Die Mannschaft

Ich hatte es mir vor dem Fernseher so schön gemütlich gemacht. Ein Bier in der Hand, Chips und Erdnüsse in Griffweite, bequemer Sessel. Und dann muss ich wohl eingenickt sein. Ich sah die Mannschaft von Eintracht Frankfurt, doch plötzlich völlig anders zusammengesetzt. Die Spieler erkannte ich nicht. Ich wusste nur, die Eintracht war hinter den Kulissen in der Hand von drei Clans. Da war einmal der Clan der Familie Schwarz. Das waren keine begnadeten Fussballspieler, sondern allenfalls brave,biedere Fußwerker, die sich jedoch gut darauf verstanden, den Ball flach zu halten, damit nichts anbrennt. Für besonders kreative Spielzüge waren sie dagegen nicht so bekannt.

Dann gab es den Clan der Familie Rot. Die hatten wohl gerade Oberwasser bekommen und fühlten sich endlich richtig stark in der neuen Rolle. Die hatten den dritten Clan, nämlich den der Familie Grün, in der Vergangenheit immer in Grund und Boden kritisiert. Nach Ansicht des roten Clans hatten die Spieler des Clans der Grüns immer alles völlig falsch gemacht und waren prinzipiell an allem Schuld, was schief gelaufen war. Der Clan Rot jedenfalls beanspruchte den gesamten Sturm der Mannschaft, weil sie allen anderen mal zeigen wollten, wie man Tore schießt.

Die Verteidigung war übriggeblieben für den Clan der Familie Grün. Die waren zwar gar keine ausgebildeten und begnadeten Verteidiger, aber was sollten sie machen. Die Roten sagten ihnen klar und deutlich, dass wenn ihnen die Verteidigung nicht gut genug wäre, dann sollten sie es eben bleiben lassen und man würde Spieler des Clans der Familie Gelb dort spielen lassen.

Einzig der Torwart wurde auch noch von den Roten gesetzt. Der hatte zwar noch nie im Tor gestanden, aber der Clan der Rots hatten einfach zu wenig Vertrauen in die Verteidigerqualitäten der Grünen, so dass sie auf Nummer Sicher gehen wollten.

Nachdem in endlosen Diskussionen auch noch um die Kapitänsbinde ein Streit ausgebrochen war, hatte man einfach gleich drei Spieler zum Kapitän gemacht. Aus jedem Clan einer. Damit Ruhe ist.

Die erste Partie ging gegen den Aufsteiger aus der zweiten Liga mit 0:28 verloren. Zwar stand in der 7. Minute ein grüner Verteidiger alleine vor des Gegners Tor und hätte nur noch aus fün Meter Entferndung einschieben müssen, aber da wurde er jäh von einem Mannschaftskollegen der Roten rücklings rüde zu Fall gebracht. Die Spieler aus dem Clan der Roten wollten das nicht zulassen, dass ausgerechnet ein grüner Verteidiger ein Tor schießt, während die eigenen Stürmer das nicht hinkriegen konnten.

Die Abstimmungsprobleme in der Verteidigung waren gleichzeitig unübersehbar. Die grünen Verteidiger schonten sich auffällig, als der Gegner angriff und erklärten nach dem Spiel in allen Interviews, dass sie völlig davon überzeugt waren, der Torwart könne alle diese Angriffe mit Leichtigkeit abwehren. So wäre ihnen das gesagt worden.

Die mitspielenden Schwarzen waren nicht weiter aufgefallen. Sie hatten sich redlich bemüht, keine Fehler zu machen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten, so sie ihn einmal hatten.

Der von den Roten als Trainer ernannte grauhaarige Mittfünfziger sprach hernach in der Sportschau davon, dass das Spiel ja gar nicht so schlecht gewesen sei. Klar, hin und wieder gäbe es noch ein paar Abstimmungsprobleme. Im Übrigen wäre es jedoch eine super Mannschaft.

Dann war ich schweißgebadet aufgewacht. Das Spiel war längst vorbei, nur noch die unvermeidliche Werbung erfüllte den Raum. „Ein Alptraum, nur ein Alptraum….“ dachte ich.

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