16.06.2022 Fronleichnam – was ist das denn?

kleine Tischchen, geschmückt mit Kerzen, Madonnenfiguren und solche Sachen.

Viele Hessinnen und Hessen haben sich bestimmt gefreut über den Feiertag. Was für eine wunderbare Gelegenheit, mal auszuschlafen und bis spätmittags faul in der Sonne zu braten und dann den Grill anzuheizen. Irgendwie Glück gehabt. Denn Fronleichnam ist nur in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und eben in Hessen flächendeckend Feiertag. In Sachsen und Thüringen kommen noch ein paar Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung dazu. Bei den Menschen in den anderen Bundesländern war der sonnige Donnerstag ein ganz normaler Arbeitstag oder Schultag. Schrecklich.

Aber was ist „Fronleichnam“ eigentlich? Die Bezeichnung leitet sich von mittelhochdeutsch vrône („was den Herrn betrifft“) und lîcham („Leib“) ab. In der katholischen Liturgie heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ und klingt somit schon ein bisschen schaurig. Fronleichnam hat eine lange Tradition. Laut Wikipedia wurde das Fest der leiblichen Gegenwart Christi erstmals 1247 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 vom Papst Urban IV. zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Sie wollen immer noch weitere appetitliche Details von Fronleichnam wissen?

Fronleichnamsaltar

Die Anregung zur Schaffung dieses Festes geht auf die heilige Juliana von Lüttich zurück. Die hatte nämlich in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus hatte ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen des Festes des Altarsakraments. (hm, das haben wir jetzt nicht ganz verstanden, aber egal). Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass sicher auch die heilige Juliana von Lüttich damals davon ausgegangen ist, dass die Erde eine Scheibe ist, um die Sonne, Mond und Sterne irgendwie ständig kreisen. Die konnte noch gar nicht wissen, dass der Mond eine Kugel ist und eine ständig dunkle Rückseite hat. Und selbst wenn sie das geahnt hätte, war sie sicher gut beraten, diese Informationen für sich zu behalten. Sonst hätte Fronleichnam bestimmt keine so interessante Karriere gemacht. Aber nun wird etwas klarer, weshalb es den Feiertag braucht. Wer die wahre Geschichte der Fronleichnamsentstehung und Bedeutung verstehen will, hat eine umfangreiche Literaturliste durchzuarbeiten. Dafür ist ein einziger Feiertag viel zu kurz.

Andererseits – überspringen wir die Wirrungen und den theologischen Überbau – bleibt im überwiegend katholischen Harheim immer noch genug Tradition übrig: An Fronleichnam stellt man eben kleine Tischchen mit Kerzen, Madonnenfiguren und solchen Sachen vors Haus, geht zum Fronleichnamsgottesdienst mit live Musik vom Harheimer Musikverein und läuft unter dem Schutz der Harheimer Freiwilligen Feuerwehr bei der anschließenden Prozession mit. Ohne wenn und aber. So ist das einfach. Dabei trifft man Verwandte, Freunde, Nachbarn, denen man einen schönen Feiertag wünschen kann und ebenso segensreiche Wünsche zurückbekommt. Wäre Harheim nicht viel ärmer ohne solche Traditionen?



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