15.12.2022 Einkaufen: Braucht Harheim einen weiteren Supermarkt?

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Reicht der Netto Marken-Discount aus oder nicht?

Mittlerweile kein Geheimnis mehr: Zwei Lebensmittelmarktketten haben ein Auge auf Harheim geworfen und festgestellt, dass die Harheimer*innen tendenziell lokal unterversorgt sind. Oder anders ausgedrückt: Die Verbrauchermarktunternehmen  möchten sich ein Stück vom Kuchen der Harheimer Haushaltseinkommen abschneiden und dafür den Harheimer*innen nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs in einem Verbrauchermarkt und einer Drogerie anbieten, sondern für sie darüber hinaus vielleicht noch einen Bankomat oder E-Ladesäulen aufstellen. Und wo? Klar doch. In Harheim liegt doch jede Menge Ackerland nutzlos rum. Also auf den Äckern gegenüber von Netto.

Die Meinung der Harheimer*innen sind geteilt. Manche mögen das von viel Grün umgebene paradiesische Harheim mit seinem lokalen Naturschutzgebiet. Etliche finden im kleinen Netto alles was man zum Leben braucht. Und wenn man mehr will, erreicht man mit dem Fahrrad oder dem Auto innerhalb von etwa 10 Minuten in Nieder-Erlenbach oder Bad Vilbel den Parkplatz von Rewe, Aldi, Penny, Rossmann, Edeka, Tegut, Lidl, Maeusel und wie sie noch heissen mögen. Frisches Obst und Gemüse unverpackt gibt’s zudem in drei Hofläden in der Nähe. Wozu also noch für einen Konsumtempel klimawichtige Grünfläche zubauen?

Andere Harheimer*innen finden aber die Idee gar nicht so doof. Konkurrenz belebt das Geschäft, tatsächlich könnte ein etwa 1200 m² großer Markt deutlich mehr verschiedene Produkte anbieten und so die weitere Fahrt in den nächsten Stadtteil oder die nächste Kommune überflüssig machen. Ein Bankomat im Stadtteil wäre schon nett, nachdem die Frankfurter Volksbank sich zuletzt aus Harheim zurückgezogen hatte. Und Ackerland in einer dichtbesiedelten Großstadt? Das schreit geradezu danach, diese Fläche nicht nur für den Anbau von Zuckerrüben zu verwenden.

Allerdings ….

Gut fürs Klima – für neuen Verbrauchermarkt Grünflächen opfern?

Der Haken an der Geschichte: Umwelt und Klima
Leider hat das Bauen eines solchen Marktes einen ziemlichen Haken. Die notwendige Fläche von etwa 8000 Quadratmeter steht in Harheim halt in einem Mischgebiet oder Gewerbegebiet nicht zur Verfügung. Daher wollen die Investoren vorzugsweise auf billigem Ackerland bauen. So rechnet sich die Sache natürlich auch gut. Sowohl für die Investoren, wie auch für die Verkäufer des Grund und Bodens, der so einen netten Wertzuwachs erwarten lässt.

Nun reden die klimabwussten Politiker hessenweit, dass Flächenversiegelung und Flächenverbrauch dringend gestoppt werden muss. Nicht nur in Brasilien, sondern auch bei uns, vor Ort. Denn auf diesen Ackerflächen entsteht im Sommer Kaltluft, die unmittelbar im Umfeld bis nach Frankfurt hinein für Kühlung sorgt, und in den heißen Sommern den überhitzten Wohnungen lindernde Kühlung verschafft. Erst in diesem Jahr hat der Sommer neue Hitzerekorde erreicht. Auch die Extremwetter- und die Starkregenereignisse hängen mit dem Verlust von Grünfläche zusammen. Auf versiegelten Flächen fließt Wasser zu schnell ab.

Können wir tatsächlich immer wieder fordern, dass der Klimawandel gestoppt wird, aber wollen wir für den Verbrauchermarkt vor der Haustür eine Ausnahme machen?

