Wahlplakate verstehen leicht gemacht (Folge2): Klimagerecht. Jetzt, sofort!

Klimagerecht? Jetzt. Egal wie.

Hauptsache, das Wort „Klima“ steckt drin! Aber „Klimagerecht“? Momentchen, was ist das denn eigentlich. Schauen wir doch mal in Wikipedia nach:

„Klimagerechtigkeit soll dafür sorgen, dass die heute ungleiche Verteilung der Folgen der globalen Erwärmung unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips ausgeglichen wird, da jene Bevölkerungsgruppen (mehrheitlich im globalen Süden , die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, oftmals am stärksten und ungeschütztesten unter seinen Folgen zu leiden haben.“

Ah, jetzt sind wir schlauer. „Frankfurt klimagerecht“ bedeutet also nicht, dass die Auswirkungen des Klimawandels in Frankfurt bekämpft oder gelindert werden. Die Überhitzung in der Innenstadt etwa. Sondern nur, dass diese Auswirkungen und Schäden möglichst gerecht auf alle Frankfurter verteilt werden sollen.

Wie dem Klimawandel beizukommen ist? Ob er verhinderbar ist? Da hat diese Partei in leuchtendem Rot offenbar auch keine Idee. Eine Solidaritätsabgabe für Besserverdienende? Eine höhere CO2-Bepreisung? Egal, Hauptsache gerecht und solidarisch.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Klimawandel ist eben ungerecht. Er trifft alle, und nicht nur die, die ihn verursacht haben. Und immer noch verursachen.  Nun ist es zwei Minuten vor Zwölf. Wollten wir erst diese Ungerechtigkeit diskutieren um zu erreichen, dass die schlimmsten Verursacher auch am meisten zur Behebung des Problems beitragen, wird der Zug mit dem 1,5°C Klimaziel abgefahren sein, bevor die Diskussion endet.


Die Bewertung unserer Jury
Mehrheitlich war unsere Jury der Meinung, dass das Wort „Klimagerechtigkeit“ doch ein kleiner Etikettenschwindel ist. Zu leicht wird der Eindruck gefördert, diese Partei würde praktisch, innovativ und konsequent den Klimawandel bekämpfen. Dafür gibt’s natürlich einen klaren Minuspunkt

In der Ehrlichkeitskategorie gibt’s ebenso aus gleichem Grund einen roten (Minus)punkt. Weil mindestens fahrlässig der Anschein erweckt wird, diese leuchtendrote Partei würde bei der „Fridays for future“ Bewegung in der ersten Reihe marschieren und für die Ziele des Pariser Klimaabkommens eintreten. Dabei sind die tatsächlichen Absichten zwar nicht unredlich aber offenbar ganz andere.

Dafür gibt’s aber in der Kategorie Effectability (Wirksamkeit) einen klaren Punkt. Mit lediglich drei Worten „Frankfurt“, „Klima“ und „Jetzt!“ zielt  diese Partei auf die Herzen der Wählerinnen und Wählern – und trifft ins Rote.