29.12.2022 Radverkehr und Harheim – passt das zusammen?

Fahrradstraße im Nordend.

Zur letzten OBR-Bürgerfragestunde in diesem Jahr kommt Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros im Frankfurter Straßenverkehrsamt, nicht mit dem Fahrrad sondern mit der S-Bahn, was angesichts des miesen Wetters verständlich ist, aber keinesfalls bedeuten soll, dass ihm Harheim und die Radfahrsorgen der Harheimer*innen gänzlich fremd wären. Die haben nämlich ein paar knifflige, schwierige Fragen an den Radmobilitätsexperten, dessen Aufgabe die „Verbesserungen für Radfahrerinnen und Radfahrer in Frankfurt“ ist. Zum Beispiel zu der Riesenumleitung von Harheim ins benachbarte Berkersheim. Für den Radverkehr verläuft der direkte Weg seit der Schließung der Bahnschranke am Berkersheimer Bahnhof vor neun Monaten nach den Ideen des Radfahrbüros von Harheim durch Bonames, über die Homburger Landstraße und den Frankfurter Berg, dann links ab über den Berkersheimer Weg bis nach Berkersheim. Für Joachim Hochstein ist die Planung völlig logisch: Das ist der einzige Weg, der beleuchtet ist. Daran prallt jedes Gegenargument ab. Dagegen kommt auch ein „…aber der Weg ist dreimal so lang …“ nicht mehr an. Auch übrigens nicht mehr der Hinweis, dass seit April 2022 der Radverkehr per Aufzug am Berkersheimer Bahnhof regelmäßig die andere Seite erreicht. Und das sogar immerhin schummrig beleuchtet. Warum aber dann auch noch die Radfahrumleitungsverkehrsschilder falsch aufgestellt sind und das Schild Richtung Bonames nach Berkersheim weist und andersrum? Kann er nicht erklären. Der Ortsbeirat ist sich ohnehin einig, dass man diese Schilder abbauen könnte ehe ortsunkundige Radreisende sich im Bermesa-Dreieck verirren und womöglich spurlos verschwinden. Grundsätzlich einig ist man sich aber: Die meisten Radfahrenden in Harheim wissen eh, wohin es gehen soll. Die brauchen keine Schilder.

Frankfurter Radnetz in Harheim

Dann ist ja alles in Butter, käme da nicht noch der Sprecher der Grünen und will noch über die Radnetzkarte des Verkehrsdezernats meckern. Wie man denn auf die Idee komme, einfach beliebige Straßen bis hin zu Feldwegen zum Radverkehrsnetz zu erklären, obwohl diese Wege mitunter auch gar nicht zum sicheren Radfahren geeignet seien. Konkret hat der Grüne die Radnetzverbindung Harheim – Massenheim im Sinn. Radfahrbürochef Hochstein findet erst mal an Wirtschaftswegen nichts Schlimmes. Traktorfahrer, Fußgänger und Radverkehr müssen sich eben irgendwie arrangieren. Wenn der Weg verschmutzt ist, muss der Landwirt ihn saubermachen, also kein Problem. Und er weist darauf hin, dass die Fahrradkarte besonders den ortsfremden Radler*innen eine Routenempfehlung gibt. Und da die ausgewiesenen Routen in der Regel auch gut befahrbar seien, wäre es doch besser, auch einen Wirtschaftsweg mit ins Radnetz aufzunehmen, als gar keine Verbindung vorzuschlagen. Ansichtssache. Besser für das Verkehrsdezernat schon, denn damit wird die Kilometerzahl des Frankfurter Fahrradnetzes kräftig nach oben geschraubt. Ob es den Radfahrenden praktisch nützt, wenn sie nachts im Dunkeln auf schlammigen Wegen unterwegs sind kann man auch anders sehen. Als eine Frage der Sicherheit. Bemerkenswert: die Frage nach der Beleuchtung spielt plötzlich gar keine Rolle mehr.

Frankfurter Radnetz: Kaum Platz für Busse und Autos: Die Korffstraße

Aber dann hat Joachim Hochstein doch noch ein kleines Weihnachtsmitbringsel als Stimmungsaufheller für die leicht unzufriedene Harheimer Radfahrgemeinde mitgebracht. Nachdem das Radverkehrskonzept für den Frankfurter Westen gerade fertiggestellt ist, ist jetzt der Frankfurter Norden dran. Für die Radverkehrsregion von Rödelheim bis Nieder-Erlenbach soll in den nächsten Monaten ein Verkehrskonzept angefertigt und ein Netz mit Haupt- und Nebenrouten geplant werden. Die Ausschreibung startet vor Weihnachten.  

Also eine neue Chance für alle Harheimer Radlerinnen und Radler ihre Wünsche und Anregungen einzubringen. Alles wird gut, irgendwann. Vielleicht gibt es eines Tages auch am Stadtrand ordentliche und sichere Radwege. Und nicht nur eine Radnetzkarte.

Wir wünschen ihnen gute Fahrt auf allen Frankfurter und Harheimer Radwegen und Radnetzwegen. Bleiben Sie vorsichtig und geduldig. Und fahren Sie nicht schneller, als ihr Schutzengel fliegen kann.

Der Weg zum Nordpark ist kein Radweg oder Radnetzweg. Kann aber trotzdem wieder gut gefahren werden.
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