Wahlplakate verstehen leicht gemacht (Folge 8): Endlich wieder Party und feiern bis der Arzt kommt.

Party rund um die Uhr?

Schluss mit Corona, Schluss mit Lockdown! Wir wollen endlich wieder Party feiern bis der Arzt kommt. Wollt ihr Unterricht in den Schulen – Neiiiin. Wollt ihr Homeoffice ? Neiiiin! Was wollt ihr denn: Partiiiiiiiiiiiiiiiiieeee!

Verstehen wir gut. Nach gefühlt drei vollen Jahren kaltem Entzug wollen auch wir uns mal wieder amtlich die Kante geben und nicht mehr vor Absperrbändern und geschlossenen Kneipen stehen, wo der Wirt aus dem letzten Loch das Lied vom Pleitegeier pfeift, der in Sichtweite vorbeifliegt.

Aber Achtung. Hat diese kleine Partei da nicht etwas verwechselt? Wir wählen doch gar nicht für oder gegen Corona. Für oder gegen Lockdown. Wir wählen die Stadtparlamente, Ortsbeiräte und (manche) auch die Kommunale Ausländervertretung.

Also schieben wir Corona vorsichtig aus unserem Kopf, tun so als gäb´s das nicht mehr, und schauen mal, was es aus Frankfurt zum Thema Sperrzeit für Gaststätten und öffentliche Vergnügungsstätten rauskriegen lässt. Auf www.frankfurt.de steht:

Die allgemeine Sperrzeit für Gaststätten und öffentliche Vergnügungsstätten ist … auf täglich 05.00 Uhr bis 06.00 Uhr festgesetzt. Damit ist es Gaststättenbetreibern grundsätzlich möglich, ihr Lokal ohne besondere Konzession bis 5 Uhr morgens zu öffnen.“

Da haben wir´s schwarz auf weiß: bis zum Tequila Sunrise um fünf Uhr morgens darf gefeiert und gesoffen werden, dann ist Lillet Vesper. Dann ist erst mal eine Stunde Sendepause. Jetzt sind wir einigermaßen ratlos. Was ist der Sinn, dass ausgerechnet um fünf in der Früh Schluss mit Sex on the Beach ist? Wir wissen es nicht. Andererseits haben wir ganz leichte Zweifel daran, ob die ganzen Mimosas, die morgens um fünf Uhr lieber in Ruhe ihren Golden Dream ausschlafen wollen oder um die Uhrzeit schon seit Stunden bei Frisco Sour Arbeit sind, so viel Verständnis und Mitleid für die partywütigen Cosmopolitans aufbringen. Aber, Cuba Libre, das ist nicht unser Mojito.  

Die Message ist klar: Wer 24 Stunden ohne Pause Gin and Sin will, muss einfach diese Partei wählen


Das Urteil unserer Jury:
Numero uno: Wahlkampf wie wir ihn lieben. Keine Old Fashioned Thekensprüche, kein Bloody Mary Mix, kein Daiquiri-Gelaber, kein Le Gurk Kamikaze. Hier wird klar vermittelt, wofür die kandidierenden Politiker einstehen. Für Paradise rund um die Uhr

Deswegen, für Inhalt und Präsentation gibt’s drei volle Punkte. Bei dem Plakat wissen Hugo, Gimlet, Jack Rose, Margarita, Tom und John Collins, Ginger 43, Harvey Wallbanger, Rob Roy, Scarlett O´Hara und der Prince of Wales genau, woran sie sind.

Auch in der Kategorie Ehrlichkeit kriegt dieses Plakat die volle Punktzahl und sogar noch den Sympathiepunkt der Jury. Diese Menschen wollen einfach Fun und Spaß rund um die Uhr und sagen das auch klar und deutlich. Alle anderen Probleme in Frankfurt sind nach so einer Nacht zwar immer noch da, aber sie tun nicht mehr ganz so weh.

In der Kategorie Effectability (Wirksamkeit): Klare drei Punkte. Dieses Plakat wird das Wählerpotential in der gehobenen Partyklasse voll ausschöpfen. Immerhin muss man sich non-stop-Marathonclubben erst mal leisten können.