22.12.2022 Aus. Ende. Metzgerei Schmidt schließt.

Metzgerei Schmidt

Die „Metzgerei Schmidt“, neben dem ehemaligen „Goldenen Löwen“ und dem „Musikverein Harheim“ eine der letzten Harheimer Institutionen mit überregionalem Namen, gutem Ruf und jahrzehntelanger Tradition, schließt am 31. Dezember ein letztes Mal die Ladentüre ab. Für immer. Weit über Harheim hinaus waren Wurst und Fleisch aus der Metzgerei bekannt und beliebt und ortsfremde Fahrzeuge hatten immer wieder in der Korffstraße gelegentlich für Stau gesorgt, um kurz bei Schmidts leckere Mettbrötchen zu holen. Inclusive komplette Besatzungen von Polizeiautos. Eine gutgehende Qualitäts-Metzgerei einfach schließen? Warum?

Johann Seibler, der Großvater von Metzgermeister Stefan Schmidt, hatte die Metzgerei vor über 90 Jahren gegründet. Damals waren noch problemlos ausgebildete Metzger als Mitarbeiter zu finden. Stefan Schmidt half schon seit seiner Kindheit im Laden seiner Eltern aus und übernahm nach der Ausbildung und Meisterprüfung 1999 zusammen mit seiner Frau Nicole die Metzgerei. Bis 2004 wurden dort noch Gesellen ausgebildet. Aber der Berufswunsch „Metzger“ stand bei jungen Menschen zunehmend weniger hoch im Kurs. Schweine selbst waren nicht das Problem. Stefan Schmidt bezog Woche für Woche etwa fünfzehn Schweine zum Schlachten lokal von seinem Cousin und Harheimer Landwirt Axel Schmidt. Jedoch war es zunehmend schwieriger geworden, geeignete Fachkräfte zu bekommen und so wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt.

Nun aber haben EU-Auflagen der Metzgerei den Rest gegeben. Nach einer Begehung des Regierungspräsidiums Darmstadts wurden der Metzgerei Schmidt hohe Auflagen gemacht, um weiterhin eine Zertifizierung zur Fortführung des Schlachtbetriebs zu erhalten. Auflagen, die hohe Investitionen nach sich gezogen hätten. Investitionen, die sich im schwierigen Umfeld bei steigenden Preisen für Energie und Rohstoffe und bei massivem Fachkräftemangel vielleicht nie ausgezahlt hätten.

Und so treffen Stefan und Nicole Schmidt die Entscheidung, ihren Betrieb und die einzige Metzgerei Frankfurts zu schließen, die noch selbst schlachtet und ihre Erzeugnisse im eigenen Laden verkauft. Und die Entscheidung, die viele Harheimer*innen aber auch Polizeibesatzungen und Kund*innen von weit her ratlos zurücklassen: Wo jetzt gute Wurst, Fleisch und Mettbrötchen herkriegen, aus regionaler Erzeugung und vom Metzgermeister selbst gemacht?

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