Wahlplakate verstehen leicht gemacht (Folge 4): Nachhaltig bauen wie in …. Barcelona?

….wie in Barcelona …?

Barcelona! Wer einmal dort war und im Sommer entspannt die Rambles entlanggeschlendert ist, das mediterane Leben mit katalanischem Einschlag pulsieren gespürt hat, wer über den Parc Güell, die Casa Vicens bis zur Sagrada Familie der Spur des Architekten Antoni Gaudi gefolgt ist, wer den Wein aus dem porró getrunken hat (ohne zu kleckern), mit cava statt mit Sekt oder Champagner anstößt, der wird diese aufregende Stadt einfach megageil finden. Aber kann man dort wohnen?

Vergleichen wir mal: Frankfurt ist 248,3 km² groß und hat rund 763.000 Einwohner. Also 3072 Einwohner pro km². Barcelona ist mit 101,4 km² deutlich kleiner, hat aber 1.630.000 Einwohner, also mehr als doppelt so viel, als Frankfurt. In Barcelona leben 16.000 Menschen pro km². Vielleicht ist deswegen auch Bauland in Barcelona rund fünfmal so teuer wie im ohnehin schon teuren Frankfurt. In Kataloniens Hauptstadt am Mittelmeer müssen Sie Bauland erst mal finden. Nachhaltig unter diesen Bedingungen bauen? Da sind wir doch mal neugierig, was Barcelona zu bieten hat.

Wir durchsuchen erst einmal das Wahlprogramm dieser „Partei unter Strom“, was dort über Barcelona und nachhaltiges Bauen steht. Fehlanzeige. Nichts. Barcelona wird zwar einmal im Zusammenhang mit Smart City erwähnt und einmal zum Thema Verkehrssysteme. Sonst nicht. Das ist aber seltsam. Wir holen den nächst größeren Hammer aus dem Kasten. Mal sehen, was uns Google zu den Schlagworten [Barcelona Bauen Nachhaltig] ausspuckt. Unter den 407.000 Ergebnissen, die in 0,42 Sekunden gefunden werden, treffen wir auf das Kulturzentrum La Lleialtat Santsenca, auf den FC Barcelona und Porsche, die Superblocks von Barcelona, die World Green Building Week, auf den spanischen Architekt Enric Ruiz-Geli und dann verlieren wir die Lust, auch noch die anderen 406.995 Fundstellen zu prüfen. Nachhaltig bauen wie in Barcelona? Uns bleibt das ein Rätsel.

Das Urteil unserer Jury:
Was „Nachhaltig bauen“ mit Barcelona zu tun hat, kriegen wir erst mal nicht raus. Das muss nicht bedeuten, dass die katalanischen chicas und chicos nicht nachhaltig bauen können. Das bedeutet nur, dass die Partei, die damit Werbung macht, uns eine Erklärung schuldet. Für den Inhalt geben wir vorerst keinen Punkt, da wir nicht wissen, ob Flasche leer oder voll ist.

In der Ehrlichkeitskategorie – null Punkte. Der Verdacht konnte nicht wirklich ausgeräumt werden, dass potemkische Dörfer und katalanisches nachhaltiges Bauen gemeinsame Vorfahren haben.

Da bleibt die Kategorie Effectability (Wirksamkeit). Und da bekommt das Plakat satte drei Punkte. Die verstehen es hervorragend mit den Begriffen Barcelona, Bauen und Nachhaltigkeit in den Köpfen der Wähler*innen Urlaub, Wohnungsmangel und Klima zusammenzuschalten. Hoffentlich gibt das keinen Kurzschluss.