge Zu-Fuß-Geher, Fahrgäste im Öffentlichen Nahverkehr mit oder ohne Familie und für alle Arten von emissionsfreiem Radverkehr sicher, barrierefrei und zügig zu gestalten. Unterstützen Sie uns dabei.

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