Wahlplakate verstehen leicht gemacht (Folge 11): Wo ist der Plan?

Plan ist immer gut. Aber wo ist er?

Endlich. Eeeeeeendlich. Endlich hat eine Partei einen Plan! Das ist revolutionär neu. Schluss mit dem planlosen Rumregieren. Alle anderen reden nur vom Denken und vom Machen. Die hier versprechen Verkehrspolitik mit Plan. Aber halt! Werfen wir doch erst einmal einen Blick auf den Plan, bevor wir allzu voreilig unsere Kreuzchen setzen. Denn frei nach Lenin: Einen Plan haben, ist gut. Einen guten Plan haben, ist zweifellos besser. Auf den Internetseiten der Partei mit Plan, werden wir doch bestimmt was finden können….

„Ein umfassendes und bedarfgerechtes Verkehrskonzept für Frankfurt aufstellen, in dem alle Interessen berücksichtigt werden. Den Öffentlichen Nahverkehr weiter ausbauen und deutlich attraktiver machen. Für schwächere Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit erreichen sowie für Pendler überzeugende Alternativen zum Auto anbieten. Neue und moderne Ansätze für einen stadtverträglichen Lieferverkehr entwickeln. Eine Verkehrs-App einführen, um alle Verkehrsangebote digital zu verknüpfen.“

Gut, das hat keine Ecken und Kanten, tut niemand weh und könnte so auf fast allen anderen Wahlplakaten oder Kurzprogrammen auch stehen. Aber soll das etwa der Plan sein?

Die Jury-Mitglieder*innen schütteln in tiefer Verzweiflung den Kopf. Bauplan, Stundenplan, Wirtschaftsplan, Planwirtschaft, Fahrplan, Serviceplan, Stadtplan, Schaltplan, Darlehensplan, Landschaftsplan und den Plan von Hütter, mit der Eintracht die Meisterschale zu holen – das kennen wir alles. Zur Sicherheit schauen wir in Gablers Wirtschaftslexikon. Was ist „Plan“? Antwort: Präskriptives, symbolisches Modell, das in vereinfachter Form ein zukünftiges reales System abbildet. Na also. Das isses. Nur wo?

Um wirklich ganz sicher zu gehen, suchen wir aber nun den Plan im Wahlprogramm der Partei, in der alle planmäßig für Frankfurt sind. Hochinteressant. Lesenswert. Der Frankfurter Flughafen soll Helmut-Kohl-Flughafen heißen, der Radverkehr in ausgewählten Nebenstraßen kanalisiert werden und im Verkehr sind mehr Kontrollen und Sanktionierungen notwendig. Und dann – endlich – wir haben den Plan gefunden. Ey Leute, der war echt gut versteckt: die Planpartei will „…die zeitnahe Erstellung eines Gesamtverkehrsplans in Form eines sogenannten Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP)“.

„Verkehrspolitik mit Plan“ heißt also konkret für die Orangenen: „Wir haben noch keinen, aber wir wollen einen“. Hatten die nicht gerade eben noch so getan, als hätten sie schon einen?  

Das Urteil unserer Jury.
Knackig, verständlich und logisch. So wünschen wir uns gute Wahlplakate. „Wähl uns, denn wir haben einen Plan, die anderen nicht“. Genau das ist die Sprache, die Wähler*innen lieben. Dafür gibt’s 3 Punkte.

Schwieriger ist das in der Ehrlichkeitskategorie. Zu leicht wird der Eindruck erweckt, die Orangenen hätten einen Plan. Dabei hätten sie nur gerne einen. Die Jury entscheidet auf „Mogelpackung“ und damit null Punkte.

Da bleibt die Kategorie Effectability (Wirksamkeit). Auch hier räumt das Plakat wieder alles ab, was abzuräumen ist. Mogelpackungen funktionieren eben einfach.