02.01.2023 Pünktlich zum Jahresanfang: RMV erhöht die Preise.

02.01.2023 Pünktlich zum Jahresanfang: RMV erhöht die Preise
Die letzte Fahrpreiserhöhung liegt gerade mal sechs Monate zurück, da erhöht der RMV die Preise erneut. Und diesmal ordentlich. Der Einzelfahrschein für Frankfurt, für den im Januar 2022 noch 2,75 Euro in den Automaten geschoben werden musste, kostet 12 Monate später, im Januar 2023 nun 3,40 Euro. Also eine geringfügige Steigerung um satte 23,6%. Da steht selbst die Inflationsrate mit 8,6% verschämt und bescheiden in der Ecke. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gönnt sich da einen ganz kräftigen Schluck aus der Ticketpreis Pulle. Auch die Tageskarte wird gleich mit preiserhöht. Vorher 5,35 Euro, jetzt 6,65 Euro (24,3% mehr als vor 12 Monaten). Lediglich die Preissteigerungen der Monatskarten halten sich in einem halbwegs beschwerdefreien Bereich. Die sind von 94,50 Euro auf „nur“ 97,90 Euro und damit um 3,4% teurer geworden. Den Spitzenwert erzielt dagegen die Kurzstrecke. War der/die Erwachsene vor 12 Monaten noch mit 1,50 Euro dabei, sind jetzt 2,10 Euro fällig. Klingt wenig, sind aber satte 40% mehr. 40% Preiserhöhung? Das zahlen alle Harheimerinnen und Harheim wahrscheinlich gerne, vorausgesetzt, es entspricht auch der erbrachten Leistung. Genau das kann aber hinsichtlich der Zustände um die S6 mit Recht in Zweifel gezogen werden. Vermutlich sind niemals zuvor in einem Jahr so viele S6 Züge ausgefallen oder verspätet gewesen. Und bei Wind und Wetter stehen die Reisenden seit geraumer Zeit im Regen, nachdem die DB Netze AG keinen Platz für Wetterschutz auf den Bahnsteigen geschaffen hat. (Ist ja vermutlich nur für etwa ein Jahr bis zum Ende der Bauzeit). Nun sollen also trotz deutlich schlechterer Leistung die ganz normalen ÖPNV-Nutzer am Stadtrand ordentlich abgezockt werden?

Fahrkarten kaufen? Teure Sache

Nein, meint der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). Man habe zwar die „starken Rabatte für Einzelfahrkarten und Tagestickets gestrichen, … dafür mache der RMV aber andere Angebote, etwa den Sparpass“, zitiert die Frankfurter Rundschau den Stadtrat. „Die 3,40 Euro für eine einfache Fahrt zahle somit kaum jemand“. Sparpass oder Sparspass? Was issn das? Die RMV gibt Auskunft: die Rabattkarte kostet 10,00 Euro pro Monat, dafür gibt’s 25% Rabatt auf alle Einzelfahrkarten und Tageskarten für Erwachsene. Rechnet sich das? Mal sehen, ich fahre wöchentlich einmal zur Physiotherapie in Frankfurt. Normal sind das acht Fahrten pro Monat und kosten 27,20 Euro. Nehme ich den RMV-SparPass kostet der Spass 10,00 Euro für die Karte und acht Fahrten zu je 2,55 Euro: So kostet mich die Sache 30,40 Euro. Ist jetzt mit dem RMV-SparPass doch teuerer? Dumm gelaufen. Wer Dreisatz rechnen kann ist klar im Vorteil.

Auch die Rechtfertigung, dass mit der drastischen Preiserhöhung der Einzelfahrkarten der mehr erzielte Umsatz den Inhaber*innen des Frankfurt Passes zugute komme, klingt wenig glaubwürdig. Leichter einsehbar wäre für die Betroffenen bestimmt, wenn der Tariferhöhungssolidarbeitrag für die Wenigfahrer im RMV dafür verwendet werden würde, wieder eine ordentliche fahrplanmäßige Leistung zu erbringen, damit die gebeutelten Kunden auf dem Absprung vielleicht doch irgendwann wieder mal an einen pünktlichen ÖPNV glauben und vertrauen können. Angesichts der in den letzten Monaten gezeigten Leistungsminderungen. Aber daran soll angeblich Corona schuld sein. Zu viel Personal meldet sich vom Dienst ab. Dafür müssen die Fahrgäste doch bestimmt Verständnis haben, die nun bei höheren Preisen und deutlich krasseren Verspätungen länger im Regen stehen bleiben.

Teure Tickets bei schlechter Serviceleistung – das ist ganz bestimmt nicht der richtige Weg, Kunden und Kundinnen zu gewinnen und zu halten. Bei diesem Preis-/Leistungsverhältnis wird niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, aus ökologischen Gründen seinen privaten PKW zu verkaufen, selbst wenn er nur noch selten damit fährt. Also: Eine große Chance verpasst. So klappts bestimmt nicht, zusätzliche Kunden zu überzeugen, auf ihr altes Auto zu verzichten und umweltschonend mobil zu sein.

Knut hilft viel aber kostet Zuschlag

Knut füllt die Lücken – kostet aber trotz teurer Tickets zusätzlich
Aber es tut sich gerade am Frankfurter nördlichen Stadtrand eine andere Frage auf. Seit über einem Jahr läuft das erfolgreiche Projekt „Knut“, der on-demand Bus, der bei Bedarf mit einer App bestellt werden kann. Eine feine Sache. Aber nicht ganz billig. Pro Fahrt kostet Knut für RMV-Ticketinhaber einen Komfortzuschlag von 1,00 Euro und zusätzlich einen Kilometerpreis von 30 Cent. Zuschlag heisst: Zusätzlich zum normalen teuren Ticket. Wer also trocken mit der U5 Richtung EZB fahren möchte, zahlt zum Einzelfahrschein von 3,40 Euro noch 2,25 Euro Kilometergeld, also zusammen 5,65 Euro, nur um von Harheim zum U5-Anschluss nach Preungesheim zu kommen. Versuchen Sie mal die U5 auf einem anderen Weg zu erreichen. Nur: Weshalb müssen die ÖPNV-Benutzer*innen am Stadtrand für diese normale erwartbare Leistung extra bezahlen? Die Grünen in Harheim schlagen daher vor, die Knut-Sonderkosten zu streichen. Die fehlende Überdachung am Bahnhof Berkesheim hatte Harheims CDU im Ortsbeirat bereits gefordert.


Fakten
RMV-Preislisten zum Herunterladen:
www.rmv.de/c/de/service/infos/infomaterial/fahrkarten-und-tarifinformationen

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