Schöne Bescherung …..

So hatten wir uns Weihnachten ganz bestimmt nicht vorgestellt. Alle Weihnachtsfeiern und Wichtelparties der Adventszeit, die wir noch im Vorjahr Stück für Stück mühsam abgearbeitet hatten, sind in diesem Jahr abgesagt. Wie langweilig. Der Besuch bei Oma und Opa ist gestrichen. Die Menge der Geschenke ist plötzlich reduziert auf das Allernotwendigste, das man vor Toresschluss im Weihnachtslockdownchaos eben ergattern konnte. Zum Weihnachtsgottesdienst muss man sich anmelden, wie früher zum Arzt. Wer unangemeldet kommt, wird an der Tür abgewiesen wie weiland die schwangere Maria. Nicht einmal mehr Böller, Kracher und Feuerwerk sind erlaubt, mit denen Generationen von Vorfahren zu Neujahr regelmäßig die bösen Geister vertrieben haben. Dabei hätten wir das doch gerade jetzt bitter nötig.

Aber Hand aufs Herz: So besonders gut hatte die Chinaböllerei am letzten 1. Januar offenbar nicht funktioniert. Mindestens das Coronavirus ließ sich durch die Knallerei nicht vertreiben. Genauso wenig, wie die Hygienekonzepte der Kinos oder der November-Shutdown die Kurve der Infiziertenzahlen nach unten biegen konnte. Nun Latein am Ende. Was machen wir jetzt?

Ein Vorschlag: machen sie den PSD, den Personal Shut Down. Den Wichtelparties eine Träne nachweinen? Wozu. Außer dem Stress haben Sie doch nichts verpasst. Freuen Sie sich. Sie haben viel Zeit gespart. Der Besuch bei Oma und Opa, Tante, Onkel, Geschwister und andere Angehörige ihrer weit verzweigten Sippe? Schauen Sie mal im Internet unter den Nachschlagworten „Familienstreit“ und „Weihnachten“ nach. Ausgerechnet zu den Weihnachtsfeiertagen brechen statistisch gesehen viele alte Konflikte wieder auf und viele Ehen gehen zu Bruch. Wollen Sie das ausgerechnet jetzt wirklich mutwillig riskieren? Bleiben Sie also lieber alleine zu Hause im Lehnsessel am Ofen oder auf der Couch und erledigen Sie die Familienkommunikation mit einem sicheren Anruf aus der Ferne per Telefon oder Skype. Da können Sie mühelos jederzeit das Gespräch downshutten: „Oh, ich glaub ich muss mal aufhören, die Gans ist jetzt durch“.

Die vielen Geschenke, die Sie in diesem Jahr nicht kriegen, ersparen Ihnen gleichermaßen den geheuchelten herzlichen Dank, das unauffällige Entsorgen der ungewünschten Häkeldecken, Handtücher, Krawatten und Socken, wie auch die lästige Umtauschtour zwischen den Jahren für die wertvolleren Preziositäten. Das Geld, das Sie selbst für nicht gekaufte Geschenke eingespart haben, stecken Sie in das Sparschwein mit der Aufschrift „Urlaubskasse“. Glauben Sie mir, Sie haben mehr davon. Und der Weihnachtsgottesdienst? Also ehrlich, wenn Sie das ganze Jahr über nicht zum Gottesdienst gehen, muss es an Weihnachten auch nicht sein. Da ist niemand, der Sie vermissen wird.  Überlassen Sie ihren Platz lieber an Menschen, die das nötiger brauchen und schauen Sie sich den Wunschgottestdienst ihrer Konfession in der Kirche Ihrer Wahl online oder im Fernsehen an. Hygienisch und theologisch einwandfrei. Absolut risikolos. Da können Sie sogar noch lauthals und inbrünstig das Weihnachtsliedgut mitgröhlen, was im Gottesdienst heuer wegen den Aerosolen strengst verboten ist. Und Ausgangssperre? Kann ihnen völlig egal sein.

Das Geld, das Sie für Silvesterfeuerwerksprengstoff ausgeben wollten, das spenden Sie für einen guten Zweck. Am besten für den Wiederaufbau eines von Krieg und Terror zerstörten Landes. Sie werden sehen, so sind Sie garantiert nachhaltig befreit von weihnachtlichen Schuldgefühlen oder schlechtem Gewissen jeglicher Art. Und genauso frei von Corona. Sie haben sich nicht angesteckt – und andere auch nicht. Könnte es eine schönere Weihnachtszeit geben?


Mit nachdenklichen Grüßen


Ihr Helmut Seuffert