Der Ortsbeirat stimmt zu. Aber unter Bedingungen.
CDU und SPD im Harheimer Ortsbeirat sehen für den Einzelhandel in Harheim einen erheblichen Nachholbedarf und fanden die Idee eines weiteren Verbrauchermarktes gut. Gleichwohl legen beide Fraktionen Wert auf möglichst geringe ökologische Beeinträchtigungen. Für die GRÜNEN waren dagegen die Versiegelung der Grünflächen und die Eingriffe in Natur und Umwelt eine zu große Hürde, um diese Idee gut zu finden. Sie waren nur bereit zuzustimmen, wenn die Beeinträchtigung weitgehend minimiert und die negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt vollständig im Stadtteil kompensiert und ausgeglichen werden können.

So findet sich ein Konsens:  Die Grünen stimmen dem Antrag von CDU und SPD zu, während CDU und SPD dem Antrag der GRÜNEN mit den zu erfüllenden Bedingungen hinsichtlich Klima und Umwelt zustimmen: Flächenversiegelung muss im gleichen Ortsbezirk vollständig ausgeglichen werden. Dabei kann auch die Umwandlung von Ackerland in ökologisch hochwertigeres Grünland in Frage kommen. Parkplatz und Verkehrsflächen werden mit geeigneten Belägen mit maximaler Wasserdurchlässigkeit versehen. Die Gebäude werden mit Dach- und Fassadenbegrünung und mit halbtransparenten PV-Anlagen ausgerüstet. Die Gebäude müssen weitestgehend CO2-neutral und energietechnisch autark sein. Regenniederschlag darf nicht über die Kanalisation abgeleitet werden sondern wird aufgefangen und verwendet.

Und wann ist Baubeginn ?
Egal, was der Ortsbeirat fordert oder nicht: Nach aktuellem Stand ist die begehrte Fläche immer noch Ackerland und muss vor dem ersten Spatenstich erst mal zum Gewerbe- oder Mischgebiet werden. Das ist ein langer Weg und keineswegs einfach. Ohne Erfolgsgarantie. Ein Blick auf Frankfurts lange Liste unausgereifter Baugebietsplanungen zeigt eindrucksvoll: In Frankfurt geht vieles – aber vieles auch extrem langsam. Bevor der erste Bagger zur neuen Baustelle fährt, muss ein Bebauungsplan erstellt werden und davor muss der regionale Flächennutzungsplan verändert werden. Der notwendige Grund und Boden muss erworben, Genehmigungen eingeholt und alles noch einmal kalkuliert werden. Alles Dinge, die viel Zeit brauchen und gelegentlich auf dem kurvenreichen Frankfurter Dienstweg lange vor einem erfolgreichen Abschluss am Ende sind.  

Schauen wir also mal, ob das alles so einfach ist, mit dem nachhaltigen und umweltverträglichen Bauen von Verbrauchermärkten.

Fakten:
Antrag CDU und SPD OA 291: Einzelhandel in Harheim
Antrag GRÜNE OA 292: Bau eines Verbrauchermarktes in der Maßbornstraße östlich von Hausnummer 60

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Eine Antwort zu 15.12.2022 Einkaufen: Braucht Harheim einen weiteren Supermarkt?

  1. Arjan Vink schreibt:

    Seit wir in Harheim leben sind folgende Läden verschwunden: Volksbank mit Geldautomat, Zeitschriftenladen mit Geldautomat (nun EnglishLabs), Blumengeschäft und Fitnessstudio. Nun hört auch die Metzgerei Schmidt auf. Wäre es vielleicht mal eine Idee einen Plan zu entwicklen wie man hierzu Ersatz findest statt auf Ackerland einen Supermarkt mit Parkplätzen zu planen ? Der zunehmenende Leerstand hier in Harheim ist mir schon peinlich und die Planlosigkeit noch mehr…

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