Hitzefrei?

Gerade zeigt uns das Klimaso richtig, was es draufhat. Schweißtreibende Hitzefrei-Temperaturen um die 37°C und ausbleibende Niederschläge, heiße Innenstädte und knorztrockene, ausgedürrte Felder, wo ein kleiner Funke genügt, damit ein Flächenbrand entsteht. Hitzefrei? Gab´s zu meiner Schulzeit, wenn der Schulleiter morgens um zehn Uhr 25°C abgelesen hat.

Die Ursachen sind weitgehend seit Jahrzehnten bekannt. In Deutschland werden täglich rund 60 Hektar „Landschaft“ für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen umgenutzt. Dazu zählt auch der Riederwaldtunnel an der A66, der Ausbau der A5, dazu zählt der neue Stadtteil, der im Nordwesten von Frankfurt nach dem Willen des Planungsdezernenten entstehen soll, dazu gehört auch der Pfingstberg zwischen Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach, zu dem ein überaus beliebter Frankfurter Oberbürgermeister immer wieder darauf hinweist, dass es geradezu Frevel ist, diese wertvolle Fläche nur mit dem Anbau von Zuckerrüben zu verschwenden. „Bauen, bauen, bauen“ fordert er daher konsequent unter dem Beifall der ABG Holding, des Städtischen Wohnungs- und Immobilienkonzerns, dessen Geschäftsmodell mit dem Bebauen noch existierender Grünflächen zu tun hat, die aber zunehmend schwerer zu beschaffen sind. Grünflächen auf denen morgens noch Kaltluft entsteht, die besonders von den unmittelbaren Anliegern geschätzt wird. Und Flächen, in denen Regenwasser aufgefangen und gespeichert wird, um den Grundwasserspiegel nicht ins Bodenlose fallen zu lassen.

Wir kennen diese Zusammenhänge und doch tun wir weiter so, als hätte Klimawandel absolut nichts mit uns zu tun.

Das Land Hessen will den Flächenfraß einschränken – zunächst mittelfristig auf einen Hektar pro Tag, langfristig soll da eine Netto-Null rauskommen. Also gar keine Netto-Versiegelung von Grünflächen mehr.

Nur, solange diese Netto-Null nicht erreicht ist, werden die Sommer jedes Jahr noch ein bisschen heißer werden und die Extremwetter-Ereignisse – ähnlich wie im Ahrtal – werden zunehmen.


 
Einen schönen Sommer wünscht Ihnen
mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert