Kommentar

Achtung, Baustelle !!

Leider kein Aprilscherz – und auch kein Witz. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann macht mit seiner Partei nun Ernst. Frankfurt leide unter großer Wohnungsnot, da müssen dringend neue Bauflächen ausgewiesen werden.
Interessant an diesem Vorschlag ist, dass er erstmals vom Geschäftsführer der AGB Frankfurt Holding GmbH, Frank Junker, in seiner Rede zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters formuliert worden ist. Das ist aus dessen Sicht verständlich. Der Erwerb, der Bau, die Bewirtschaftung von Mietwohnungen ist das Geschäft der AGB Holding. Frank Junker macht da nur seine Arbeit. Welche Interessen bei OB Feldmann dahinterstehen, das wissen wir nicht so genau. Will er tatsächlich allen ein Recht auf Wohnraum in Frankfurt zugestehen, die die Absicht haben, hierher zu ziehen? Oder will er eher denjenigen preisgünstigeren Wohnraum schaffen, deren Wohnungen im Ostend luxussaniert und damit zu teuer geworden sind? Die also aufgrund der zu erwartenden Zuzüge der EZB-Banker sich diese Stadtteile nicht mehr leisten können? (Dann sollen also Billigwohnungen am Stadtrand entstehen? Ist es so gemeint??) Oder geht es darum, der AGB-Holding den Wettbewerbsvorteil und das Geschäft zu sichern – damit sich der Geschäftsführer vielleicht irgendwann einmal erkenntlich zeigen kann? OB ist man schließlich ja auch nicht bis ans Lebensende?

Die betroffenen Bürger im Frankfurter Norden können sich mehrheitlich noch erinnern, dass der ehemalige Planungsdezernent Martin Wentz (auch von der SPD), vor etwa 20 Jahren schon die große Umplanung in den nördlichen Stadtteilen begonnen hat. Fehlende Gewerbeflächen waren damals der Hauptgrund. Nachdem ein Möbelhaus, ein Baumarkt und weitere Betriebe im neuen Gewerbegebiet angesiedelt worden waren, verlor sich bei den Planern aber dann die Lust, das Projekt fertigzustellen, und es wurde still und heimlich begraben. Seitdem warten immer noch viele Bürger auf den Baubeginn im Baugebiet Bonames-Ost, auf die Verkehrsberuhigung im Harheimer Weg oder auf eine vernünftige, sinnvolle Verkehrsplanung.

Aber die großen Denker und Planer sind schon munter dabei, das nächste Fass aufzumachen.

Nicht vergessen werden darf, dass die Planung großer Stadtteile am Reißbrett nicht allzu häufig zu funktionierenden Stadtteilen mit einer ausgewogenen Sozialstruktur geführt haben. Von Nowa Huta bei Krakau über den Prenzlauer Berg in Berlin bis hin zum Atzelberg oder zum Ben-Gurion-Ring reichen die Erfahrungen, was passiert, wenn man es beim “Bau von 8000 Wohnungen” belässt. In fast allen Fällen sind schwierige soziale Brennpunkte entstanden. Schon vergessen, Herr Feldmann? Oder eher noch nie darüber nachgedacht?

Und habe ich noch eine offene Frage an den Herrn Oberbürgermeister: Hatten Sie das mal mit den Bürgern in den nördlichen Stadtteilen besprochen? Wissen denn ihre eigenen SPD-Stadtteilvertreter von Ihrer tollen Idee, die Sie im fernen Römer ausgebrütet haben?

heute etwas wütend und trotzdem
mit nachdenklichen Grüßen

Helmut Seuffert

 

 

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